Du kannst den Hahn zwar einsperren,
die Sonne geht trotzdem auf.
(Konfuzius)


Liebe Biogärtnerinnen und Biogärtner,

Nie geht die Sonne früher auf als im Juni. Licht, einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren, ist im Überfluss vorhanden, und bei ausreichender Feuchtigkeit und Wärme haben die Pflanzen im Freiland jetzt fast 17 Stunden am Tag Zeit, zu wachsen. Der Gartenbetrieb läuft auf Hochtouren. Wir Gärtner möchten jetzt möglichst viel Zeit in unserem Paradies verbringen, nicht zuletzt weil es schon bald die ersten süßen Frühmöhren und Erdbeeren zu naschen gibt.

Ihr Gerhard Wacha und das Biogartenversand-Team





GEMÜSEGARTEN  |  Noch Platz im Beet? Teil I

Im Juni werden die ersten Reihen oder Beete schon wieder frei. Wo Radieschen, Spinat, Winterknoblauch und die ersten Salate standen, ist Platz für neue Ideen. Sie haben die Wahl, ob Sie dem Boden und den Bienen mit einer Gründüngung etwas Gutes tun oder Ihren sommerlichen Speiseplan durch Nachsaaten bereichern möchten. Einjährige Sommerblumen, im Juni ausgesät, malen Ihnen bis in den Herbst hinein bunte Tupfer in den Garten, und manch zweijährige Blumenart bildet fürs nächste Jahr schöne, dichte Bestände aus.

Als Gründüngung zur Aussaat im Juni eignet sich beispielsweise Phacelia, auch Bienenfreund genannt. Sie blüht sechs bis acht Wochen nach der Aussaat üppig hellviolett und bringt Imkern enorm viel Pollen und Honig ein. Da Phacelia zu den Wasserblattgewächsen gehört und nicht enger mit anderen Gartenpflanzen verwandt ist, überträgt sie kaum Schädlinge oder Krankheiten.

Auf Beeten, in die im Juni Phacelia eingesät wird, dürfen ab August Feldsalat und Erdbeeren wachsen. Oder Sie stecken hier im Herbst Wintersteckzwiebeln und Winterknoblauch oder pflanzen junge Gehölze in die feine, gare Erde. Wer das Beet früher wieder braucht, kann Gelbsenf aussäen. Er bildet schon wenige Wochen nach der Aussaat einen grünen, schützenden Teppich auf dem Beet, hilft, Nematoden einzudämmen und lässt sich später leicht abschneiden, herausziehen oder einarbeiten. Achtung: Senf darf jedoch nicht vor oder nach Kohlpflanzen stehen!

GEMÜSEGARTEN |  Noch Platz im Beet? Teil II

Anfang Juni können Sie nochmals eine Reihe Zuckererbsen aussäen. Blattgemüse wie Radicchio und Endivien wird vorgezogen. Diese herben, gesunden Salate versorgen uns bis in die kalte Jahreszeit hinein mit Rohkost, vor allem wenn später ein Teil der Pflänzchen ins Gewächshaus oder in den Frühbeetkasten versetzt wird. Säen Sie bis spätestens Anfang Juli einen Satz Buschbohnen zur Ernte ab Mitte August. Bohnen keimen besonders schnell, wenn sie vor dem Legen 24 Stunden in Wasser eingeweicht werden. Kleinere Mengen Möhren können noch ausgesät werden, dazu eignen sich jetzt die schnell wachsenden Sorten, sogenannte Frühmöhren, die eine kürzere Entwicklungsdauer als Lagersorten haben. Dann haben Sie im September noch einmal knackige, junge Möhren. Die Sorte Nantaise 2/ Fanal eignet sich bei Aussaat im Juni sogar zur Einkellerung.

Ab Juni werde runde schwarze Winterrettiche gesät. Ab September sind sie erntereif und lassen sich hervorragend in Erdkellern oder Mieten einlagern.

GEMÜSE-/ZIERGARTEN  |  Noch Platz im Beet? Teil III

Wer etwas fürs Auge möchte, sät Anfang Juni noch einjährige Sommerblumen wie Ringelblumen, Bechermalven oder Jungfer im Grün. Auch Edelwicken und unsere Mischung „Essbare Blüten“ haben eine schnelle Entwicklungszeit und blühen noch in diesem Jahr.

