Der Biogarten im Dezember


„Biogarten

„Der Weg zu allem Großen geht durch die Stille.“
(Paul Keller, 1873–1932)


Liebe Gärtnerinnen und Gärtner,

allzu viel ist im Dezember im Garten nicht los. Bei dem minimalen Licht wächst kaum etwas, und manche von uns kommen nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit nach Hause, geschweige denn in den Garten. Viele Spaziergänge finden im Dunkeln statt, durch halbwegs erleuchtete Straßen oder eben mit Taschenlampe.
Glücklich, wer am Sonntag einen Gartentag einlegen kann, mit Erde an Schuhen und Händen, mit einem schönen Lagerfeuer, Punsch und Lebkuchen. Vielleicht mit Geselligkeit und Leben auf der Wiese. Vielleicht auch ganz in Ruhe und Stille. Oder vielleicht mit lieben Helferinnen und Helfern, um beim frühen Sonnenuntergang mit dem Tagwerk zufrieden zu sein …

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team

SEHNSUCHT

Wenn Ihnen der Winter gar zu grau und lang erscheint und es einfach mal schön wäre, sich den Frühling herzuzaubern, dann gäbe es da einen Trick: winterblühende Gehölze. Aus einer Laune der Natur heraus, um die allerersten Bienen abzufangen oder um Samen möglichst früh zur Reife zu bringen, haben sich einzelne besondere Büsche im Lauf der Evolution dazu entschieden, mitten im Winter ihre bezaubernden Blüten zu öffnen.

Die anmutige Chinesische Zaubernuss schmückt sich schon ab Januar mit fröhlichen gelben Fransenblüten. Bis in den März hinein wird die Blütezeit auch von Eis und Schnee nicht unterbrochen, und so entsteht im Garten ein heller Ort, an dem man gerne vorbeikommt. Übers Jahr ähnelt die Pflanze einem Haselstrauch. Die Zaubernuss wächst langsam und braucht zum Gedeihen einen Platz, an dem sie nicht zu sehr von Unkraut bedrängt wird. Schneekirschen sind zauberhaft: In der Blüte wirken sie wie eine duftige zartrosa Wolke, die über dem schwarzen, zart verästelten Stamm schwebt. Trotz ihrer halb gefüllten Blüten sind Schneekirschen wegen ihres reichlichen Nektar- und Pollenangebotes bei Insekten sehr beliebt. Ihren Blütenschmuck trägt die Schneekirsche Autumnalis ab November und von März bis Mai. Im Herbst leuchtet das Laub in strahlendem Orange.

Von Dezember bis April blüht das Winterblühende Geißblatt. Die cremeweißen Kelche verströmen mitten im Winter einen süßen, schweren Duft, der uns gar nicht nah genug vor die Nase wehen kann. Durch die dichte Verästelung und die fast ganzjährige Belaubung ist das etwa 2 m hohe Geißblatt ein wunderbarer Sichtschutz.

Wenngleich nichts in der Welt einer blühenden Streuobstwiese im April gleichkommt, ein kleines bisschen Frühling dürfen wir uns mit ein paar gärtnerischen Tricks herbeizaubern.

Wenn sich Ihre Träume jedoch eher auf Reife und Fülle, Herbst und von üppigen Trauben behangene Hauswände und Pergolen beziehen, dann kümmern Sie sich jetzt um den Rebschnitt: Bei jungen Reben wählen Sie den Mitteltrieb als Stamm, und alle anderen Triebe werden gekürzt. Dieser Mitteltrieb wird, wenn er so weit ist, auf die gewünschte Endhöhe eingekürzt. Die Endhöhe des Stammes ist an der Hauswand etwa bei 3 m anzusetzen, beim freistehenden Spalier etwa hüfthoch. Binden Sie den Mitteltrieb als Stamm am Gerüst fest an. Verwenden Sie Naturfasern wie Bast oder Kokosstrick, da diese verrotten, bevor sie die Triebe abschnüren. Bei schon etwas größer gewachsenen Reben werden an der Hauswand etwa vier Triebe an den Stellen, an denen später Quertriebe wachsen sollen, stehen gelassen, alle anderen werden abgeschnitten. Ist die gewünschte Endhöhe des Stammes noch nicht erreicht, wird der oberste Trieb senkrecht angebunden. Die ausgewählten Quertriebe entwickeln sich später zu den dunkelholzigen, bleibenden Ästen des Hausweinstockes und müssen gut befestigt sein.

