Der Biogarten im Januar


Biogarten Januar 2022

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,

auch wenn Sie, na klar, gerne gärtnern: Lieben Sie Städtereisen und Entdeckungstouren? Berührt Sie alte Bausubstanz aus Stein, Holz und Lehm? Haben Sie Interesse an Stadtplanung? Warum man sich in manchen Städten wohler fühlt als in anderen, hat der dänische Architekt Jan Gehl wissenschaftlich erforscht und in seinem Buch „Leben zwischen Häusern“ beschrieben: Menschen sind gerne draußen und gerne zusammen. Und Menschen lieben grün. Glücklich, wer in einer Stadt wohnt, wo so etwas beachtet wird.

In den wirklich zukunftsfähigen Städten bewegen wir uns unter freiem Himmel. Wichtige Straßen werden autofrei, wie derzeit in Paris. Und wir pflanzen Nahrungsmittel in der Stadt, wie in der englischen Kleinstadt Todmorden oder im rheinland-pfälzischen Andernach. Da ist es gut, dass Sie gerne gärtnern UND Städte entdecken: Vielleicht ist die nächste Blüteninsel oder die nächste Felsenbirne im Stadtgebiet Ihre.

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team


PRINTKATALOG

Im Laufe der ersten Januarhälfte erhalten Sie den neuen Printkatalog vom Hof Jeebel. Nach viel Basteln, Forschen und Schieben hat nun alles seinen Platz gefunden, und die Grafikerin darf aufatmen.

Ja, es gibt immer noch diesen analogen, papierreichen Weg, bei uns zu bestellen. Im Inneren des grün-weiß-bunten Bilderbuches finden Sie feine Kartoffeln, robuste Jungpflanzen, samenfestes Saatgut und sinnvolle Gartengeräte, dazwischen Tipps und kurze Informationen. Gehen Sie – ganz offline und bildschirmlos – auf unseren reich gefüllten Seiten spazieren. Treffen Sie alte Bekannte wie die leckeren Kartoffeln Linda und Laura. Entdecken Sie Neuheiten wie Obstbaumschilder mit Sortenbeschreibung, Bewässerungskrüge zum Eingraben, schicke Keimschalen für Microgreens und kurzstieliges Werkzeug fürs Hochbeet.
Und streifen Sie gedanklich schon mal durch Ihren sommerlichen, komplett bepflanzten Garten. Viel Spaß!


SAATGUT

Haben Sie noch Saatgut vom letzten Jahr? Breiten Sie es auf dem Tisch aus und kommen Sie ins Schwärmen: Oh, guck mal, das tolle Basilikum, und hier diese gelbe Chili war so höllenscharf, aber lecker; oh, wir haben doch noch Samen von Fleischtomaten, die waren doch so herrlich. Sortieren und ordnen Sie ein wenig. Schreiben Sie parallel eine Wunschliste: Dieses Jahr möchte ich wieder …

Bunten Mangold? Tomaten in Töpfen vor der warmen Wand? Blattkoriander als Kräuter und Blütenschmuck? Erinnern Sie sich, was gut geklappt hat, was gerne gegessen wurde und welches Beet wofür frei sein wird. Beachten Sie die Fruchtfolge: Nur alle vier Jahre sollte das gleiche Gemüse wieder auf demselben Beet wachsen.
Wer neugierig auf Neues ist, findet bei uns dieses Jahr eine Lagergurke namens Salome, die verspielte, kleinfruchtige Aubergine Slim Jim für den Kübel, die über und über blüht, die großartige französische Saucentomate Andine Cornue und die kugelrunde Möhre Pariser Markt 4. Achten Sie auf den grünen Hinweis-Button „neu“ im Katalog, oder schauen Sie in die Shop-Rubrik „Neu im Sortiment“.


DAS HIGH-FIDELITY-EDAPHON*

Es passiert immer mal wieder, dass ein Beet abgeerntet wird und zuwuchert. Es ist schön, dass die Erde sich von alleine bedeckt, doch hat man dann im Frühling mit unangenehm zähem Wurzelwerk vor allem von Gras zu tun. Beim Jäten dieser Wurzelunkräuter wird außerdem noch sehr viel Humus aus dem Beet getragen.

Das andere Extrem, ein sauber geharktes und umgegrabenes Beet, das über Winter ungeschützt daliegt, verliert Humus durch Auswaschung, Wind und Licht, und in der kahlen, kalten obersten Bodenschicht ist es den meisten kleinen Helfern schlicht zu ungemütlich.

