Unkraut, Beikraut, Wildkraut - Was denn nun?

Beikraut im Garten

Unkraut nennt man die Pflanzen, 
deren Vorzüge noch nicht erkannt worden sind.
“ 
Ralph Waldo Emerson (1803–1882), 
US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller


Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,

als Gärtnerinnen und Gärtner gestalten wir ein Stückchen Erde nach unseren eigenen Vorstellungen. Wir kultivieren es und treffen dabei auch Entscheidungen darüber, was wachsen soll und was nicht. Das bedeutet, wir greifen in die sogenannte Spontanvegetation ein – also in all das, was von ganz allein wächst. Denn auch diese Pflanzen brauchen Licht, Wasser und Nährstoffe und stehen damit in direkter Konkurrenz zu unseren Kulturpflanzen um diese lebensnotwendigen Ressourcen.

Wie also gelingt es uns, eine Balance zu schaffen? Eine, in der unsere Kulturpflanzen gut gedeihen, während uns die Wildkräuter nicht im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf wachsen?

Ihr Team vom Hof Jeebel

PS: Wir bevorzugen die neutrale Bezeichnung Beikraut statt Unkraut. Sie lädt zu einem differenzierteren Blick ein und unterstützt eine naturfreundlichere Gartenkultur. So können wir die ökologischen Funktionen und den möglichen Nutzen dieser Pflanzen besser wahrnehmen – eben als das, was sie oft sind: Begleiter bei, also neben, unseren Kulturpflanzen.

Platzhalter


Mulchen – eine Win-win-win-Situation

mulchen im Garten

Die einfachste Methode zu jäten ist, gar nicht erst zu jäten – sondern dem Beikraut durch eine Schicht an Mulchmaterial von vornherein die Grundlage zu entziehen, indem es das Licht abschirmt. 

Und nicht nur das, die Vorteile von Mulchen sind vielfältig:  

  • Die Erde bleibt schön feucht und die Pflanzen müssen nicht so oft gegossen werden. 
  • Mulch wirkt wie eine isolierende Decke, die die Wurzeln und auch die Bodenlebewesen vor großen Temperaturunterschieden schützt – so werden Mikroorganismen, Regenwürmer und andere Bodenhelfer gefördert
  • Das organische Material zersetzt sich langsam und gibt dabei Nährstoffe ab. 
  • Bei starkem Wind und Regen bleibt der wertvolle Boden an Ort und Stelle und wird nicht erodiert.

Wenn Sie nicht sowieso Mulch-Fan sind, wollen Sie jetzt bestimmt loslegen, unbedeckte Flächen im Beet oder auch in Töpfen und Kästen zu mulchen.


Was eignet sich als Mulchmaterial?

Die 10 besten Mulchmaterialien

Verwenden Sie für eine 5–10 cm dicke Mulchschicht Materialien, die ohnehin im Garten anfallen, wie z. B.:

    1. 1. angetrockneter Rasenschnitt, eher dünne Schichten Laub 
      2. gehäckselter Holzschnitt, Äste, Zweige 
      3. gejätetes und getrocknetes Beikraut (kein Wurzelbeikraut, Beikraut ohne Samen; die Wurzeln sollten frei liegen, damit sie nicht erneut anwachsen können) 
      4. geschnittene Gründüngungspflanzen 
      5. grob zerkleinerte Brennnessel- oder Beinwellblätter oder auch gekauftes Material:
      Stroh (in unseren Paketen verwenden wir zum Teil Stroh zum Auspolstern, es kann dann super zum Mulchen weiterverwendet werden!) 
      6. Holzhäcksel 
      7. Rindenmulch 
      8. unbedruckte Pappe 
      9. biologisch abbaubare Mulchvliese aus Hanf, Wolle oder Kokos 
      10. Mulchvlies aus Papier

    Tipp: Nicht nur Beetpflanzen profitieren von einer Mulchschicht, auch junge Bäume mögen eine freie, gemulchte Baumscheibe. 

    Platzhalter

    Falls Sie all Ihre Mulchmaterialien aufgebraucht haben, finden Sie hier Alternativen:

    Mulchfolie biologisch abbaubar aus Naturpapier
    lieferbar
    ab14,90 EUR / Stück
    Unkrautschutzmatte aus Schafwolle
    lieferbar
    16,95 EUR / Stück
    Bio-Stroh, 15 kg, lose
    dieser Artikel ist leider nicht mehr verfügbar
    19,90 EUR / Stück
    Platzhalter


    Gründüngung: eine lebendige Mulchschicht

    Gründüngung als eine lebendige Mulchschicht

    Gründüngungspflanzen sind spezielle Pflanzen, die mit ihren Wurzeln das Bodenleben fördern, die Bodenfruchtbarkeit verbessern und mit ihrer dichten Blattmasse den Boden bedecken. Und wie wir wissen: 
    Auf bedecktem Boden hat Beikraut kaum eine Chance. Die verschiedenen Arten lassen sich z. B. dort säen, wo im Beet Lücken entstehen – und sie sind außerdem eine hervorragende Möglichkeit, um den Boden im Herbst auf den Winter vorzubereiten.