Beim freistehenden Rankgerüst ist der Ausgangspunkt für das einjährige Holz der „Knubbel“ am Stammende auf Hüfthöhe. An der Hauswand ist er am Ende der bleibenden Äste. Trauben tragen die Seitentriebe der einjährigen Triebe, die aus den „Knubbeln“ wachsen. Daher lässt man jeden Winter nur sehr wenige der stärksten neuen (hellbraunen und biegsamen) Triebe, die nahe dem alten Holz entspringen, stehen, kürzt und befestigt sie. Man schneidet wirklich alles andere ab, weil man sonst den Überblick verliert.

Im Sommer werden dann Schnittmaßnahmen wichtig, die Trieblänge, Blätterschatten und später auch die Traubenmenge reduzieren, damit alle verbleibenden Trauben reif und süß werden.

Wie für fast alle Gartengehölze ist eine große Gabe an reifem Kompost, abgedeckt mit Mulch, das beste Weihnachtsgeschenk für einen Rebstock.

DAS BESTEHENDE

Wenn es nicht gerade Stein und Bein friert, schauen Sie auf die Gemüsebeete, auf denen noch Pflanzen stehen: Grünkohl und Rosenkohl kann man, wo nötig, von gelb gewordenen Blättern befreien und gegebenenfalls mit einer Bambusstange stützen. Diese nahrhaften großen Kohlpflanzen könnten, sofern sie nicht dick gemulcht sind, eine schnelle Bodenlockerung mit dem Sauzahn oder einem kleinen Handgrubber vertragen. Auch Feldsalat, Postelein und Asiasalate sind dankbar für so einen Impuls, da all diese Pflanzen selbst bei sehr niedrigen Temperaturen noch ein wenig wachsen. Eine Lockerung und Belüftung des Bodens zwischen den Reihen kann hier noch einmal für grünere und gesündere Blätter und Röschen sorgen, denn die Bearbeitung der Erde setzt in geringem Maß immer Nährstoffe für die Pflanzen frei.

Wenn Sie eine Wiesenfläche in Ihrem Garten haben, die etwas struppig und unbeachtet vom trockenen Sommer in den feuchten Herbst gegangen ist, wäre jetzt eine gute Gelegenheit, diese gepflegt ins nächste Jahr zu schicken. Sehr langes Gras muss abgemäht werden, damit es sich nicht irgendwann legt. Grundsätzlich ist es für eine Wiese gut, wenn sie ausgeharkt wird. Mulch ist zwar Futter fürs Bodenleben. In einer Grasfläche sorgt Mulch, also kleingehäckselte Halme, aber dafür, dass die Erde zwischen den durchsetzungsfähigsten Gräsern abgedeckt ist. So verhindern diese Mulchfleckchen die Keimung von zarteren Kräutern und verringern dadurch die Artenvielfalt auf Ihrer Wiese. Viele Wildblumen sind Lichtkeimer und besitzen teils sehr kleine Samen, die nur in einer luftigen und eher nährstoffarmen Umgebung keimen und gedeihen.