Sie tun gut daran, einen Mittelweg zu finden. Immer, wenn eine halbe Stunde Zeit ist, entfernen Sie auf einem Stück des Beetes gründlich alles Unkraut. Lockern Sie dabei tief. Darauf bringen Sie eine Schicht Kompost aus, der auch roh (unverrottet) sein kann: Flächig ausgebreitet, hat der Boden fast alles bis zum Frühjahr verarbeitet, und Sie müssen den Kompost nicht nochmal hin und her schaufeln. Obendrauf kommt die Bettdecke: feuchtes Laub, Stroh, gehäckselter Grünschnitt, Zusammengeharktes. Das Beet schläft, gut zugedeckt. Der Boden ruht, doch nur solange es kalt ist: Wenn Sie in ein, zwei, drei Monaten hier pflanzen oder säen, wird das traumhaft: Saatrille freiharken, darunter duftende, weiche Erde vorfinden und los! Viele Grüße, Ihr treues und dankbares Edaphon*

* Edaphon: die Gesamtheit der im Boden lebenden Organismen


SÜSSE BEEREN

Beerenobst bereichert die Küche, bietet Naschmöglichkeiten im Vorbeigehen und liefert den Rohstoff für eigene Marmelade und Saft. Beerenobst ist Geschmackssache: Die verschiedenen Früchte – von Erdbeeren über Himbeeren, Johannisbeeren bis hin zu Josta oder Felsenbirnen – haben ganz verschiedene Fangemeinden. Pflanzen Sie hauptsächlich das, was Sie richtig gerne mögen, worum Sie sich gerne kümmern und was Sie auch ernten. Alles andere ist Wildobst, Vogelnahrung, Lebensraum und dient anderen guten Zwecken. Die „kultivierten“ Beerenarten unterscheiden sich stark im Pflegebedarf.
Erdbeeren schmecken fantastisch und sind ein Kuchen- und Marmeladentraum. Sie machen aber fast so viel Arbeit wie ein Gemüsebeet und belohnen den Aufwand meist nur einmal im Jahr. Halb verwilderte Erdbeerbeete bringen leider wenig Ertrag. Bepflanzen Sie nur kleine Flächen und pflegen und jäten Sie sie sehr gut.
Himbeeren treiben immer wieder neue Ruten und sind, je nach Schnitt, zeitweise kaum zu sehen. Himbeeren können toll schmecken, wenn man gute Sorten wählt und keine Wildbestände zu pflegen versucht. An manchen Stellen wachsen Himbeeren ganz prächtig und machen viel Freude. Das sind meist lehmige bis tonige Böden mit sehr gut eingespielten Bodenverhältnissen, viel Humus und ausreichend Feuchtigkeit. Auf leichten Böden muss man manchmal richtig viel fürs Himbeerglück tun, denn die Pflanzen mögen keine Schwankungen in der Bodenfeuchte und -temperatur. Hier sind vor allem eine gute Kompostversorgung, eine Bewässerung in Trockenzeiten und eine dicke Mulchschicht die Schlüssel zum Glück.
Johannisbeeren sind sehr dankbare Sträucher, tragen regelmäßig und wachsen zu kräftigen, langlebigen Büschen heran. Sie müssen eben wissen, ob Sie Johannisbeeren essen und welche: Weiße Sorten sind zuckersüß und mild, rote Johannisbeeren bringen mehr Säure ins Spiel (gut für Gelee), und die schwarzen Sorten haben das spezielle, köstliche Cassis-Aroma. Johannisbeeren bilden, in Reihe gepflanzt, ausdauernde, niedrige Hecken, mögen Mulch und einen jährlichen Auslichtungsschnitt, tragen aber oft auch mit ganz wenig Pflege viele Beeren.
Stachelbeeren sind meist säuerlich, was aber bei Vollreife vor allem der roten Sorten genau richtig ist für ein tolles Aroma. Sie sind ergiebig und gut zu verarbeiten, aber eben stachelig, so dass man Handschuhe braucht.

Interessant sind die Weiterzüchtungen und Verwandten der Stachelbeere: Josta (Johannis-Stachelbeeren) sind sehr anspruchslos. Sie werden zu angenehmen, höheren, stachellosen Büschen, von denen man gut einige am Rande des Gartens stehen haben kann. Sie bringen besonders in heißen und trockenen Sommern wie in den letzten Jahren viele leckere, schwarze Beeren.