    Knöllchenbakterien binden Stickstoff aus der Luft

    Als Gründüngung eignen sich verschiedene Pflanzenarten, die wir in Mischungen oder einzeln anbieten. Flachwurzelnde Arten wie Phacelia, Klee oder Senf wachsen besonders schnell und durchwurzeln und beleben so die obere Bodenschicht, schützen vor Erosion, halten den Boden feucht und beschattet. Tiefwurzler wie Sonnenblumen oder Luzerne, deren Wurzeln mehrere Meter tief ins Erdreich vordringen, lockern den Boden nicht nur tiefgründig, sondern mobilisieren auch Nährstoffe in diesen Schichten und machen sie pflanzenverfügbar.

    An den Wurzeln von Leguminosen wie Klee, Wicke, Lupine, Erbsen oder Bohnen befinden sich winzige „Stickstofffabriken“: In Symbiose mit sogenannten Knöllchenbakterien binden sie Stickstoff aus der Luft und machen ihn für Pflanzen verfügbar. Wird die Pflanzenmasse nach dem Schnitt leicht in den Boden eingearbeitet, entsteht daraus nährstoffreicher Humus – inklusive des gespeicherten Stickstoffs. Was für eine geniale Art der Bodenverbesserung!

    Viele Gründüngungsarten blühen wunderschön und sind damit Insekten- bzw. Nützlingsmagneten und Augenschmaus zugleich. Besonders erwähnenswert ist die Phacelia, die nicht umsonst auch „Bienenfreund“ heißt und für einen Sommerblumenstrauß herhalten kann. Aber auch andere, wie Blaue Lupine, Blauer Lein oder Inkarnatsklee, entzücken mit ihrer Blütenpracht. Fertige Mischungen sind eine wunderbare Möglichkeit, Leben und Schwung ins Beet und in den Boden zu bringen.

    Welche Gründüngung für Ihren Bedarf am besten geeignet ist, können Sie hier nachlesen:

    Gründünger mit neutraler Fruchtfolge


    Fruchtfolge beachten bei folgendem Gründünger
    Platzhalter

    Die besten Werkzeuge gegen Beikraut: Unsere 5 Favoriten

    Die besten Werkzeuge gegen Beikraut

    Das richtige Werkzeug kann Bodenbearbeitung und Jäten zu einem weitaus erträglicheren, vielleicht sogar vergnüglichen Unterfangen machen. Diese fünf Geräte haben sich in vielen Gärten bewährt:

    Jätefaust für Präzisionsarbeiten
    Jätefaust – eine Mini-Drahthacke für absolute Präzisionsarbeit. Perfekt für Hochbeete, Pflanzkübel oder das Arbeiten direkt an empfindlichen Jungpflanzen. Einfach über den Boden ziehen – der Drahtbügel erledigt den Rest.

     Zu den Jätefäusten
    Nifty kaufen

    Nifty-Reihe – hochwertige Handwerkzeuge mit ergonomischem Griff. Besonders leicht (unter 200 g) und für präzise Arbeiten in engen Beeten oder Hochbeeten gedacht. Die verschiedenen Klingenformen eignen sich für unterschiedliche Anwendungen.

     Zu den Nifty-Werkzeugen
    linie
    Drahthacke kaufen

    Drahthacke – die feine Variante der Bügelhacke. Sie ist leicht, präzise und bestens für die Arbeit zwischen engen Pflanzreihen geeignet. Der Drahtbügel durchtrennt junge Beikräuter sauber und bodenschonend.

     Zu den Drahthacken
    Pendelhacke kaufen

    Pendelhacke – für mittlere Flächen. Der schwingende Bügel schneidet in Vor- und Rückwärtsbewegung knapp unter der Oberfläche. Sie ist kraftsparend, effizient und angenehm in der Anwendung – ideal bei lockeren Böden und mittlerem Reihenabstand.

     Zu den Pendelhacken

    Radhacke – für große Anbauflächen über 50 m². Sie funktioniert wie ein kleiner Handtraktor und erlaubt dank wechselbarer Anbaugeräte, insbesondere dem Pendelmesser, eine extrem effektive und rückenschonende Bearbeitung großer Flächen. Sie hat eine bis zu zehnfache Leistung im Vergleich zur klassischen Hacke.

