Der Biogarten im April


„Biogarten

„Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur,
sondern nur im Gegensatz zu dem,
was wir über die Natur wissen.“
(St. Augustin)


Liebe Gartenfreunde, 

das Leben und Wachsen zu bewundern, ist das große Gärtnerglück, an dem wir bei der Beobachtung einer keimenden Bohne im Balkonkasten genauso teilhaben wie bei dem erfrischenden Anblick von Kirschblüten vor blauem Himmel. Wen das Frühlingsgefühl erwischt, dem ist es vielleicht egal, ob die komplexen zugrundeliegenden Prozesse von Keimung und Blütenbildung vollständig erforscht sind oder nicht. Aber man hofft, dass es das jedes Jahr wieder so gibt.

Der April ist einer der wichtigsten und vielfältigsten Gartenmonate. Alles, was robust und nicht frostempfindlich ist, darf jetzt ins Freiland; ob Steckzwiebeln oder Spargelpflanzen, Mangold, Rote Bete oder Möhrensamen, leckere, süße Markerbsen oder knackige Salate: Legen Sie los! Mit den ersten wirklichen Frühlingstagen und -wochen entfaltet sich der Garten schneller, als man gucken kann, und wer jetzt alle Beete vorbereitet, muss nachher nichts auf die lange (Garten-)Bank schieben.

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team

KARTOFFELN VON A BIS Z

Kaufen Sie manchmal mehlige Kartoffeln, um daraus so richtig schön knusprige Kartoffelpuffer zu machen? Haben Sie schon mal dünne blaue Kartoffelscheibchen auf einem Backblech zu wundersam violett marmorierten Chips gebacken? Kennen Sie die Mayan-Kartoffeln, die erst in jüngerer Zeit aus wilden Kartoffeln der Anden gezüchtet wurden und schon in einer Viertelstunde gar sind? Mayan Twilight erinnert mit ihrer cremigen Konsistenz an Kroketten und besitzt einen leicht süßlichen, marzipanartigen Geschmack …

Um alle weltweit existierenden vier- bis fünftausend Kartoffelsorten anzubauen, zuzubereiten und zu verkosten, bräuchte man vielleicht mehrere Leben. Wir laden Sie jedoch ein, immer mal was Neues auszuprobieren: Nach dem vergangenen, knochentrockenen Sommer könnte uns die in den Niederlanden gezüchtete Sevilla wichtig werden. Denn sie kommt besonders gut mit Trockenheit zurecht und ist unempfindlich gegen Krautfäule. Unter Biobedingungen entstanden, besitzt Sevilla genau die Robustheit, die wir im Biogarten brauchen.

Wenn Sie kurz entschlossen noch etwas Schnelles suchen, dann reihen Sie sich in eine langjährige französische Tradition ein und pflanzen Sie die Belle de Fontenay, eine köstliche Frühsorte, die, jetzt im Hausgarten gepflanzt, schon ab Ende Juni verzehrt werden kann und hervorragenden Kartoffelsalat ergibt. Ebenfalls früh fertig ist die neue Sorte Purple Rain, eine buttrige, lilafarbene Kartoffel mit heller Mitte, die aufgeschnitten einem Edelstein gleicht und den meisten von uns unwillkürlich einen Ohrwurm mit in die Küche gibt.