Die Schwarze Honigbeere (Ribes divaricatum) ist ein fast menschenhoher Busch, der Massen an sehr süßen, dunklen, stachelbeerartigen Früchten bringt. Er scheint sehr zufrieden mit sich und der Welt, solange er genug Platz hat.
Heidelbeeren schmecken fast allen Menschen. Sie sind sehr hübsch in Blüte, Frucht und Herbstfärbung. Heidelbeeren wachsen nur mäßig schnell und werden ganz in Ruhe irgendwann zum Busch. Darum, und wegen ihres Wunsches nach einem sauren, kalkfreien Boden, bietet es sich an, Heidelbeeren in großen Kübeln mit Moorbeeterde zu kultivieren oder sie im Garten sehr konsequent mit „saurem“ Substrat zu versorgen. Zum Beispiel bringen das Sägemehl oder der Rindenmulch von Nadelhölzern diese Eigenschaften mit.
Wein und Kiwis gehen weit in die dritte Dimension und werden mit ihrem Holz ein Teil von Pergola, Wand, Zaun oder Gerüst. Die Früchte schmecken hervorragend und aromatisch. Es dauert vor allem bei Kiwis ein paar Jahre, bis sie erscheinen. Kiwis kann man gut lagern, und Trauben lassen sich zu tollen Getränken verarbeiten. Das Rankgerüst muss so stabil sein, dass es viele Jahre hält, und groß genug für den wachsenden Platzbedarf der Pflanzen. Kiwis und Wein brauchen, wenn sie nennenswert tragen sollen, jedes Jahr einen ganz systematischen und starken Schnitt. Vom wirtschaftlichen Nutzen her ist Weinbau fast das Beste, was man mit einer landwirtschaftlichen Fläche machen kann, und Weinstöcke verbreiten mit absoluter Sicherheit ein südliches Draußen-Gefühl.
Jetzt wird es wild: Felsenbirnen sind fast schon kleine Bäume. Sie gelten als Wildobst, sind aber total süß und weich und ohne Aber. Wenn man sie einmal hat blühen sehen, auf den niedlichen, bunten Strauch im Herbstkleid aufmerksam geworden ist und dann noch erfährt, dass sie klimafest und anspruchslos sind, kommt man kaum umhin, eine Felsenbirne zu pflanzen.


KEIMLINGE

Schön ist, dass die Tage jetzt wieder länger werden. Ganz langsam zwar, aber es geht bergauf. Um das zu feiern, können Sie sofort anfangen, Gemüse zu produzieren:
Keimsprossen im Glas, wie Mungbohnen, Broccoli, Alfalfa oder Linsen, sind gesund, brauchen keine Erde und sind in fünf Tagen fertig, sogar ohne Platz am Fenster, denn sie brauchen kaum Licht. Wer sie etwa zweimal täglich spült und abtropfen lässt, wird umgehend belohnt.

3,25 EUR / Pack

(8,13 EUR/ 100 g)

Unsere neuen Microgreens im Starter-Kit wachsen, ebenfalls ohne Erde, in einer schönen, weißen Schale. Für eine einfache Anzucht sind die Samen bereits in die passenden Saatpads eingearbeitet. Kohlrabi, Senf oder Rucola lässt man, wie das traditionelle Kresseschälchen, am Fenster keimen und etwa 5 cm groß werden. Mit der Schere erntet man dann die leckeren, zarten Stängelchen als Topping für Brot oder gekochte Gerichte.

Doch auch die Anzucht für den großen Garten, für Kübel, Frühbeet oder Gewächshaus darf bald losgehen: Besonders die im Januar auf der Fensterbank vorgezogenen Salate und Kohlrabi, die erste Rucola oder Frühlingszwiebeln bringen, Anfang März ins Freiland gesetzt und mit Vlies, Netz oder Folie geschützt, die früheste und wertvollste eigene Rohkost.



AUSSAAT/PFLANZUNG
Arbeiten
WARM:
- Kresseschalen
- Keimsaat
- früher Kohlrabi
- Wirsing fürs Gewächshaus oder Frühbeet

GESCHÜTZT:
- Radieschen
- Salatrauke
- frühe Salate zur späteren Pflanzung ins Gewächshaus oder Frühbeet
- Asiagemüse

FREILAND:
- frühe Möhren
- Spinat
- Winterpostelein
- Johanniskraut

PFLANZUNG von wurzelnackten und getopften Obst- und Wildgehölzen, Obstbäumen und Ziergehölzen
ARBEITEN
Ernte
GARTENPLANUNG:
- Aussaaten und Beetaufteilung
- Gartenkalender schreiben
- Anzucht beginnen

- Saatgut sortieren, eigenes Saatgut reinigen und abfüllen
- erste Beete vorbereiten
- Unkraut jäten
- Frühbeet und Gewächshaus bauen
- Hochbeet bauen
- Werkzeug in Ordnung bringen
- Winterschnitt von Obstbäumen, Beerenobst und Weinreben
- Gehölze pflanzen
- Vögel füttern
- Obst- und Gemüselager kontrollieren
- Töpfe und Immergrüne gießen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Porree Wintersorten (Avano, Blaugrüner Winter)
- Topinambur
- Schwarzwurzeln
- Grünkohl
- Rosenkohl
- Feldsalat
- Winterpostelein
- Spinat
- Löffelkraut
- Brunnenkresse
- Keimsprossen