Der Biogarten im Juli


„Biogarten

Wie weich sich Form und Farbe binden
in Sommermittags glühem Hauch: –
Das Dorf im Schatten alter Linden,
ein rötlich Dach, ein Wölkchen Rauch;

der Bergbach, dessen heitre Eile
sich glitzernd durch die Wiese webt;
der Straße laubverhüllte Zeile,
die ahndevoll zur Ferne strebt;

und all dies gütig eingeschlossen
von hoher Felder Gold und Duft;
und alles flimmernd überflossen
von lerchenlauter Juliluft …

Ich schau des Herdrauchs fromme Kreise
zum hohen Blau erblassend ziehn, –
und meine Seele füllen leise
des Friedens süße Harmonien.
(Christian Morgenstern, 1871 bis 1914)


Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,

im Juli ist vieles schon getan im Garten. Es ist Zeit, Frieden und Wärme zu tanken. Seien Sie sorglos. Schieben Sie Dinge, die zu tun sind, ein paar Tage auf, und saugen Sie die Schönheit und die Fülle des Hochsommers in sich auf. Essen Sie die Kirschen direkt vom Baum, und knabbern Sie im Vorbeigehen an der Pfefferminze. Laufen Sie barfuß. Sommer ist jetzt!

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team


GROSSER DURST

Mit dem Sommer kommen das Badewetter und die heißen Tage, die dem Garten zu schaffen machen. Manchmal regnet es zwar, aber zu wenig, und die Feuchtigkeit erreicht nicht die Tiefen der Wurzeln. Dann muss trotz Regenwetter gewässert werden. Besonders wichtig für Gemüse, Stauden und Kräuter sind die obersten 30 cm des Bodens. Gehölze wurzeln, je nach Art, tiefer und können sich länger aus den Reserven des Bodens versorgen, diese müssen aber auch vorhanden sein. Bei dauerhaft heißem und trockenem Wetter werden Sie sich um die meisten Ihrer Pflanzen irgendwann kümmern müssen.


immer feucht halten: > Aussaaten, die noch nicht oder gerade erst gekeimt sind, Direktsaat im Beet
> Jungpflanzen in kleinen Anzuchttöpfchen
> frisch gepflanztes Gemüse, Blumen und Kräuter in den ersten drei Tagen
täglich viel gießen: > Tomatenpflanzen (auf die Erde gießen), Kürbisse, Gurken
täglich wenig gießen: > Pflanzen im Kübel oder Container
> Schnittlauch, Blumenkohl, Kohlrabi, Salate und Blattgemüse
> Vogel- und Insektentränke nachfüllen
seltener viel gießen: > Bohnen, Auberginen und Paprika im Beet
> Erdbeeren; Gehölze, Stauden, Hecken
Ein Sandboden trocknet sehr viel schneller aus als ein schwerer Ton- oder Lehmboden. Mit Kompost, Bentonit und aktivierter Holzkohle lässt sich die Wasserhaltekraft von Gartenerde stark verbessern. Auch für Töpfe ist holzkohlehaltige Erde (Terra Preta) sehr sinnvoll. Tief ausgetrocknete Böden muss man mehrmals gießen, da das Wasser zunächst oberflächlich abfließt. Alle Arten von Mulch reduzieren den Verlust von Feuchtigkeit, und auch das oberflächliche Hacken des Bodens „deckelt“ die Verdunstung.


„KLEINES WEISSES GEMÜSE“

Im Juli können Sie noch viele Gemüsearten aussäen, die uns den Herbst und Winter versüßen werden. Manche Arten gedeihen überhaupt erst richtig schön, wenn sie nach dem längsten Tag des Sommers in die Erde kommen. Hierzu gehören Asiagemüse und manche Kohlarten. Lassen Sie sich einen kleinen Kohl heute einmal besonders ans Herz legen: Pak Choi. Dieses „kleine weiße Gemüse“, so die Übersetzung der in China verwendeten kantonesischen Bezeichnung „siu baak coi“, ist knackig, schnell zubereitet und schmeckt wunderbar frisch.

