Der Biogarten im Februar


Biogarten Februar 2022

„Wir werden uns ökologisch ernähren oder
gar nicht mehr.“
(Felix zu Löwenstein,
Vorstandsvorsitzender des Bundes für ökologische Lebensmittelwirtschaft)


Liebe Gärtner*innen,

so provokant dieser Untertitel des Buches „Food Crash“ klingt, so einleuchtend ist er, wenn man die Folgeschäden der konventionellen Landwirtschaft betrachtet: Sie verbraucht zu viel kostbare Energie, lässt die Böden verarmen und belastet Ökosysteme. Der Autor beschreibt, warum wir als kleine Biogärtner*innen auf dem richtigen Weg sind:
Der Bioanbau pflegt den Boden und macht ihn durch Kompostwirtschaft dauerhaft fruchtbar. Die Verbesserung der Gartenerde durch Kompost bindet Kohlenstoff aus der Luft im Boden und wirkt so dem Klimawandel entgegen. Durch Nachbau und Austausch von samenfestem Saatgut erhalten wir unsere Unabhängigkeit von multinationalen Konzernen. Viele dieser Sorten sind lizenzfrei und stehen weltweit zur Ernährung der Menschen zur Verfügung. Durch kleinflächigen Ökoanbau bleibt die Biodiversität erhalten und gesunde Lebensmittel werden produziert.

Also, falls Ihnen das Gärtnern ausnahmsweise einmal sinnlos und zu anstrengend erscheint, betrachten Sie sich in einem größeren Zusammenhang: Wir sind ein Netzwerk von Oasen auf einer großen Landkarte mit Zukunft.

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team


DIE FENSTERBANK

Auf einer warmen und hellen Fensterbank lassen sich im Februar neben Microgreens und Keimlingen schon ernsthaft Jungpflanzen vorziehen. Frühe Kohlsorten, die als Frühjahrs- und Frühsommerernte besonders zart und dennoch nahrhaft sind, brauchen anfangs sehr viel Wärme. Kohlrabi und Wirsing schätzen ebenso eine Anzucht bei kuscheligen 18 bis 22 °C wie Spitzkohl und Weißkohl. Säen Sie möglichst einzelne Körner aus, zum Beispiel in QuickPot Platten oder Fertilpot-Magazinen. Hier entwickelt das Kohlpflänzchen einen guten kleinen Ballen.

Spitzkohl gehört zu den feinsten Kohlsorten für den Rohverzehr. Er schmeckt geradezu süß, sodass ihn auch Kinder roh essen, dabei ist er knackig und fest. Spitzkohl kann ausgewachsen noch eine Weile im Beet warten, bis man ihn braucht, und er ist, wenn man ihn „von außen nach innen“ verbraucht, gut im Kühlschrank haltbar. Für Wokgerichte lässt sich Spitzkohl schnell dünsten. Neben all diesen guten Eigenschaften ist Kohl im Allgemeinen sehr gesund.

Unser frühester Spitzkohl ist die französische Sorte Chateaurenard, dessen zarte, hellgrüne Blätter schon ab Mai verzehrt werden können. Die unempfindliche Sorte Express, fast genauso schnell wachsend, ist etwa ab Anfang Juni erntereif, und Berns, eine Biozüchtung aus Norddeutschland, reift ebenfalls im Juni und ist besonders gut haltbar. Damit Ihr Spitzkohl eine Freude wird, pikieren Sie ihn bald nach der Keimung, härten Sie ihn langsam an kühleren Standorten ab und versorgen Sie das Beet gut mit Nährstoffen. Eventuell brauchen Sie ein Insektenschutznetz zur Verteidigung gegen Raupen!
Schärfe ist lecker, und der Anbau von eigenen Chilis macht auch aufgrund ihrer Schönheit Spaß. Häufig erweisen sich diese kleinen, würzigen Schwestern der Paprika als unempfindlicher im Vergleich zu den „Großen“ und bringen auch im Freiland gute Erträge. Wir hatten im letzten Jahr besondere Freude am Geschmack und der begeisterten Verarbeitung von Habanero Golden, De Cayenne und Jalapeño. Dabei hat sich die gelbe, fruchtige Habanero mit ihren weichen, üppigen Früchten und einer leichten Zitrusnote für den mutigen Frischverzehr und fürs Einlegen bewährt. Die leuchtend rote Cayenne lässt sich einwandfrei und ohne Verluste zu Hause trocknen und mahlen. Die dickfleischige Jalapeño genießen Sie am besten gegrillt oder gebraten: Eine echte Delikatesse!

