„Man soll Gott erst für das Brot danken, ehe man um den Kuchen bittet.“
(Sprichwort aus Russland)


Liebe Gartenfreunde,

am siebten Oktober ist Erntedank. Das Fest ist älter und umfassender als seine christliche Definition und lässt sich auf viele Weisen begehen.
Essen wächst dauerhaft nur auf guten, humusreichen Böden. Um den Erhalt dieser dünnen braunen Schicht auf der Oberfläche unseres Planeten müssen wir uns kümmern. Und am meisten Menschen bekommen wir satt, wenn wir Samen, Früchte und Blätter geeigneter Pflanzen einfach essen, statt sie an Tiere zu verfüttern.

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team

ERNTEFREUDEN

Wenn Sie jetzt die Schätze aus Ihrem Garten bergen, schneiden und putzen Sie nicht zu viel ab: Karotten, Rote Bete, Pastinaken und Rettiche halten sich mit intaktem Stielansatz und mit Erde behaftet in einem feuchten Keller am längsten. Kartoffeln dürfen sandig und lehmig sein, die Erde sollte jedoch einige Stunden abtrocknen, damit die Feuchtigkeit keine Fäulnis verursacht. Das Kartoffellager muss stets dunkel und darf nicht zu feucht sein. Kürbisse wollen sanft angefasst und über 10° C gelagert werden. Kohl wird mit Umblatt geerntet und im Keller auf den Boden gelegt oder aufgehängt. Noch besser und besonders gesund ist zu Sauerkraut verarbeiteter Kohl. Bei uns erhalten Sie Gärtöpfe mit einer Anleitung für eigenes sauer eingelegtes Gemüse. Lagern Sie Äpfel in einem separaten Raum, möglichst auf Holzstiegen ausgelegt, und legen Sie auch anderes Obst so hin, dass es gut durchsortiert werden kann. Nüsse werden nach der Ernte ausgebreitet und getrocknet. Danach sind sie viele Monate lang haltbar.

Blicken Sie in einem ruhigen Moment über Ihren herbstlichen Garten: Erinnern Sie sich, neben all der Arbeit und den Sorgen wegen der Trockenheit, noch an alles, was Sie dieses Jahr hier ernten konnten? Wuchs auf diesem Beet nicht im Frühjahr so schöner großer Spinat? Und wie lecker war der eigene Oregano zum Bohnen- und Tomatengemüse neulich! Und erst die Zuckererbsen, die wurden alle direkt im Garten weggenascht! Rückblickend kommt man noch einmal so richtig ins Schwärmen …

Für die Ernte kann man sich an vielen Stellen bedanken: traditionell bei Gott, netterweise bei den Menschen, die einem geholfen haben, naheliegend beim Boden und seinen Millionen von kleinen Erdarbeitern, und, ganz wichtig, bei den Bienen, die fast alle unsere Nahrungsmittel bestäuben und so die Frucht- und Samenreife erst ermöglichen. Denken Sie sich zum Dank doch ein paar kleine Geschenke aus! Die Bienen finden es ganz toll, wenn Sie noch ein paar zusätzliche Blühgehölze pflanzen. Wer im Boden lebt, feiert ein Fest, wenn Sie Ihre übrige Brennnesseljauche stark verdünnt über Kompost und leere Beete verteilen. Ihre Mitmenschen freuen sich über einen schönen Korb mit Kartoffeln. Worüber Gott sich wohl freut? Vielleicht über ein Igelhaus?

DER VERTIKALE GARTEN: Obst von der Hauswand

Jede Hauswand, die nach Osten, Süden oder Westen zeigt, kann mit Frucht tragenden Gehölzen bepflanzt werden: Sobald nur ein Streifen Erde vor der Wand tiefgründig gelockert und mit Kompost, organischem Dünger und Mulch verbessert werden kann, steht Spalierobst, Weintrauben und Aprikosen „frisch von der Wand“ nichts mehr im Weg. Begrünte Wände heizen sich im Sommer nicht so sehr auf, und ab Herbst, wenn das Laub fällt, darf die dann willkommene Sonnenwärme wieder an die Bausubstanz. Über die grüne Jahreszeit jedoch ist eine begrünte Wand ein Paradies für sich: Blüten werden von Bienen und Hummeln umschwärmt, Singvögel bauen ihre Nester, und Weberknechte und kleine Käfer finden ein Zuhause. Besonders in der Stadt ist die wohltuende Ausstrahlung eines solchen Sauerstoff spendenden Senkrechtgartens nicht zu unterschätzen.

Um Obst zur Ernte erfolgreich und dauerhaft „senkrecht“ anzubauen, braucht man neben guter Erde vor allem ein stabiles Spalier. Dieses kann aus langlebigem Hartholz, Drahtseil an Haken oder einem Metallgitter bestehen. Wichtig ist bei der Planung natürlich zu wissen, wie hoch und breit die gewünschte Pflanze werden kann.