Pak Choi sieht mit seinen weißen Blattspreiten und glänzenden, grünen Blättern aus wie ein extra gut genährter Mangold. Der asiatische Kohl bringt jedoch eine weichere und dennoch bissfeste Textur und einen ganz eigenen, sanften Geschmack mit.
Säen Sie Pak Choi im Juli oder August direkt ins Beet. Die Keimblätter ähneln zunächst denen von Radieschen. Versetzen Sie nach einigen Wochen die jungen Pak-Choi-Pflanzen auf ca. 20 x 30 cm Abstand und halten Sie sie gleichmäßig feucht. Wenn die Pflanzen groß sind oder sobald man einfach zu viel Appetit auf sie entwickelt hat, schneidet man sie im Ganzen ab. Verzehrt wird die gesamte grün-weiße oberirdische Pflanze. Kleine Pak Chois viertelt man mit zwei Längsschnitten, dicke Pflanzen werden quer in Streifen geschnitten. Die weißen Rippen garen dann etwas langsamer als die grünen Blätter. Am besten schmeckt Pak Choi angebraten und in Kombination mit asiatischen Gerichten, die Reis, Ingwer und Sojasauce enthalten. Guten Appetit!


DER SOMMERSCHNITT

Im Obstgarten sind jetzt die Erdbeeren und Johannisbeeren bald abgeerntet, die Kirschen stehen in voller Pracht, und je nach Sorte sitzen vielleicht Stachelbeeren und Himbeeren schon gespannt in ihren Startlöchern. Die Zweige hängen voller Laub und die Bäume strotzen vor Leben. Doch – es ist nach Mittsommer, und der Saftdruck lässt nach. Die Blätter werden dunkler und der Sommer wird erwachsen. Für viele Gehölze ist der Zeitpunkt kurz nach der Ernte der beste für einen Schnitt. Wunden im Holz heilen im Hoch- und Spätsommer gut, und ein im Sommer geschnittener Baum kann sich schon früh auf die Menge an Ästen einstellen, mit denen er in die nächste Saison geht. Da der Sommerschnitt die Blattfläche verkleinert, die Zucker produziert, verringert ein solcher Schnitt auch den Druck, mit dem im kommenden Frühjahr der Baum wieder austreibt, und sorgt so für ein ruhigeres Wachstum mit weniger Nährstoff- und Wasserverbrauch.

Steinobstarten wie Kirschen, Zwetschgen und Aprikosen profitieren ganz besonders davon, wenn man sie im Juli auslichtet. Im Sommer können diese Bäume sich besser gegen das Eindringen von Krankheitserregern wehren als in der kalten Jahreszeit. Süßkirschen entwickeln durch den Sommerschnitt einen harmonischeren Wuchs und neigen weniger zu Gummifluss.
Da beim Steinobst wenig Bereitschaft vorhanden ist, aus altem Holz nochmal auszutreiben, lässt man möglichst „Zapfen“ aus jungen Zweigen an den Stellen stehen, wo man sich einen Neuaustrieb wünscht. Sauerkirschen sowie Pfirsiche und Nektarinen bleiben durch einen starken Sommerschnitt kompakter und treiben schön belaubte Äste statt kahler langer Wedel, die kaum die Früchte tragen. Diese Obstsorten fruchten fast ausschließlich am einjährigen Holz und müssen durch häufige Schnitte zur Bildung neuer Triebe angeregt werden.
Im Allgemeinen sollte der Schnitt, ob nun bei Bäumen oder Büschen, immer zum Aufbau einer luftigen, wohlgeformten Krone ohne größere Verletzungen, Fäulnis- oder Krankheitsstellen führen. Schneiden Sie beschädigtes und krankes Holz frühzeitig heraus und achten Sie auf eine ausgewogene Statik. Und denken Sie daran: Auch eine gute Versorgung mit Licht und Platz, Wasser und Nährstoffen lässt Ihre Gehölze den Rest vom erwachsenen Sommer so richtig genießen und sorgt für dauerhaft erfreuliche Ernten.