BETA

Ein in Deutschland seit langem unterschätztes Gemüse ist die Rote Bete. Bei manchen ist dieses Traditionsgemüse als erdig und geschmacksarm verschrien, von vielen vielleicht schon lange nicht mehr probiert oder noch nie im eigenen Garten angebaut worden. Knollen wie die der Roten Bete dienen der Pflanze als Speicherorgan, weshalb sie sie sich über Winter lagern lassen. Sie beherbergen unzählige lebenswichtige Stoffe, die die Pflanze im nächsten Jahr wieder brauchen kann. In unserer Ernährung bietet Wurzelgemüse eine nahrhafte Frische und es soll sogar unsere Gedanken beflügeln. Jede Wurzel kann aber nur das einlagern, was der Boden hergibt. Daher schmeckt man bei Kartoffeln, Karotten und auch bei Roten Beten sozusagen den Boden mit heraus. Ein feiner, duftender und gut mit Kompost versorgter, tief von Regenwürmern gelockerter Boden schenkt uns andere Rote Bete als einer, der immer mit Austrocknen und Rissbildung kämpft. Lockern Sie deshalb vor der Aussaat oder Pflanzung Ihr Bete-Beet so tief wie möglich, ohne die Erde zu wenden. Arbeiten Sie reifen Kompost in die oberste Erdschicht ein, ziehen Sie die Reihen im Abstand von 40 cm und setzen oder säen Sie etwa alle 7 cm eine Rote Bete. Eventuell müssen Sie gesäte Bete nach der Keimung noch vereinzeln. Decken Sie die Erde zwischen den Reihen mit Stroh oder Laub ab und halten Sie den Boden feucht. Etwas Halbschatten verträgt die Rote Bete auch. Als Mischkultur bieten sich Kopfsalat oder, ab Mai, Buschbohnen an, beide stehen kürzer auf dem Beet als die Rote Bete. Achten Sie besonders auf Wühlmausbefall und halten Sie zu diesem Zweck die Beetränder frei und tief gelockert. Rote Beten können, sobald sie im Sommer groß genug sind, jederzeit frisch verwendet werden. Lecker sind sie auch geschnitten auf einem Blech in Olivenöl gebacken und mit Rosmarin oder frischer Minze überstreut.

Bete muss übrigens nicht immer rot sein: Tondo di Ghioggia ist rot-weiß geringelt, das gibt besonders schöne Chips. Goldene Bete ist ebenfalls erhältlich. Soll Rote Bete eingelagert werden, so erntet man sie Ende September bis Mitte Oktober. Das Laub kann abgedreht werden, der Wachstumspunkt am Laubansatz muss aber unbedingt unverletzt bleiben, sonst verderben die Wurzeln schnell. Rote Bete lagert am besten in einer mäusegeschützten Erdmiete, in einer mit Sand gefüllten Kiste oder einem feuchten Keller. Waschen sollte man sie immer erst kurz vor der Verarbeitung.

PFLANZFERTIG

Falls Sie Ihre Beete im Überschwang des Frühlings noch nicht alle eingesät haben, bliebe ja noch ein bisschen Platz für die eine oder andere Gemüsejungpflanze: Der Riese unter den Kohlrabis, Superschmelz, bleibt bis zur Ernte trotz seiner beachtlichen Größe zart und verholzt nicht, zudem ist er lagerfähig bis ins neue Jahr. Mangold lässt sich ab Juni beernten, wächst den ganzen Sommer über laufend nach und mit Glück bis ins nächste Frühjahr hinein. Mangold kann man auch im Topf oder Balkonkasten kultivieren, und unsere Sorte Rainbow ersetzt durch ihre Farbenfülle so manche Blume.

Haben Sie Appetit auf sonnengereifte, süße Tomaten aus dem eigenen Garten? Unser absoluter Liebling bleibt Ruthje mit ihrer charakteristischen kleinen Spitze an den aromatischen, nicht allzu großen, tiefroten Früchten. Neu im Sortiment ist die übervoll tragende Cocktailtomate MiriMiri, die Massen an länglichen roten Früchten bringt. Beide Tomatensorten können Sie auch in einem großen Kübel ab 40 l Fassungsvermögen, möglichst unter Dach und an einer vollsonnigen Hauswand, kultivieren.