Unsere besondere Empfehlung ist die Minikiwi: Minikiwis, botanisch Actinidia arguta, haben glänzende grüne Blätter, die sich im Herbst weinrot verfärben. Aus den kleinen weißen Blüten reifen bis Ende September/Oktober kleine unbehaarte Früchte, die herkömmliche große Kiwis geschmacklich bei weitem übertreffen: Die Früchte sind rötlich oder grün, weich und sehr süß. Minikiwis eignen sich gut für den Bioanbau, da kaum Krankheiten und Schädlinge bekannt sind. Sie brauchen ein mindestens 3 m breites und 3 m hohes Spalier. Die Schlingpflanze kann ähnlich einer Weinrebe geschnitten und gezogen werden und mag humusreichen, feuchten Boden. Am besten wird die Erde vor der Pflanzung tief gelockert, jährlich mit reifem Kompost versorgt und dauerhaft mit einer Mulchschicht bedeckt gehalten. Geben Sie Ihrer Minikiwi etwas Zeit, sie kann sehr alt werden, braucht aber einige Jahre, bis sie zu tragen beginnt und Sie direkt von der Wand sonnenwarme, weiche „Geschmacksbonbons“ ernten können.

DIE KULTUR DES BODENS

Gehen Sie im Oktober einmal alle Gartenwege entlang: Was steht hier noch, und ist es noch sinnvoll? Das alte Erbsengerüst kann ebenso abgebaut werden wie die Stangen der Freilandtomaten. Sie machen sich selber eine Freude, wenn Sie die Dinge gut sortiert verstauen. Abgeerntete Beete sollen nie lange „blank“ liegen. Entfernen Sie zunächst alle Wurzelunkräuter, besonders Quecke, größere Grasbüschel und Brennnesselwurzeln. Man wundert sich sonst, wie schnell über Winter ein Beet zum grünen Dschungel wird. Eine Ausnahme bildet hier der Löwenzahn: Wo es tolerierbar ist, ihn stehen zu lassen, da holt diese Heilpflanze Nährstoffe aus tiefen, verhärteten Bodenschichten herauf und bietet uns im Frühling die ersten schmackhaften und gesunden grünen Blätter für den Wildkräutersalat. Sind die Beete durchgejätet, so bekommen sie eine Schicht reifen oder rohen Kompost oder auch Mist und darauf eine schützende Decke aus Stroh, Laub oder Grünabfällen. Gründüngungspflanzen, deren Aussaat jetzt noch sinnvoll ist, sind Wintereiweißerbse und Wintergetreide.

Wo Porree, Grünkohl, Rosenkohl oder andere Blattgemüse wie z.B. Feldsalat stehen, dürfen diese Beete noch einmal gehackt und gejätet werden. So kommt Sauerstoff in den Boden, der an milden Oktobertagen Nährstoffe für den „letzten Schliff“ verfügbar macht. Sollte Ihr Feldsalat oder Spinat schlecht dastehen und färben sich seine älteren Blätter gelb, so dürfen Sie ihn, solange das Wetter mild ist, einmal ganz schwach flüssig düngen. Hierfür eignen sich in Wasser eingerührter reifer Kompost oder handelsüblicher Flüssigdünger. Natürlich dürfen ausreichend großer Feldsalat und Spinat jetzt schon geerntet werden – ein Genuss beispielsweise mit rohen Zwiebeln, Balsamessig und Schafskäse.

DER „FUX“ AUF DER WIESE

Die schönsten Wiesen der Welt sind bunt und artenreich. Sie werden selten, aber regelmäßig gemäht oder beweidet. Dafür sind sie Paradiese der Artenvielfalt. Falls Sie eine Wiese besitzen und diese nicht dringend als Spielplatz benötigen, könnten Sie Folgendes tun: Möglichst spät (im Juni oder Juli) das erste Mal mähen, wenn vieles schon geblüht hat. Das Schnittgut trocknen lassen, damit die Samen ausfallen, und abtransportieren. So entstehen auf Ihrer Wiese keine Mulchplacken und Sie schaffen Platz für keimende Pflanzen aller Art. Jetzt, im Herbst, wird noch einmal das alte, struppig aussehende Gras abgesenst und entfernt. Im zeitigen Frühjahr harken Sie die noch kurze Wiese mit einem kräftigen Rechen ab und ziehen dabei Maulwurfshügel platt. Hier sollte man nicht düngen. Mit Glück und Fingerspitzengefühl werden Sie durch die Abfuhr des Mähgutes die Fläche etwas abmagern und so günstige Bedingungen schaffen für Wildblumen.

Motorsensen sind beliebt. Sie machen jedoch Lärm und zerstückeln das Gras in recht feine Teilchen. Greifen Sie doch mal wieder zu einer traditionellen, gut geschärften Sense, und genießen Sie die Stille und den eigenen Rhythmus dieser Arbeit. Ab diesem Herbst bieten wir Sensen der Firma Schröckenfux an. Das legendäre österreichische Unternehmen stellt seit fast fünfhundert Jahren Mähwerkzeuge her, die höchsten professionellen Ansprüchen genügen.


ARBEITEN
Ernte
ernten und konservieren, Beete leer jäten und versorgen, Baumpflanzung vorbereiten, Winterschutz anbringen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
Kopf- und Spitzkohl, Kürbis, Kartoffeln, Porree, Pastinaken, Möhren, Rote Bete, Feldsalat, Rettich und Radieschen, Spinat, Winterpostelein, letzte Tomaten, Physalis und Paprika aus dem Gewächshaus, Äpfel, Trauben, Kiwis, Walnüsse, Esskastanien