3,60 EUR / Päckchen



SCHUTZ UND STÄRKUNG IM JULI

Im Juli sind alle unterwegs: Urlauber*innen, Schwalben, Mücken, Schnecken und Motten. Fast alle sind abends lange wach, und alle haben großen Hunger.

In feuchten Gärten oder am Rand von hoch gewachsenen Wiesen können Schnecken zu einem großen Problem werden. Unserer Erfahrung nach sind die Barrieremethoden Schneckenkragen und Schneckenzaun die effektivste Abwehr. Kohl wird oft zum Ziel von Angriffen aus der Luft. Kohlweißlinge sind schöne, anmutige Schmetterlinge, aber ihre Raupen fressen alles kahl, was nur annähernd nach Kohl riecht. Und sie sammeln das scharfe Senföl in ihren Körpern, so dass sie fast keinem Vogel schmecken. Hier hilft nur absammeln oder die rechtzeitige Auflage eines Insektenschutznetzes. Diese Netze halten auch die Weißen Fliegen fern, die besonders am Grünkohl sehr lästig und in großen Mengen unappetitlich sind, da sie und ihre Ausscheidungen sich schlecht abwaschen lassen.

Kulturschutznetze sind zwar nicht hübsch, aber effektiv. Auch Möhren und Porree schützen sie vor Fraßgängen, hier sollten sie am besten durchgängig auf den Pflanzen bleiben und mit Hilfe von Beschwerungssteinen oder Metallheringen mottendicht angebracht werden. Im Spargelbeet und bei den Erdbeeren sorgt jetzt eine Spritzung mit Rainfarn dafür, dass sich Schädlinge nicht zu häuslich und auf Dauer einrichten. Eine Zwischenpflanzung mit diesen sonnig gelb leuchtenden Sommerblumen hält Ihre Pflanzen gesund.
Gegen die Braunfäule sollten Sie Ihre Tomatenpflanzen trocken halten und nur auf die Erde gießen. Entfernen Sie braun werdende Blätter frühzeitig, um die Ausbreitung des Pilzes einzudämmen. Die Blütenendfäule, die sich durch runde Faulstellen am Boden der Früchte zeigt, lässt sich schnell mit einer Handvoll im Gießwasser aufgelöstem Kalk beheben.

10,90 EUR / Stück

(5,45 EUR/ 100 g)

Ganz allgemein können Sie den meisten Pflanzen gelegentlich Brennnesseljauche zur Stärkung geben. Lediglich Pflanzenteile, die in den nächsten Wochen verzehrt werden, bleiben außen vor. Vor allem junge Gehölze und Sträucher dürfen ruhig einmal eine Dusche mit stark verdünnter Jauche auf die Blätter genießen.

Denken Sie auch für sich selbst an eine Stärkung: Jetzt gilt es, Küchenkräuter wie Oregano, Thymian und Salbei zu ernten und zu nutzen. Viele dieser Kräuter, aber auch essbare Wildkräuter wie Löwenzahn und Melde besitzen wertvolle Inhaltsstoffe, die Ihren Körper mit genau dem versorgen, was er braucht, um aktiv und gesund zu sein und seine Abwehr gegen fast alle Unbill dieser Welt zu stärken.


IN EIGENER SACHE: EINKAUFEN ALS JOB

Bei uns auf dem Hof Jeebel wird eine Stelle frei: Wir suchen so jemanden wie Sie: freundlich, weltoffen und voller Begeisterung für den biologischen Anbau, um die Teamleitung in unserer Einkaufsabteilung zu übernehmen.