Chilis keimen sehr langsam. Sie brauchen wochenlang etwa 20 bis 25 °C, bis man die ersten Keimblätter sieht. Stellen Sie die Aussaattöpfchen am besten auf einen Schrank im wärmsten Raum und gießen Sie sie sparsam mit warmem Wasser. Nach der Keimung wollen die Chilipflänzchen weiter Wärme und viel Licht. Sie dürfen nie zu nass und kalt stehen. Bei ihrer recht gemächlichen Entwicklung brauchen sie noch ein- bis zweimal einen größeren Topf, bis sie Ende Mai ins Freiland dürfen.


DER GESCHÜTZTE ORT

Ein geschützter Ort kann vom Gewächshaus bis zur windgeschützten Ecke auf dem Balkon alles sein. Auch ein Hochbeet am Haus, ein Frühbeet oder ein Beet, das leicht mit Vlies abgedeckt werden kann, sind klimatisch weniger gefährdet als offene Freilandbeete.

An Ihrem geschützten Ort, der von all Ihren verfügbaren Freilandanbauorten der wärmste und windstillste sein sollte, können Sie im Februar schon wunderbar durchstarten:

Spinat, Möhren, Lauchzwiebeln, Dicke Bohnen, Rucola und Kresse werden direkt in die Erde gesät.

Unter einem günstigen Dach, zum Beispiel im Frühbeet, können Sie sich sogar schon an die Aussaat von Salaten direkt ins Beet wagen. Decken Sie sie gut mit Vlies oder doppelt gelegtem Insektenschutznetz zu, oder legen Sie nachts Schilfmatten auf Ihr Frühbeetdach. Auch Radieschen lassen sich schon früh aussäen. Sie müssen regelmäßig gewässert und rechtzeitig vereinzelt werden, um knackig und groß zu werden. Eine riesige Verbesserung der Ernte bringen Kulturschutznetze, da sie sowohl Erdflöhe (Löcher in den Blättern) als auch die Kohlfliege (Würmer im Radieschen) abwehren. Zudem schützen die Netze auch ein kleines bisschen vor Kälte, Starkregen und Wind.


DAS BEET

Zuweilen ist der Februar hart. Manchmal ist er der kälteste Monat des Jahres. Da ist es gut, dass manche Gemüse sich von Kälte wenig beeindrucken lassen: Dicke Bohnen und frühe Möhren können Sie unbesorgt, sobald es ein weicher Boden erlaubt, aussäen. Die Samen warten einfach vor Ort auf einen günstigen Tag, und die für die Keimung notwendigen 3 bis 6 °C sind schnell mal erreicht. Auch die oben bereits genannten frühen Kandidaten wie Spinat, Kresse, Radieschen und Rucola eignen sich für die allerfrüheste Aussaat und werden Ihnen mit den ersten sichtbaren Blättchen noch mehr Lust auf Frühling machen.
Wählen Sie für diese frühen Freilandaussaaten möglichst ein „sauberes“ Beet, in dem Sie nicht noch tief graben müssen. Denn die Bodenlebewesen könnten den Schutz der relativen Wärme unter der Erde noch eine Weile brauchen und möchten nicht vorzeitig geweckt werden.
Drei Vorschläge für Frühlingsmischkulturen:

1) Dicke Bohnen und Frühkartoffeln
Dicke Bohnen, jetzt schon am Rand des zukünftigen Kartoffelbeetes ausgesät. Hierzu benötigen Sie zwei nebeneinanderliegende Beete. Hinweis: Die Dicken Bohnen säen Sie jetzt mit 10 cm Abstand in der Reihe. Die vorgekeimten Kartoffeln werden erst im April gelegt. Bis dahin ruht die Mitte des Beetes.

2) Frühkohl, Radies, Kohlrabi und Kopfsalat
Radieschen wartet auf Kopfsalat und hält Plätze frei für Kohlrabi und Frühkohl.
Hinweis: Nur die Radieschen und eventuell der Salat werden jetzt direkt ins Beet gesät. Frühkohl, Kohlrabi (und Salat) säen Sie jetzt warm bzw. geschützt aus. Frühkohl kann Spitzkohl, Weißkohl oder Wirsing sein, Kopfsalat kann auch Pflücksalat etc. sein; Radieschen lassen sich auch mit Kresse ersetzen. Es wirkt alles sehr eng, staffelt sich aber zeitlich.

3) Klassisch: Zwiebeln und Möhren
Frühmöhren warten auf Steckzwiebeln.
Hinweis: Säen Sie die Möhren jetzt. Die Zwiebeln kommen als Steck- oder auch als Säzwiebeln im März oder April dazu. Auch wenn die Mischkultur Schädlinge vergrämt: Einen sicheren Schutz gegen Möhren- und Zwiebelfliege bieten in Regionen mit starkem Befallsdruck nur Netze.