Zweijährige Blumen sind dagegen Akelei und Bartnelke. Sie bilden im ersten Jahr kräftige Jungpflanzen aus und entfalten im nächsten Jahr ihre volle Blütenpracht. Färberkamille, Mädchenauge und Königskerze gehören ebenfalls zu den zweijährigen Pflanzen, die eine rechtzeitige Planung mit besonders üppiger Blüte belohnen.

GEMÜSEGARTEN  |  Von „Un-" und Wildkräutern

Bei ausreichender Feuchtigkeit und Bodenfruchtbarkeit werden alle offenen Flächen von der Natur umgehend begrünt. Was für ein Glück! Nicht willkommener Bewuchs auf Beeten, unter Gehölzen oder auf Rasenflächen macht den erwünschten Gewächsen aber Wasser, Nährstoffe, Licht und Platz streitig. Darum sollte es bei Flächen, auf denen Kulturpflanzen stehen, nie so weit kommen, dass die Wildkräuter den Boden flächendeckend besiedeln oder die Kulturpflanzen überwuchern.

Andererseits haben Wildkräuter mehr zu geben, als viele von uns wissen:
Etliche kann man als junge Pflanzen essen. Melde enthält reichlich Vitamin C und Kalzium, und Löwenzahn unterstützt die Verdauung.

Viele Lebewesen finden an Wildkräutern Nahrung und Unterschlupf. Brennnesseln bieten über 100 Insektenarten einen Lebensraum. Zahlreiche Insekten, die nur in einem naturnahen Garten ein Plätzchen finden, leisten ihren Beitrag zur ökologischen Schädlingsreduzierung.

Ein gewisser Bestand an Wildkräutern im Beet bedeckt den Boden und schützt ihn vor Verschlämmung. Dazu kommt, dass, ähnlich wie bei Mischkulturpartnern, die Wurzelausscheidungen und Düfte vieler Pflanzen heilende Eigenschaften haben. So unterstützt Kamille benachbarte Lauch-, Zwiebel- und Kohlpflanzen. Die Schafgarbe macht ihre Nachbarpflanzen widerstandsfähig und verbessert die Rotte des Komposthaufens. Aufgrund der bodenverbessernden Eigenschaften vieler Wildkräuter gab es lange Zeit die Tradition des Brachejahres, in dem Felder eine Saison lang sich selbst überlassen wurden.

GARTENARBEITEN  |  Pflegemaßnahmen im Juni

Wer Tomatenpflanzen hat, tut gut daran, regelmäßig die sogenannten Geiztriebe, also die Seitentriebe in den Blattachseln, zu entfernen. Bei fast allen Tomatensorten, außer bei den Wildtomaten, führt ein Stehenlassen der Geiztriebe zu übermäßigem Blattwachstum, unter dem die Fruchtbildung leidet. Je kleiner diese Triebe beim Ausbrechen sind, umso weniger Kraft verliert die Pflanze.

Besonders Kohlpflanzen wie Broccoli und Blumenkohl reagieren sehr gut auf gelegentliches grobes Hacken. Beim Hacken kommt Luft in den Boden und Nährstoffe werden verfügbar. Manchmal kann man regelrecht dabei zusehen, wie der Kohl nach einem Hackdurchgang stark zu treiben beginnt.

Häufeln Sie regelmäßig Ihre Kartoffeln. Mit dem Rechen oder Häufler zieht man Erde auf die Dämme. So wird Unkraut verschüttet und die Knollen werden dicker mit Erde bedeckt, damit sie nicht irgendwann am Licht liegen und grün werden.

Brennnesseljauche wird immer wieder neu angesetzt. Dazu füllt man Brennnesselblätter oder ganze Pflanzen locker in ein Kunststoff- oder Holzfass und gießt sie mit kaltem Wasser auf. Unverdünnte, nur wenige Tage alte Jauche können Sie als Schädlingsbekämpfungsmittel auf befallene Pflanzenteile sprühen oder gießen. Ihren Einsatz als Flüssigdünger und Stärkungsmittel bekommt die Brennnesseljauche nach etwa 7 Tagen. Dann wird sie im Verhältnis 1:20 verdünnt und in den Wurzelbereich nährstoffbedürftiger Pflanzen gegossen. Pflanzen, deren Blätter vorerst nicht verzehrt werden sollen, können auch über das Blatt mit Flüssigdünger versorgt werden. Das funktioniert z.B. bei jungen Gehölzen gut, deren Blätter man noch mit der Gießkanne erreicht.