DAS ZUKÜNFTIGE

Vielleicht haben Sie im letzten Jahr Lust bekommen auf mehr Beetfläche, sei sie für Gemüse, Blumen oder Kräuter bestimmt. Wenn in Ihrem Garten noch Platz ist und sich irgendwo eine einigermaßen ebene und helle Fläche zur Bewirtschaftung eignet, dann können Sie es sich jetzt leicht machen: Auch wo noch Gras oder sonstiges Wildkraut wächst, bringen Sie einfach schon einmal eine dicke Schicht Mulch aus, z.B. altes Stroh, Mist, den Inhalt einer halbgaren Kompostmiete oder gehäckselten Heckenschnitt. Wenn diese Schicht dick genug ist oder Sie sie zusätzlich mit kompostierbarer Folie oder Jutesäcken abdecken, wird in den kommenden Monaten ein Großteil der bestehenden Grasnarbe darunter verrotten. Im Frühling nehmen Sie die Abdeckung ab und harken den Mulch weg. Zum Vorschein kommt wunderbar weiche, belebte Erde. Lockern Sie die Erde mit der Grabegabel und entfernen Sie die verbliebenen Wurzeln von Quecke, Ampfer und Löwenzahn. Wer Lehm bzw. Bentonit oder aktivierte Pflanzenkohle zur Verfügung hat, verbessert damit die Wasser- und Nährstoffhaltekraft des Bodens. Nur beim Anbau sehr nährstoffbedürftiger Arten muss man mit etwas Dünger auffüttern.

Säen oder pflanzen Sie umgehend und zügig. So kommt die vorhandene Feuchtigkeit in vollem Umfang Ihren Kulturpflanzen zugute, es wird fast kein Humus abgebaut und so wenig CO₂ wie möglich freigesetzt. Decken Sie die Reihenzwischenräume mit dem restlichen Mulchmaterial ab. So erhalten Sie ein maximal fruchtbares Beet, und graben müssen Sie so nur sehr wenig.

2020

Falls Sie nun gedanklich schon bei der Planung des nächsten Gartenjahres sind oder einfach nur einen schönen Kalender suchen: Bei uns gibt es den bewährten Mondkalender von Maria Thun, in dem man ablesen und planen kann, wann die Möhren wahrscheinlich am besten keimen und wann man lieber etwas anderes tut. Gärtnern nach dem Mond funktioniert ziemlich gut, obwohl es nicht wissenschaftlich begründet und erwiesen ist. Außerdem bietet ein Mondkalender im Garten den Vorteil, dass die Arbeit strukturiert und auf leistbare Abschnitte heruntergebrochen wird.

Der Abreißkalender „An apple a day“ kommt in einer Mini-Obstkiste und bringt 365 Tage lang schöne, leuchtend rote, zitronengelbe oder hellgrüne alte Apfelsorten in Ihr Zuhause.

Neu im Sortiment ist der „taschenGARTEN“, ein Wochenplaner für widerständiges Gärtnern. Neben dem altbewährten „kraut & rüben“-Gartenjahrbuch begleitet Sie der Arbeits- und Obstbaukalender der Abtei Fulda durchs Gartenjahr. Mit guten, knappen Stichpunkten sorgt er dafür, dass Sie das Wichtigste nicht vergessen: pflanzen, pflegen und ernten.


AUSSAAT/PFLANZUNG
Arbeiten
AUF DER FENSTERBANK:
Kresse und andere Microgreens,
Keimsaaten wie Broccoli, Alfalfa, Mungbohnen, Linsen

IM FRÜHBEET:
Spinat

IM FREILAND:
Kerbelrüben, Schlüsselblumen

BEI MILDER WITTERUNG:
Erdbeeren, Knoblauch, Ziergehölze,
Obst- und Wildgehölze, Obstbäume
ARBEITEN
Ernte
- zukünftige Beete mit Mulch vorbereiten
- verfilzte Wiesen mähen und ausharken
- Saatgut sortieren
- eigenes Saatgut reinigen und abpacken
- Zimmerpflanzen pflegen
- Obst- und Gemüselager sortieren
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Feldsalat
- Winterpostelein
- Spinat
- Wintersalate
- Kresse
- Rosenkohl
- Asiasalate
- Grünkohl
- Hagebutten
- Schlehen