Abklingendes Aprilgewitter

Aus grauem Himmel
sticht die Sonne.
Jagende Wolken, blendendes Blau!
Ins grüne Gras greift der Wind,
die Silberweiden sträuben sich.
Plötzlich - still.
Auf einem jungen Erlenbaum
wiegen sich blinkende Tropfen
(Arno Holz, 1863–1929)


Liebe Biogärtnerinnen und Biogärtner,

Der Frühling ist in vollem Gange, und einer der wildesten Monate des Jahres liegt vor uns. Der April macht, was er will: Manchmal beschert er uns vier verschiedene Jahreszeiten an einem einzigen Tag. Jetzt könnte man an allen Gartenecken gleichzeitig sein! Lassen Sie sich nicht aus dem Takt bringen, aber: Alles, was Sie jetzt schaffen, wird Ihnen das ganze Jahr über zu Gute kommen!

Ihr Gerhard Wacha und das Biogartenversand-Team


GEMÜSEGARTEN  |  Jungpflanzen in den Startlöchern

Im April stehen unsere Gewächshäuser voller Gemüsejungpflanzen. Seit Februar wurden Tomaten und Paprika auf einem Demeterhof in unserer Nähe für Sie vorgezogen. Etwa 60 betreute Menschen, die auf dem Hof wohnen und arbeiten, pflegen die Jungpflanzen bis zum Verkauf. Besitzen Sie keine großen Fensterbretter, auf denen schon seit Wochen Tomatenpflänzchen heranwachsen, dürfen Sie sich jetzt aus unserer bunten Vielfalt Ihre Lieblings-Paradiesfrüchte aussuchen: Probieren Sie doch mal die leuchtend orangefarbene, saftige „Auriga“ oder die aromatische „Russische Schwarze“! Im „Tomatenpflanzensortiment“ haben wir unsere sechs beliebtesten Sorten für Sie zusammengestellt. Tomaten stehen am liebsten regengeschützt unter einem kleinen Dach oder an der Hauswand. Sie brauchen, besonders im Sommer, viel Wasser und ausreichend Nährstoffe.

Wenn Sie Ihren Schrebergarten oder Pachtacker gerne auf einmal bepflanzen möchten, wählen Sie einfach aus unseren vorgezogenen Kohl-, Lauch-, Mais- und Salatpflanzen aus, was Sie gerne essen. Die Pflänzchen kommen in 4-cm-Erdballen, dürfen bald direkt ins Beet und liefern Ihnen zum Teil schon ab Juni Ihr eigenes Gemüse. Neu in diesem Jahr sind der großknollige Kohlrabi „Superschmelz“, würzige bunte Rohkost als Asia-Mix und der in der italienischen Küche beliebte Rucola.

NUTZGARTEN  |  Endlich Kartoffeln legen!

In der zweiten Aprilhälfte setzt man Kartoffeln. Das gilt als Faustregel für durchschnittliches Klima hierzulande. Vielleicht durften die Knollen ja schon auf einer hellen Fensterbank „aufwachen“ und erste Keime ans Licht schicken? Vorgekeimte Kartoffeln müssen besonders vorsichtig angefasst werden, damit die Keime nicht abbrechen.

Kartoffeln brauchen einen guten, lockeren Boden. Sehr gut geeignet ist ein Beet, das über Winter mit Mulch bedeckt war und jetzt noch mit viel reifem Kompost aufgedüngt wird. Wo nur wenig Kompost zur Verfügung steht, gibt man diesen direkt mit in die Pflanzlöcher. Reifer Kompost wirkt durch die vielen, ihm innewohnenden Lebewesen geradezu krankheitshemmend. Eine günstige Nährstoffquelle sind auch Hornspäne oder Cuxin Kartoffeldünger.Wo Kartoffeln auf üblichen 1,20 m breiten Beeten angebaut werden, markiert man zwei Reihen im Abstand von 60 cm und setzt ca. alle 45 cm in der Reihe eine Knolle. Wer Platz hat, plant das Beet lieber 1,50 m breit und pflanzt im Abstand von 75 mal 35 cm, das erleichtert später das Anhäufeln.

Sollen Kartoffeln schon Anfang des Monats gelegt werden, so kann man das empfindliche Laub mit einem Vlies vor Nachtfrösten schützen.Kartoffeln lassen sich auch in 15- bis 20-Liter-Eimern (mit Abflusslöchern), zum Beispiel auf dem Balkon, anbauen. Bei dieser Methode empfehlen wir eine Pflanzung in halb mit Erde gefüllte Eimer, die man nach und nach auffüllt, ohne dabei das Kartoffellaub zu verschütten. Das entspricht dem Häufeln.Anhäufeln im Beet oder auf dem Acker verhindert, dass Knollen am Licht liegen und grün werden. Grüne Kartoffeln eignen sich wegen des hohen Solaningehaltes nicht zum Verzehr! Beim Häufeln, das entweder mit einem Häufler oder quer zur Reihe, mit einem Rechen erledigt werden kann, verschüttet man zudem kleineres Unkraut.