Dieses Jahr bieten wir mit der Frühjahrslieferung von Tomaten- und Gemüsejungpflanzen eine große Auswahl an Bio-Kräuterpflanzen an: Lassen Sie sich betören vom Duft der Marokkanischen Minze, erfrischen Sie sich mit Zitronenverbene oder geben Sie asiatischen Gerichten mit Blattkoriander den letzten Schliff. Ein Kräutergarten sollte immer möglichst nah an der Küche und gut zugänglich sein. Wegen der feinen Düfte und der von Insekten viel besuchten Blüten könnten Sie sich hier einen kleinen, lauschigen Sitzplatz einrichten, von dem aus Sie Hummeln und, auf den warmen Steinen einer Kräuterspirale, vielleicht sogar Eidechsen beobachten können.

SCHWARZE ERDE

Terra Preta, den Begriff haben viele vielleicht einmal gehört. Die wenigsten von uns haben schon solche Erde im Garten. Terra Preta ist eine von Menschen geschaffene, besonders fruchtbare Erde. Vor Jahrhunderten in Südamerika erdacht, wird für Terra Preta Holz- oder Pflanzenkohle mit Nährstoffen und Mikroorganismen getränkt und in den Boden eingebracht. Wenn man es richtig macht, besitzt ein so behandelter Boden über Jahrzehnte eine verbesserte Nährstoff- und Wasserhaltekraft. So wurde beispielsweise auf der Schwäbischen Alb eine Ackerfläche mit aktivierter Holzkohle verbessert. Dadurch hat die Fläche den trockenen Sommer 2018 wesentlich grüner und frischer überstanden als die Nachbargrundstücke (Quelle: Bodenfruchtbarkeitsfonds Magazin 2/2018). Die Einarbeitung aktivierter Holzkohle in den Boden hilft aber nicht nur im Kleinen, klimatische Extreme abzupuffern. Durch das Einbringen von Kohlenstoff in den Boden und den Aufbau stabiler Humusverbindungen wird der Atmosphäre dieser Kohlenstoff dauerhaft entzogen. Im großen Stil ließe sich durch diese Technik sogar die CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre wieder senken (Quelle: Al Gore: Wir haben die Wahl). Dies ergibt natürlich nur Sinn, wenn für die Pflanzenkohlegewinnung nicht, wie für niedrigpreisige Grillkohle, Urwälder der Abholzung preisgegeben werden, sondern wenn man vor Ort anfallendes Material wie Heckenschnitt, Sägereste und Brennholz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern verwendet. Unruhige Zeiten verlangen ungewöhnliche Lösungen. Wir können auch im Kleingarten ein Teil der Lösung sein.

Pflanzenkohle sollte mindestens zwei Wochen lang aktiviert, also mit Flüssigdünger und Mikroorganismen (Kompost, Pflanzenjauchen) getränkt werden. Als Anwendungsempfehlung für aktivierte Pflanzenkohle gelten folgende Mengen:
für Topferde etwa 100 ml Kohle pro Liter Erde,
für Gartenbeete etwa 2 l Kohle pro Quadratmeter
für Gehölzpflanzungen oder eingewachsene Gehölze etwa 2 l, als Wurzelapplikation an mehreren Stellen etwas tiefer eingebracht, oder für den Anfang, wenn man etwas weniger zur Verfügung hat: dünne Kohlenschichten auf dem Komposthaufen verteilen und diesen vor dem Ausbringen mindestens einmal umsetzen. Eine Einarbeitung aktivierter Kohle in den Komposthaufen wirkt sich sehr günstig auf das Gesamtergebnis aus, weil hier die Kohle Zeit hat, zu reifen und sich in Verbindung mit dem Kompost zu einem ausgewogenen Nährstoff- und Organismenlieferanten zu entwickeln.


ARBEITEN
Ernte
- Beetvorbereitung und Pflanzung
- Brennnesseljauche ansetzen
- Bewässerung planen und einrichten
- junge und empfindliche Pflanzen tagsüber ins Freie stellen zum Abhärten
- Stauden- und Kräuterbeete jäten, ausputzen und düngen
- Holzkohle aktivieren für Terra Preta
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- überwinterten Mangold
- Winterpostelein und Petersilie
- Schnittlauch und Winterheckenzwiebel
- Pflücksalat
- Rhabarber
- Wildkräuter