     Zu den Radhacken

    Tipp: Nach dem Gießen oder einem kräftigen Regenschauer ist der Boden weich – das ist der perfekte Zeitpunkt zum Hacken. Die Beikräuter lassen sich dann leichter entfernen, und durch die Bearbeitung der oberen Bodenschicht wird die Verdunstung zusätzlich reduziert (kleine Hohlräume, durch die sonst Wasser an die Oberfläche transportiert wird und verdunstet, werden unterbrochen).

    Platzhalter

    Beikräuter als Gartenhelfer nutzen

    Beikräuter als Gartenhelfer nutzen

    Will mir dieses Kraut etwas sagen?

    In meinem Garten wuchern überall Brennnesseln! In dieser einen Ecke vermehrt sich der Klatschmohn wie wild! Kommen manche Beikrautarten besonders häufig in unserem Garten oder bestimmten Teilen unseres Gartens vor, können uns diese sogenannten Zeigerarten Aufschluss darüber geben, wie dort die Bodenverhältnisse, z. B. pH-Wert, Nährstoffgehalt, Feuchtigkeit oder Verdichtung, sind. Wenn also ein Beikraut uns besonders zu ärgern scheint, können wir uns auch fragen: Wie könnte ich hier die Beetplanung, Bodenbearbeitung, Düngergabe oder andere Maßnahmen wie Kalkstreuen anpassen? So ist die Brennnesselecke vielleicht besonders geeignet für Starkzehrer wie Tomaten und Kürbis. Oder der Ackerschachtelhalm zeigt, dass hier der Boden verdichtet ist und er eine Extra-Saison mit tiefwurzelnder Gründüngung benötigt.

    Gierschsalat

    Schmackhaft, gesund und sogar heilkräftig

    Dass manche Beikräuter essbar sind, wissen wahrscheinlich die meisten. Mit der richtigen Zubereitung können richtige Delikatessen gezaubert werden. Und auch ihre Heilkräfte können wir für uns nutzen. Wie wär’s mit einer feinen Vogelmiere-Giersch-Suppe als Vorspeise, einer Kartoffelpfanne mit Knoblauchrauke, dazu einen mit Löwenzahnblättchen und Gänseblümchen verfeinerten grünen Salat? Und zur Verdauung und Entspannung eine Tasse frischer Schafgarben-Brennnessel-Tee. Bestimmt werden Sie sich danach noch verbundener mit Ihrem Garten fühlen.

    Beikräuter als Mulchmaterial

    Jäten und schnell weg damit?

    Wurzelunkräuter wie Quecke, Giersch und Ackerwinde dürfen nicht auf den Kompost. Auch Beikräuter mit Samen und invasive Arten wie der Japanische Knöterich sollten besser in der Biotonne entsorgt werden. In Kompostieranlagen werden höhere Temperaturen erreicht als in unserem Gartenkompost und so können dort die „Problembeikräuter“ besser verrotten. Beikräuter, die noch keine Samen gebildet haben und nicht für ihre hartnäckigen Wurzeln bekannt sind, dürfen auf den Kompost oder können auch direkt als Mulchmaterial herhalten. So werden die Nährstoffe wieder dem Boden zugeführt. 

    Eine andere Art, um das gejätete Material als Dünger zu nutzen, sind Pflanzenjauchen. Wie manche Pflanzen durch Gärung zu nährstoffreichem Flüssigdünger oder zu Schädlingsabwehrmittel werden, konnten Sie in unserem letzten Newsletter von Anfang Juni nachlesen.

    Beikräuter Insektenweide

    Summende und brummende Vielfalt

    Insektenblühmischungen, offen blühende Sommerblumen, nektarreiche Stauden – wir Biogärtnerinnen und Biogärtner achten meist darauf, den Insekten und Nützlingen ein gutes Angebot zu machen. Aber auch Beikräuter bringen Blühkraft und Vielfalt mit, die (Wild-)Bienen, Schwebfliegen, Schmetterlingen und Co. einen gedeckten Tisch und Lebensraum bieten. Also vielleicht doch noch ein bisschen von der Vogelmiere und dem Ehrenpreis stehen lassen? Oder die Brennnesseln ganz den schwarzen hungrigen Raupen des Tagpfauenauges überlassen? Einem naturgemäßen Garten steht die eine oder andere „wilde Ecke“ gut zu Gesicht. Die Wildkräuter, die von alleine hier gedeihen, sind optimal an Boden und Standort angepasst und tragen entscheidend zum ökologischen Gleichgewicht im Biogarten bei.