SCHUTZ VOR VERLUST: MULCH

Im Idealfall liegen Ihre Beete, von Unkraut befreit, mit Kompost oder Mist versorgt und mit Laub, Stroh oder anderem abgedeckt da und warten auf den Frühling. Auch unter Ihren Beerensträuchern und jungen Obstbäumen liegt etwas gröberer Kompost, vielleicht ein paar Äste oder eine abgefrorene Gründüngung. Eine wunderbare Ausgangssituation. Wo dieser Idealfall noch nicht eingetreten ist, stellen Sie ihn her. Jedes Stückchen unbedeckter Erde trocknet aus, verschlämmt und baut Humus ab, wobei CO2 freigesetzt wird. So verliert die Erde an Fruchtbarkeit.

Besonders die Kälte im Februar und die Unruhe der Frühjahrsstürme machen Mulch zur wichtigsten Vorsorgemaßnahme. Viele Probleme und Schädlinge, die Gärtner*innen den Spaß und die Ernte verderben können, treten bei einem harmonischen, biologisch gepflegten Gartenboden nicht auf, und wir müssen uns nicht mit Mangelsymptomen, Läuseabwehr und Wurzelkrankheiten beschäftigen. Bewahren Sie alles an organischer Substanz, was Ihr Boden enthält. Graben Sie nur im Notfall um, zum Beispiel beim Umbruch von Wiese. Versuchen Sie sonst die Bodenschichten nicht zu wenden. Denn viele Bodenlebewesen sind hoch spezialisiert auf ihre Schicht. Eine Lockerung mit der Grabegabel und anschließendes Jäten sind darum meist sinnvoller.
Auch wenn manchmal eine Fahrt zur Grüngutdeponie unvermeidlich ist, behalten Sie so viel Biomasse wie möglich. Und decken Sie sie zu.

Geeignete Mulchmaterialien:
- Ein ruhendes Beet: Grünschnitt, Laub, Stroh
- Direkt vor der Pflanzung: Gartenmulchpapier, Salatmulchfolie, Unkrautschutzmatte aus Wolle
- Ein bepflanztes Beet: Stroh, Grasschnitt, große Hanf-Abdeckscheiben für Einzelpflanzen (Tomaten)
- Eine Reihe Beerenobst (Johannisbeere/Himbeere): Grünschnitt, Jutesäcke, Stroh, Mulchplatten (Holzfaser), Mulchmatte aus Hanf
- Ein junger Obstbaum, einzeln stehende Rose etc.: Grünschnitt, Jutesäcke, Stroh, Baumscheibenabdeckung aus Kokos, Mulchplatte (Holzfaser), Mulchscheibe aus Hanf
- Ein Komposthaufen: Stroh, Jutesäcke, Mulchmatte aus Hanf (zuschneiden), Kompostabdeckung aus Schafwolle (= Unkrautschutzmatte)
- Ein Kübel/Topf: Stroh, Hanf-Abdeckscheiben für Töpfe, Mulchmatte aus Hanf (zuschneiden), Jutesäcke zum Einwickeln
Als Grünschnitt bezeichnen wir hier grüne und holzige Gartenabfälle, gehäckselt oder mit der Rosenschere zerkleinert.

Mulch hält nicht nur Wärme in der Erde, sondern auch Kälte. Das können Sie nutzen, um naseweise Gehölze wie Pfirsich und Mandel an einer zu frühen gewagten Blüte zu hindern: Eine dicke, in kalten Zeiten aufgelegte Mulchschicht zögert in diesem Fall den Frühling noch etwas hinaus und bremst damit einen zu frühen, frostgefährdeten Blütenbeginn.


PFLANZEN NACH LUST UND LAUNE

Richten Sie Ihren Garten immer wieder nach dem aus, was Sie gerne essen. Es gibt Früchte, die sind so sinnlich, dass man allein beim Gedanken an sie gute Laune bekommt. Wie lohnend, diese in unser Leben zu holen. Ein Traum sind Aprikosen. Samtige, fröhlich orangefarben leuchtende Früchte zur besten Sommerzeit. Lecker süßsäuerlich als frisches, reifes Naschobst. Fein und von wunderbarer Farbe als Marmelade. Als Dörrobst eine Leckerei. Aprikosen halten Trockenheit ziemlich gut aus. Der zierliche Aprikosenbaum blüht zauberhaft zartrosa und nimmt nicht allzu viel Platz ein. Pflanzen Sie eine Aprikose an einen etwas geschützten Platz in die Nähe von Haus und Hof, wo Sie sie täglich sehen und genießen können.

