Auch wenn ich wüsste,
dass morgen die Welt untergeht,
würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. (Martin Luther)


Liebe Biogärtnerinnen und Biogärtner,

ob dieser Satz tatsächlich aus Luthers Feder stammt, lässt sich nicht belegen. In jedem Fall ist auch im 500. Jahr der Reformation die Pflanzung eines Baumes immer noch eine lebensfrohe und hoffnungsvolle Aktion.

Als Gärtner sind wir selbstbestimmt und handlungsfähig und gestalten unsere Umwelt sowie unsere Nahrungsmittelversorgung zum Teil einfach selber. Dass dies im höchsten Maße befriedigend ist, dürfen wir alle in dieser kommenden Gartensaison wieder erleben: Auf die Plätze – fertig?

Ihr Gerhard Wacha und das Biogartenversand-Team




NUTZ- UND ZIERGARTEN  |  Die richtige Planung

Viele Gärten entstehen einfach – sie wurden so übernommen, ein alter Baum starb ab und wurde irgendwann ersetzt, am Tor war noch Platz für eine Rose, und Gemüsebeete gab es schon. Diese wurden erweitert, nach einigen Jahren warf die Hecke zu viel Schatten, und so wurde wieder umgestaltet.?Wo man jedoch neu baut oder aus anderen Gründen ein komplettes Grundstück gestaltet, hat es Sinn, sich mit einem Gartenarchitekten oder einem erfahrenen Landschaftsgärtner zusammenzusetzen. Es gilt, den Sonnenschein, aber auch kühlen Schatten ans Haus zu holen, und zwar zu den Zeiten, wo man wirklich da ist. Man möchte weite Ausblicke erhalten und dennoch windgeschützt sitzen. Mancher will auch an der frischen Luft einen Bereich mit Privatsphäre erhalten und nicht zuletzt den bunten Wechsel der Jahreszeiten im eigenen Garten erleben.
Mit speziellem Blick auf den Nutzgarten ist das Prinzip der Sonnenfalle bemerkenswert, welches oft in Permakulturbüchern erläutert wird: Die höchsten Bäume stehen im Norden und Nordosten des Grundstücks. Büsche und Hecken, die niedriger und teilweise blickdurchlässig sind, pflanzt man davor und als Windschutz am West- und Ostrand. Vor dieser hufeisen- oder U-förmigen Bepflanzung ist es in der Regel warm und windgeschützt, so dass die Bewohner, die in der warmen Sonne sitzen möchten, sich ebenso wohlfühlen wie Beerenobststräucher, Obstbäume und Gemüse. Innerhalb der einzelnen Beete wird auch wieder nach der Wuchshöhe gepflanzt.
Hinzu kommen noch praktische Erwägungen wie Erreichbarkeit und Bearbeitungstechnik sowie die Prinzipien der Mischkultur, günstige Nachbarschaften und die Fruchtfolge.
In Gärten, wo jedes Jahr etwa dasselbe Gemüse in ähnlicher Menge angebaut wird, können Mischkultur und Fruchtfolge in einem Plan aufgezeichnet werden, der jährlich ein Stück „weiterrutscht“. Beispielhafte Pläne und gute Informationen hierzu bietet das Buch von Christa Weinrich „Mischkultur im Hobbygarten“.
Wer im Januar einen Gartenplan macht, in dem der vorhandene Platz mit den vielen Wünschen in Einklang gebracht wird, verschafft sich schon einmal einen guten Überblick. Berücksichtigen Sie unbedingt, was letztes und vorletztes Jahr auf den Beeten stand. Wiederholungen sind für die Pflanzengesundheit bedenklich und laugen den Boden einseitig aus. Bauen Sie an, was gut wächst, aber fordern Sie sich auch heraus: Mancherorts gelingt es erst im dritten Jahr nach dem Grünlandumbruch, schöne Möhren zu ernten. Diese sind dann ein besonders gefeierter Genuss! Sortieren Sie jetzt Ihr Saatgut beispielsweise nach den Themen Blüte, Frucht, Blatt, Wurzel oder, für botanisch Fortgeschrittene, nach Pflanzenfamilien wie Nachtschatten, Doldenblütler, Korbblütler etc. Stellen Sie eine Liste auf: Was will ich anbauen? Was habe ich? Was brauche ich noch? Wir haben viele schöne Saatgutneuheiten für Sie ausgesucht: Vielleicht möchten Sie zum Spaß eine lila Ecke im Garten einrichten, wo die Chili Lila Luzi, die Erbse Blauwschokker und die Möhre Gniff sich zusammen mit der rubinroten Gartenmelde einmal als essbare Zierpflanzenkombination ausprobieren dürfen?
Haben Sie noch selbst vermehrtes, ungereinigtes Saatgut, das ohne Stängelreste und in Portionstütchen beschriftet, viel besser aussehen würde? Wer sich bei altem oder eigenem Saatgut unsicher über die Keimfähigkeit ist, kann eine Keimprobe machen und zehn abgezählte Samenkörner ein bis zwei Wochen auf einem feuchten Küchentuch beobachten.