Verblühte Stauden werden zurückgeschnitten. Viele Blumen setzen nach einem Rückschnitt besonders viele neue Knospen an. Natürlich geben auch Flüssigdünger und ein vorsichtiges, flaches Lockern der Erde den Blumen wieder Schwung.

Für Kästen und Kübel wird eine flüssige Nachdüngung ab den Sommermonaten unerlässlich, da die in der Blumenerde enthaltenen Nährstoffe bald aufgebraucht sind.

Im Gemüsegarten müssen vorgezogene Grünkohl-, Rosenkohl- und Porreepflanzen spätestens jetzt an ihren endgültigen Platz im Beet versetzt werden. Möhren, Rote Bete und Schwarzwurzeln werden vereinzelt, die herausgezogenen Pflänzchen lassen sich zum Teil schon in der Küche verwenden. Junge Blätter der Roten Bete können mitgegessen werden.

Bedecken Sie den Boden zwischen den Gemüsereihen und unter den Gehölzen mit Mulch. Dieser hält den Boden feucht, gleicht Temperaturschwankungen aus und unterdrückt Unkraut. Der einzige, teilweise gravierende Nachteil an Mulch ist, dass er ungebetenen Gästen Unterschlupf bietet. Wo Wühlmäuse Schäden anrichten, muss der Boden, am besten auch noch um die Beete herum, unbedingt tief locker gehalten werden. Am schnellsten geht das mit einem Sauzahn.

OBSTGARTEN  |  Der Sommerschnitt

Schauen Sie im Juni nach Ihren Obstgehölzen. Gibt es befallene oder erkrankte Triebe? Reiben Äste aneinander? Bekommen die Blüten und Fruchtansätze genug Licht? Besonders bei Reben sollte man bereits im Juni mit den sogenannten Laubarbeiten beginnen. Triebe, die Blüten tragen, werden eingekürzt, damit diese besser versorgt werden. Allzu viele neue Triebe darf die Rebe auch nicht behalten, wenn die Trauben ausreifen sollen. Die bleibenden Ruten werden gut am Rankgerüst befestigt, beispielsweise mit Drahtkordel oder Juteschnur.

Die Triebe sind immer eng an die Rankhilfe zu heften, damit bei Wind keine Reibungsschäden entstehen. Trauben brauchen zur Reife viel Sonne, deshalb müssen über Sommer immer wieder Ruten und Blätter entfernt werden. Als Vorbeugung gegen den Befall mit der Kirschessigfliege wird empfohlen, die Blätter rund um die Trauben zu entfernen, um dem Schädling den benötigten Schatten zu entziehen.

Auch ein übermäßiger Fruchtbehang kann zu mangelnder Ausreife führen. Viele Gehölze behelfen sich selber durch den sogenannten Junifruchtfall. Wenn beispielsweise an kleinen Apfelbäumen Ende des Monats immer noch zu viele Äpfelchen hängen, lohnt es sich, diese auszudünnen, um ein gutes Ausreifen der einzelnen Früchte zu gewährleisten.


AUSSAAT/PFLANZUNG
Arbeiten
- Pflücksalate
- Radicchio
- Endivien
- Möhren
- Rettich
- Rote Bete
- Fenchel
- Stangenbohnen
- Buschbohnen
- ein- und zweijährige Sommerblumen
ARBEITEN
Ernte
- Tomaten ausgeizen
- offene Flächen mulchen oder regelmäßig hacken
- Düngung von Starkzehrern und Kübelpflanzen
- Kartoffeln häufeln
- Brennnesseljauche ansetzen
- Sommerschnitt von Obstgehölzen
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Dicke Bohnen
- Salat
- Winterknoblauch
- Frühmöhren
- Frühlingszwiebeln
- Kohlrabi
- Erdbeeren
- Rhabarber
- frühe Johannisbeeren und Kirschen