Unsere Aprikosensorte Nancy ist eine alte französische Sorte mit weiter Verbreitung. Sie gedeiht am besten an Standorten mit warmen Sommern und wenig Niederschlag. Die Ungarische Beste ist etwas kältetoleranter und auch für geschützte Höhenlagen geeignet. Bhart ist eine amerikanische Frühsorte mit sehr guten, großen Früchten. Im kleinen Garten findet die Zwergaprikose ihren Platz.
Wenn Sie beim Stichwort „Lieblingsobst“ zuallererst an Erdbeeren denken, möchten wir Ihnen die Sorte Sonata einmal besonders ans Herz legen. Sie ist im besten Sinne eine unserer normalsten, im Juni zur üblichen Erdbeerzeit tragenden Sorten. Sonata bringt wunderschöne, herzförmige, süße und besonders große Früchte, die ruckzuck die Schüssel und den Kuchen füllen.

Wer gerne Nusskuchen backt und Eichhörnchen beobachtet und sich aus naheliegenden Gründen fragt, welcher nahrungsliefernde Baum wohl in den kommenden Jahrzehnten mit dem Klima klarkommt, könnte bei der Walnuss landen. Walnüsse versorgen sich sehr gut aus dem Boden mit Wasser. Sie sollten aber wegen ihrer Schnittempfindlichkeit nur an Orte gesetzt werden, wo sie wirklich hinpassen. In unserem Sortiment finden Sie neue, veredelte Walnusssorten mit teilweise etwas kleineren Kronen. So brauchen beispielsweise die verbreiteten Sorten Chandler und Tulare nur etwa 5 x 6 m Platz für ihre Krone und bringen dabei hervorragende, große, „kalifornisch“ anmutende Walnüsse.


FREISCHNEIDEN

Bevor im Frühjahr wieder alles austreibt, sollten Sie die „Durchsichtigkeit“ Ihres Gartens nutzen, um seine Strukturen zu erkennen und zu betonen: Schaffen Sie sich, Ihren Kindern, Partner*innen und Mitbewohner*innen den Platz, den Sie draußen brauchen. Schaffen Sie dem Raum, was in Ihrem Garten wachsen und passieren soll.

Entfernen Sie unliebsame, wilde Brombeerranken, bevor sie sich in der Länge verdoppeln. Hindern Sie Gebüsche daran, den von Ihnen gepflanzten Bäumen Licht und Luft zu nehmen. Lassen Sie Bäume und Gehölze in einem artgerechten, ausreichenden Abstand zueinander stehen und entfernen Sie den Rest. Eng stehende, aus Lichtmangel hoch und dünn gewachsene Bäume sind viel anfälliger für Windbruch als stabile, ausgewogene. Schneiden Sie Ihre Obstbäume jetzt so, dass jeder Ast und jeder Apfel Sonne und eine warme Frühlingsbrise abbekommt. Sorgen Sie dafür, dass der Pfirsich seine Früchte gut tragen kann. Halten Sie auch die Baumscheiben junger Bäume frei, hier sind Gräser üble Nährstoffdiebe.
Schneiden Sie Sträucher und Hecken auf ein Maß zurück, das ihrem Wachstum und ihrer Art angemessen ist. Ein achtsamer Schnitt, so wie man auch Obstbäume schneidet, führt zu einem natürlicheren Wuchs und zu einer besseren Nutzung als Nistgehölz und Wildobst als ein gerades Daran-lang-Schneiden mit einer motorisierten Heckenschere.

Genießen Sie die Ruhe und Konzentration, die entsteht, wenn Sie sich jedes Gehölz in seinen Bedürfnissen anschauen. Nehmen Sie sich Zeit, zu entscheiden, was Sie pflegen und was Sie entfernen. Es gibt so viel zu entdecken. Und bei einem entspannten Aufenthalt in Ihrem Garten erschaffen Sie die wirklichen Juwelen: Gartenecken, an denen Raum ist für alles, was Sie gerne tun und an denen Sie sich wunderbar erholen.



ARBEITEN
Ernte
- Saatgut ordnen und besorgen
- Aussaaten im Haus
- Anzucht pflegen, pikieren, umtopfen und an milden Tagen ins Freie stellen
- Beete vorbereiten
- erste Direktsaaten ins Beet
- gegebenenfalls Bodenuntersuchung beauftragen
- Topfpflanzen düngen oder umtopfen
- Stauden, Kräuter und Topfpflanzen ausputzen
- Beerensträucher und Obstbäume schneiden/auslichten und düngen
- Hecken, Beerenobst und Bäume pflanzen
- Gerätepflege
- Frühbeetkasten als Mistbeet einrichten
- Gewächshaus bepflanzen
- immergrüne Pflanzen wässern
- Nistkästen aufhängen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Porree (Wintersorten)
- evtl. ersten Schnittlauch und Winterheckenzwiebeln
- überwinterten Spinat
- Feldsalat
- Winterpostelein
- Grünkohl
- Rosenkohl
- evtl. erste Wildkräuter (Vogelmiere, Löwenzahn)