OBSTGARTEN  |  Obstbaumpflege und -pflanzung

Kontrollieren Sie im Januar einmal die Mulchschicht unter Ihren Obstbäumen. Eventuell haben sich hier Mäuse eingenistet und die Baumwurzeln angenagt. Mäusegänge zerstört man vorsichtig mit den Händen, oder man sticht mehrmals mit einer dünnen Stange in den Wurzelbereich. Auch eine größere Menge Wasser sorgt bei Wühlmausschäden dafür, dass wieder Erde an die Wurzeln geschwemmt wird und der Baum überlebt.?Langsam wirkende Wirtschaftsdünger wie Kompost oder Mist dürfen, wenn vorhanden, schon jetzt auf der Oberfläche der Baumscheibe verteilt werden. Bei steigenden Temperaturen setzt das Bodenleben die Nährstoffe dann frei, wenn der Baum sie braucht. Eine Mulchabdeckung schützt vor Verlusten.
Wo viel Schnee fällt, leiden Gehölze manchmal unter der Last. Schütteln Sie Schnee von jungen Obstbäumen und Büschen ab, bevor er festfriert und Bruch verursacht.
Im Januar freut man sich besonders über Blüten. Von Obstbäumen können Sie jetzt einzelne Zweige schneiden und in der Vase im Haus einen kleinen Vorfrühling bestaunen.

Wurzelnackte Bäume pflanzt man, sobald die Witterung es zulässt, spätestens jedoch im März. Ist die Pflanzstelle gut vorbereitet, macht das Einpflanzen nicht mehr viel Mühe. Wenn Sie einen Baum bei uns bestellen, empfehlen wir deshalb, den Ort, wo er stehen soll, schon genau zu bestimmen.
Grassoden müssen Sie ausstechen, so dass eine Pflanzstelle von etwa 60 cm Durchmesser entsteht. Die Erde muss dringend tief gelockert werden, damit die neuen Wurzeln schnell in die Tiefe wachsen. Anfangs wird nur leicht gedüngt. Eine Schicht Kompost oder eine Handvoll langsam wirkender Dünger wie Hornspäne oder Phytoperls, in die oberste Erdschicht eingearbeitet, reicht. Decken Sie die so vorbereitete Pflanzstelle bis zur Pflanzung mit Stroh, Jutestoff oder Laub ab.

NUTZGARTEN  |  Gartenarbeiten im Januar

Wenn der Boden weich ist, kann im Januar natürlich auch gejätet werden, beispielsweise zwischen Winterpostelein und Feldsalat, sofern diese noch eine Weile im Beet stehen sollen. Auch das Entfernen von Grasbüscheln aus abgeernteten Beeten ist immer sinnvoll, denn die Kraft von Graswurzeln ist sprichwörtlich, und je größer das Büschel wird, desto mehr wertvolle Gartenerde geht beim Herausreißen mit verloren. Alle Beete können jetzt noch mit Laub oder Stroh gemulcht werden. Der Winter ist lang genug, so dass es sich lohnt, die Beete abzudecken.

DÜNGUNG  |  Kompost

Kompost ist einer der wertvollsten Stoffe, die wir im Biogarten nutzen. Ohne die unschätzbare Arbeit, die von tausenden von Mikroorganismen permanent geleistet wird, hätten wir keine duftende, feinkrümelige Erde und wahrscheinlich auch keine widerstandsfähigen Pflanzen oder hocharomatischen Kartoffeln. Oft ist Kompost knapp – es sei denn, man steckt richtig Arbeit in die Beschaffung von viel organischem Material wie Laub, Heu, Grasschnitt etc.

Bei der herkömmlichen Kompostierung in Kompostbehältern oder auf Haufen wird das Rohmaterial, wie Grünschnitt und Essensreste, sehr gut für die Pflanzen aufgeschlossen und eignet sich als reifer Kompost sogar als Zusatzstoff für Anzucht- und Topferde.
Bei der Reifung des Materials auf Haufen geht allerdings auch etwas verloren, zum Beispiel durch Auswaschung. Manche nützlichen Bodenlebewesen können mit allzu reifem Kompost nichts mehr anfangen und ziehen sich zurück. Hier liegt die Idee nahe, besonders in den Wintermonaten, wenn die Beete leer sind, den Komposteimer direkt auf dem Beet auszuleeren. Dadurch gehen wirklich alle Nähr- und Vitalstoffe in die Gartenerde, außerdem spart man sich einen Arbeitsgang. Um den unschönen Anblick zu verdecken, Tiere abzuhalten und die Rotte zu fördern, wird auf den rohen Kompost sofort eine Schicht Laub oder Stroh ausgebracht. Wenn im Frühling das Beet bestellt wird, lassen sich die letzten Reste leicht zusammenharken und darunter kommt sehr weiche, lebendige Erde zum Vorschein, die den Frühlingsaussaaten allerbeste Startbedingungen bietet.


AUSSAAT/PFLANZUNG
Arbeiten
geschützt und hell:
- Wirsing (Vorbote)
- Kohlrabi (Azur Star, Lanro)
- Salat (Forellenschluss, Maikönig)
- Kresse

im Freiland:
- Asiagemüse (Grün im Schnee, Mizuna)
- Postelein
- Möhre (Jaune du Doubs)
- Johanniskraut
- Hornveilchen
ARBEITEN
Ernte
- Gartenplan erstellen
- Saatgut sortieren
- eigenes Saatgut reinigen
bei Plusgraden:
- Unkraut jäten
- Gehölze pflanzen oder schneiden
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Rosenkohl
- Grünkohl
- Feldsalat
- Postelein
- Topinambur
- Winterlauch
- Schwarzwurzeln
- Löffelkraut
- Brunnenkresse