Kartoffeln kommen im Allgemeinen gut mit Trockenheit zurecht. Viele Sorten bringen aber bessere Erträge, wenn sie in Trockenzeiten bewässert werden. Beregnen Sie nur morgens, damit das Laub schnell abtrocknet und nicht vorzeitig krank wird, denn die gefürchtete Braunfäule verbreitet sich hauptsächlich bei Nässe.

AUS DEM GARTEN AUF DEN TISCH  |  Wildkräuterküche

Der Frühling ist, bei allen Frühlingsgefühlen, Blüten und Vogelgezwitscher leider eine ziemlich gemüsearme Zeit! Jetzt lohnt es sich, die sprießenden Blättchen etwas genauer anzuschauen. Vieles von dem kleinen Grün ist essbar und schmeckt zart und jung besonders fein: Aus kleinen Löwenzahnrosetten lässt sich mit angeröstetem Sesam und Oliven ein köstlicher mediterraner Salat zubereiten.

Junger Giersch, der ja sonst nicht so gerne gesehen ist, wenn er flächenweise auftritt, lässt sich mit Sichel oder Schere ernten, wie Mangold blanchieren und beispielsweise mit Schafskäse garnieren. Junge Brennnesseln sind – mit Handschuhen geerntet – als grüne Beigabe zur Kartoffelsuppe ein wunderbares Gemüse. Sie verlieren in kochenden Speisen nach wenigen Minuten ihr Brennen. Frische Vogelmiere wächst schon früh im Kalten, zeigt uns guten Gartenboden an und schmeckt roh sehr gut. Auch die Blättchen von Beinwell, Gundermann und Sauerampfer sind jetzt zart und lecker.

Natürlich sollten Sie zum Sammeln ausreichend Sicherheit im Erkennen von Kräutern besitzen: Bitte gehen Sie im Zweifelsfall mit jemand Geübtem oder einem guten Bestimmungsbuch auf die Suche, um vor bösen und bitteren Überraschungen sicher zu sein.

Wildkräuter enthalten im Allgemeinen sehr viele Vitamine und Mineralstoffe und werden von alters her im Frühling genutzt. So wird in der sächsischen Lausitz traditionell eine Gründonnerstagssuppe aus mindestens sieben Kräutern zubereitet, und auch in die Frankfurter grüne Sauce gehören sieben Kräuter.

ANZUCHT  |  Der Kindergarten

Behalten Sie Ihre „Kleinsten“ stets im Blick. Gute Bedingungen bei der Keimung und Anzucht schaffen die besten Voraussetzungen für gesunde Pflanzen. Zunächst sind Feuchtigkeit und eine optimale Keimtemperatur nötig. Bald nach der Keimung spielen jedoch auch Licht und Platz eine entscheidenden Rolle. Halten Sie eine Packung Aussaaterde oder einen Eimer mit Sand-Kompost-Gemisch bereit, falls Ihre „Babys“ auf der Fensterbank zu sehr in die Länge schießen. Pikieren und Umpflanzen lohnen sich! Zu lange Jungpflanzen fallen sonst teilweise schon beim Gießen um.

An milden, nicht zu windigen Tagen dürfen alle Pflänzchen einige Stunden auf den Balkon oder auf die Terrasse gestellt werden. Durch Licht und Luft werden sie stabil. Achten Sie auf Hühner, Kaninchen und andere Tiere mit Appetit auf grüne Blätter!

Größere Kohl- und Tomatenpflanzen könnten im Topf jetzt schon etwas hungrig werden, was man am Vergilben der untersten Blätter erkennt. Kohl sowie Salat und Porree geht es nun im Freilandbeet sowieso besser als im Anzuchtgefäß. Natürlich bietet auch ein regelmäßig gelüfteter Frühbeetkasten hierfür beste Wachstumsbedingungen. Tomaten und Paprika vertröstet man, wenn man kein Gewächshaus hat, mit Flüssigdünger oder einem großen Topf Universalerde.

Junge Pflänzchen im Freiland brauchen vor allem Schutz vor Konkurrenz und Schnecken: Halten Sie die Beete anfangs mit der Jätefaust oder einer Hacke unkrautfrei. Eine Mulchschicht zwischen den Reihen schützt vor Austrocknen des Bodens. Wo Wiesen oder Hecken angrenzen, empfiehlt sich das Anbringen von Schneckenkragen oder einem Schneckenzaun.

