Weinstöcke sind bei guter Pflege starkwüchsig und stehen mindestens 25 Jahre. Natürlich überleben sie auch, wenn man sie nicht schneidet. Der hier geschilderte Schnitt bezieht sich auf die Pflanzung von Weinreben als Obst. Durch die Starkwüchsigkeit ergibt sich beim Wein ein mehrfach jährlicher und sehr starker Rückschnitt, um die Kraft der Pflanze in die Traubenproduktion und Reife zu lenken. Alle großen und grundsätzlichen Schnittmaßnahmen sollten im Winter bei frostfreier Witterung stattfinden.

Pflanzvorbereitungen:
Wein braucht zum Wachsen und Reifen viel Wärme und direkte Sonne. Da er immer eine Stütze oder ein Rankgerüst braucht, bietet es sich an, ihn an die Südwand des Hauses zu setzen oder an ein Spalier an einem der wärmsten Plätze im Garten. Ohne Stütze rankt er in Bäume und Dachrinnen. Achtung: In Senken sammelt sich bei Spätfrost im Frühjahr manchmal Kaltluft, die die Knospen erfrieren lässt. Hänge oder Ebenen sind geeigneter.
Der Boden wird vom Wein sehr tief durchwurzelt und muss sorgfältig vorbereitet werden. An der vorgesehenen Pflanzstelle hebt man den Boden ca. 50 cm tief aus und lockert die Sohle des Loches. Der Aushub wird mit Gesteinsmehl und Kalk, reifem Kompost und verrottetem Rinderdung vermischt und wieder eingefüllt.

Pflanzung:
Gepflanzt wird im April oder Mai. Vor der Pflanzung kann man die Jungpflanzen 24 Stunden wässern. Der Pflanzabstand beträgt 3 bis 4 m. Man pflanzt so tief, dass die Veredelungsstelle etwa 3 cm über der Erde ist. Danach wird ausgiebig angegossen.

Schnitt und Pflegemaßnahmen:
Sie können Ihren Weinstock entweder am freistehenden Spalier, an der Hauswand oder an einer Pergola ziehen.
Am Spalier oder Zaun mit Drähten auf Hüft-, Bauch,- Brust- und Kopfhöhe:
Diese Form ist im Erwerbsanbau üblich und ermöglicht eine große Übersichtlichkeit und einfache Bearbeitung der Reben, dazu viel Luft und Sonne. Die Pflanze wird an einen Pfosten oder Stab gesetzt und der Haupttrieb auf Kniehöhe an diesem befestigt. Die Endhöhe des Stammes ist beim freistehenden Spalier auf Hüfthöhe anzusetzen. Dort wird der Haupttrieb gekappt. An den Drähten führen Sie nun von hier aus einen Seitentrieb als Bogen nach rechts und einen nach links, etwa auf Hüft- bis Bauchhöhe. Der Ausgangspunkt für alle neuen Reben bleibt ab jetzt der „Knubbel“ am Stammende auf Hüfthöhe. Aus diesem treiben jedes Jahr wieder frische hellbraune Triebe, von denen man dann im Winter wieder die zwei stärksten, die in der Nähe dieses Knubbels wachsen, seitlich rechts und links im Bogen anbindet. Die alten Bögen vom letzten Jahr schneidet man im Winter samt allen Seitentrieben ab.
Früchte tragen jedes Jahr nur die frischen senkrechten Triebe, die aus den Knospen der jetzt noch hellbraunen, einjährigen Bögen kommen. Diese Triebe werden im Laufe des Frühsommers senkrecht am Spalier befestigt und auf Kopfhöhe gekappt.
An der Hauswand oder Pergola:
Wählen Sie bei jungen Reben den Mitteltrieb als Stamm aus. Die Endhöhe dieses Stammes ist an der Hauswand oder Pergola etwa bei 2 bis 3 m anzusetzen. Hat der junge Stamm die gewünschte Endhöhe schon erreicht, wird er eingekürzt. Wenn nicht, dann wird der oberste Trieb senkrecht befestigt. Der Stamm wird am Gerüst fest mit Bast oder Kokosstrick angebunden.
An der Hauswand lassen Sie ca. vier Seitentriebe stehen, an den Drähten oder Latten, an denen später Quertriebe entlang führen sollen. Diese bilden das bleibende Holz.
Bei einer Pergola führen Sie entweder den Haupttrieb über die gesamte Länge, oder Sie lassen aus den Seitentrieben ein kammartiges Grundgerüst an den Balken entlang entstehen. Dann bilden diese das bleibende Holz. Alle nun ausgewählten Haupt- und Quertriebe werden später zu den dunkelholzigen, bleibenden Ästen des Weinstockes. Auch sie werden gut befestigt.
Besitzt die Rebe, beispielweise weil man ein Grundstück mit einem bereits älteren und ungeschnittenem Rebstock übernommen hat, bereits ein Grundgerüst aus dunklem, rissigem Holz, wählt man nun einen sinnigen Ausgangspunkt für das Holz, das regelmäßig erneuert wird.
An der Hauswand und bei der Pergola lässt man am bleibenden, dunklen Holz überall in 20 bis 30 cm Abstand kleine knospentragende Triebe bzw. Zapfen aus hellbraunem Holz stehen. Diese sollten je etwa 3 Augen, also lebendige Triebknospen haben. Früchte tragen jedes Jahr nur die ganz frischen Triebe, die aus diesen 3 Augen der jetzt noch hellbraunen, einjährigen Zapfen kommen.
Dies bedeutet, dass man jeden Winter nur sehr wenige starke, hellbraune und biegsame Triebe, die nahe dem alten Holz entspringen, auswählt, aus ihnen Zapfen mit 2 bis 3 Augen schneidet und diese eventuell befestigt. Alle anderen Triebe werden abgeschnitten.
So erhalten Sie in jeder Wuchsform einen übersichtlichen und, bei guter Versorgung, reich tragenden Weinstock.
Ab dem zweiten Jahr nach der Pflanzung werden über Sommer folgende Schnittarbeiten wichtig: Im Juni das Abschneiden der Triebe, die aus der Veredelungsstelle am Boden kommen. Zusätzlich kürzt man die Enden der blühenden Triebe. Ende Juli schneidet man alle nicht fruchttragenden Triebe am Ansatz ab. Anfang September muss man die Erntemenge auf 3 - 4 gesunde Trauben pro Trieb reduzieren, damit diese dann auch wirklich reif und süß werden.
Weinstöcke sollten gegen Pilzerkrankungen vorbeugend mit Schachtelhalmbrühe gespritzt werden. Den Stamm kann man wie bei Obstbäumen mit einem Lehm– oder Weißanstrich schützen. Zu Beginn der Traubenreife empfiehlt sich das Anbringen eines Ernteschutznetzes gegen Vogelfraß.

Ernte:
Die Traubenernte beginnt meist Ende September und zieht sich je nach Jahr, Sorte und Verwendungszweck bis Ende Oktober. Im Spätherbst wird jährlich noch etwas Holzasche und ein phosphorhaltiger, organischer Dünger wie z. B. Phytoperls in die Erde eingebracht.