Für den Job sind sehr gute Pflanzenkenntnisse sowie viel Fingerspitzengefühl und Verhandlungsgeschick im Umgang mit Lieferant*innen gefragt. Die Kalkulation der Einkaufsmengen erfordert ein sehr gutes Zahlenverständnis und gute Excelkenntnisse. Die optimale Voraussetzung wäre ein Gartenbaustudium mit betriebswirtschaftlichem Schwerpunkt. Bei entsprechenden Kenntnissen und Berufserfahrung ist das jedoch keine Bedingung. HIER geht es zur Stellenanzeige.


VERKEHRSWENDE, AKTUELL UND LOKAL

Am Samstag, dem 5. Juni, hatte die Elbbrücke bei Wittenberge in Brandenburg für sechs Stunden Ruhe. Sie war für den Autoverkehr gesperrt, da hier eine Verkehrswende-Demo stattfand. Im benachbarten Seehausen ist seit Monaten ein Waldstück von Klimaaktivist*innen besetzt. Denn hier, knapp 50 km vom Hof Jeebel entfernt, soll das letzte große autobahnfreie Gebiet Deutschlands verbaut werden, und über den wilden, großen unkanalisierten Strom ist eine Autobahnbrücke geplant. Autobahnen zerschneiden Landschaften, versiegeln lebendiges Land und befeuern den Autoverkehr und den Ausstoß von Treibhausgasen.

Vermutlich würden wir alle gerne in der Vorstellung leben, dass auf der Erde in 30, 50, 100 Jahren noch Menschen, Tiere und Pflanzen leben, dass es Wiesen gibt und Gärten, Obstwiesen und Urwald, warmen Sommerregen und unberührten Schnee.

„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren will.“ (Gustav Heinemann)

Vermutlich müssen wir uns alle schneller verändern, als bequem ist. Als Firma, als Verbraucher*innen und als Gesellschaft. Wir glauben aber, dass es auf ein lebenswertes Leben hinauslaufen kann, wenn wir uns von Verbrennungsmotoren und Flächenversiegelung abwenden. Wir müssen, im besten Fall mit Freude und Kreativität, alte Gewohnheiten und bereits gefällte Entscheidungen noch einmal in Frage stellen und prüfen, ob sie zukunftsfähig und klimagerecht sind. Es ist nicht schlimm, einen Verkehrswegeplan zu ändern und eine geplante Autobahn nicht zu bauen. Menschen haben schon viel Größeres geschafft.



ARBEITEN
Ernte
- Ernten und konservieren (Marmelade und Saft kochen)
- wässern und mit Brennnesseljauche gießen
- Töpfe flüssig düngen
- Unkraut jäten oder hacken
- Boden lockern
- Direktsaaten vereinzeln
- Kartoffeln, Porree, Zwiebeln und Bohnen häufeln
- Stecklinge machen von Kräutern, Stauden und Gehölzen
- Mulchschicht erneuern
- abgeerntete Beete nachsäen oder Gründünger einsäen
- Tomaten ausgeizen und binden
- Beginn der Laubarbeiten und des Sommerschnittes bei Süß- und Sauerkirschen, Pfirsichen, Reben und Kiwi
- Verblühtes zurückschneiden
- Schädlingsbefall kontrollieren (Wühlmäuse, Läuse, Kartoffelkäfer)
- Wiesen mähen und Mähgut ausharken
- Beetränder und Rasen mähen
- Kompost aufsetzen und pflegen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
Frühkartoffeln, Möhren, Rote Bete, Zwiebeln und Knoblauch

Salate, Mangold, Fenchel; Kohlrabi, Broccoli und Blumenkohl, frühe Kohlsorten

Erbsen, (Dicke) Bohnen, Gurken, Zucchini, Tomaten, Chilis

Küchenkräuter und essbare Blüten wie Kapuzinerkresse und Borretsch

späte Erd- und Johannisbeeren, Stachelbeeren und Josta, frühe Himbeeren und Heidelbeeren

Kirschen

Felsenbirnen