NUTZ- UND ZIERGARTEN  |  Ereignisse im Boden

Im April könnte man alles auf einmal tun: Beete vorbereiten, aussäen, pflanzen, Unkraut jäten usw. Denken Sie in jedem Fall auch an die Pflege des Erdbeerbeetes: Wer jetzt die Erdbeerpflanzen jätet, sie wieder auf etwa 60 mal 30 cm vereinzelt und einen guten, geeigneten Dünger wie Beerendünger oder Rinderdung zwischen den Pflanzen verteilt, darf auf eine gute Ernte hoffen. Spätestens ab der Blütezeit braucht das Beet eine saubere Mulchschicht zum Schutz der reifenden Beeren.

Setzen Sie, sobald es genug Brennnesseln gibt, Brennnesseljauche an. Dieses Zaubermittel wird von kaum einem Flüssigdünger übertroffen und lockt Regenwürmer in den Boden. Ein frisch angesetzter Brennnesselauszug wirkt nach ein bis zwei Tagen, pur angewendet, gegen viele Schädlinge. Fertig vergorene Jauche muss etwa 1:20 verdünnt werden und dient als Dünger und Pflanzenstärkungsmitel. Die Herstellung ist einfach: In einem Holz- oder Plastikfass voll kaltem Wasser wird ein großer „Strauß“ Brennnesseln versenkt und mit einem Holzstock täglich gerührt. Nach 2 bis 3 Wochen ist die Jauche fertig vergoren. Der einzige Nachteil an Brennnesseljauche ist übrigens der Geruch: Arbeiten Sie nicht mit Jauche, wenn Sie später noch ausgehen möchten! Etwas beigemengtes Gesteinsmehl, wie Urgesteinsmehl oder Bentonit, mindert die Geruchsbelastung deutlich und liefert zusätzliche Spurennährstoffe.

Kontrollieren Sie jetzt alle Rosen und jungen Bäume und Büsche. Schlecht austreibende Bereiche könnten auf Wühlmausschäden hinweisen. Harken Sie den Mulch von der Baumscheibe und zerstören Sie mit den Fingern oder dünnen Eisenstangen die Gänge. Danach schwemmt eine kräftige Wassergabe die Erde wieder an die Wurzeln, und diese können sich erholen.

RASENPFLEGE

Um einen Rasen als grünen, begehbaren Teppich auf Dauer zu erhalten, fängt man früh genug im Jahr an zu mähen. Der anfallende Grasschnitt lässt sich als wertvolles Mulch- und Kompostmaterial nutzen. Auch dem Rasen selber tut die Abfuhr dieser kleinen Grasschnipsel gut. Wer nach dem Mähen noch zusätzlich harkt, entfernt hierbei abgestorbenes Gras und Moos. Der Rasen erhält so mehr Luft und gedeiht besser.

Ein Spezialgerät für die Belüftung der Grasnarbe ist der Vertikutierer. Das Vertikutieren entspricht in etwa dem landwirtschaftlichen Striegeln der Wiesen und ist eine Arbeit, die bei trockenem Wetter durchgeführt wird. Der Vertikutierer kämmt abgestorbenes Pflanzenmaterial aus, ritzt die Grasnarbe leicht auf und durchlüftet sie dadurch. Kombiniert mit einem guten Rasendünger regt das die Graswurzeln zu stärkerem Wachstum an. Junge Rasenflächen sollten etwa ab dem 3. Standjahr auf diese Weise belüftet werden.

Wo Lücken in der Grasnarbe entstanden sind, wird nachgesät. Für je 5 m² braucht man etwa 100 g Rasensaat. Diese muss gut angedrückt und in den ersten Wochen feucht gehalten werden. Junger Rasen wird schneller buschig, wenn er bald, aber nicht zu kurz gemäht wird. Die Mühe hat sich gelohnt, wenn man im Sommer ohne Sorgen auf dem Rasen die schönsten Spiele spielen, unbeschwert in der Sonne liegen oder einfach nur die Augen auf der grünen Fläche ausruhen kann.


AUSSAAT/PFLANZUNG
Arbeiten
warm/geschützt:
- Gurke
- Kürbis
- Melone
- Rosenkohl
- Majoran
- Basilikum
- Thymian
- Zitronenmelisse
- Edelwicke
- Zinnie
- Sommeraster

im Freiland
- Salate
- Mangold
- Rote Bete
- Möhren
- Pastinaken
- Erbsen
- Kohl
- Petersilie
- Dill
- Borretsch
- Ringelblume
- Cosmea
- Bienenweide und Gründüngung
- Rasen
ARBEITEN
Ernte
- Kartoffeln legen
- Pflanzung von vorgezogenen Kohlarten
- Salat
- Porree
- Spargel
- Pflanzung von Gehölzen aus dem Container
- Rasen mähen
- Erdbeerbeete pflegen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Rucola
- Schnittlauch und Winterheckenzwiebel
- Kresse
- Wildkräuter