
Wie gefangen liegt die Sonne
Hier in meinem kleinen Garten,
Wo zu immer neuer Wonne
Tausend Wunder auf mich warten.
Karl Ernst Knodt (1856 - 1917), deutscher Dichter
Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,
Manchmal reicht schon ein kurzer Gang durch den Garten, um nach einem turbulenten Tag ruhiger zu werden. Das Summen zwischen blühendem Thymian, ein rotleuchtender Marienkäfer oder die überbordende Pracht der Rosen holen den Blick zurück auf die kleinen Dinge, die wirkliche Wunder sind. Während draußen vieles schneller, lauter und unübersichtlicher wird, kann der Garten ein wohltuender Rückzugsort sein, aus dem wir gestärkt wieder zurückkommen.
Ihr Team vom Hof Jeebel


Im Juni geben Tomaten richtig Gas. Wo vor kurzem noch zarte Setzlinge standen, schließen sich jetzt die Reihen im Beet. Doch nicht nur die Pflanzen treiben jetzt üppig ihre Blüten, sondern oft auch die Ratschläge zum erfolgreichen Anbau: Ob beim Plausch über den Gartenzaun oder im Netz – kaum ein Gemüse wird so leidenschaftlich diskutiert wie die Tomate. Wir unterziehen die gängigsten Mythen rund um den Tomatenanbau einem Check. Dabei zeigt sich: Ein einfaches „richtig“ oder „falsch“ gibt es selten. Viel häufiger gilt: Es kommt darauf an!
Oft wird das Ausbrechen der Seitentriebe als zwingend dargestellt. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn Tomate ist nicht gleich Tomate. Stabtomaten werden durch regelmäßiges Ausgeizen auf ein bis zwei Haupttriebe begrenzt. Das führt zu weniger, dafür aber meist zu gleichmäßiger und etwas größer ausreifenden Früchten. Busch- und Wildtomaten hingegen wachsen von Natur aus stark verzweigt und tragen ihre Ernte über viele Seitentriebe hinweg. Würde man sie ebenfalls auslichten, hätte das keinen vergleichbaren Vorteil in der Fruchtqualität, würde den Gesamtertrag aber deutlich reduzieren.
Auch hier scheiden sich die Geister am Gartenzaun. Die einen schwören auf radikale Beinfreiheit und entlauben den unteren Bereich, um der Kraut- und Braunfäule die Einstiegsleiter zu nehmen. Andere warnen davor, die Pflanzen unnötig zu schwächen, denn jedes entfernte Blatt reduziert die Photosyntheseleistung und damit die Energie der Pflanze.
Ein kluger Mittelweg: Entfernen Sie bodennahe Blätter, sobald die Pflanze groß genug ist und ausreichend Laub gebildet hat. Damit diese Pflegemaßnahme nicht nach hinten losgeht, achten Sie darauf, an einem sonnigen und trockenen Tag mit sauberem Messer zu schneiden und nur wenige Blätter pro Durchgang zu entfernen.
Wenn Sie Ihre Tomaten regelmäßig entblättern und ausgeizen, kommt einiges an Schnittgut zusammen. Viele Gartenanfänger entsorgen es vorsichtshalber in der Biotonne, um kein Risiko einzugehen. Wer schon länger biogärtnert, nutzt den Kompost, um den Nährstoffkreislauf zu schließen. Und wer die Tomatengärtnerei perfektioniert hat, nutzt das Material direkt vor Ort als Mulchschicht. Dieses Recycling im eigenen Beet bekommt den Pflanzen bestens und hält zudem Feuchtigkeit im Boden. Wer Tomatenblätter übrig hat, legt sie als Mulch ins Kohlbeet, denn ihr intensiver Duft hält den Kohlweißling auf Abstand.
Aber Vorsicht: Nutzen Sie das anfallende Material nur, wenn es gesund ist. Zeigt es Krankheitssymptome, dann lieber ab in den Müll damit.


Tomaten gedeihen am besten, wenn sie immer am selben Standort angebaut werden. Diese Idee hält sich hartnäckig. Obwohl da einiges dran ist, stimmt es dennoch nicht ganz. Tomaten gelten zwar als sehr selbstverträglich und stecken einen Nachbau auf derselben Fläche – im Gegensatz zu empfindlichen Kulturen wie Fenchel oder Möhren – gut weg, doch diese Genügsamkeit kann in der Praxis zur Falle werden.
Denn wie bei anderen Gemüsen auch können sich spezialisierte Krankheitserreger und Schädlinge im Boden anreichern. Um den Standort gesund zu erhalten, sollten Sie nach der Saison unbedingt alle Reste erkrankter Pflanzen inklusive der Wurzeln entfernen. Da der Boden zudem einseitig ausgelaugt wird, bleibt ein Beetwechsel alle paar Jahre die sicherste Strategie. Im Gewächshaus können Sie alternativ einen Erdaustausch von 30 bis 40 Zentimetern Tiefe vornehmen.
Tägliches Gießen gilt vielen als Garant für satte Ernten. Doch das ständige Nachhelfen mit kleinen Schlückchen führt dazu, dass die Pflanzen abhängig bleiben und keine tiefreichenden Wurzeln bilden, um sich selbst zu versorgen. Daher gilt: Wenn Sie gelegentlich kräftig gießen, schlägt es das tägliche Tröpfeln um Längen. Was zunächst als Erziehung beginnt, wird später zur Qualitätsstrategie für das Aroma.


Digging Deeper: Osmose und Aroma
Durch einen kontrollierten Wassermangel lagert die Pflanze vermehrt Zucker in ihren Zellen ein (osmotische Anpassung). Das erhöht den Brix-Wert und die Früchte schmecken intensiver. Taucht aber Blütenendfäule auf, die sich an schwarzen Flecken an der Fruchtspitze zeigt, ist die Grenze überschritten. Das von den Tomaten benötigte Calcium kann bei zu ungleichmäßiger Wasserversorgung nicht mehr ausreichend transportiert werden. In diesem Fall sollten Sie sofort auf eine gleichmäßige Bewässerung umstellen.
Im Netz kursiert der Tipp, Tomaten mit Salzwasser zu gießen. Doch das ist ein Spiel mit dem Feuer, denn Salz im Boden kehrt die osmotischen Verhältnisse um: Die Wurzeln können kaum noch Wasser aufnehmen, die Pflanze gerät unter massiven Stress. Sie produziert zwar kurzfristig mehr Antioxidantien, doch langfristig gehen die Wurzeln an der Salzkonzentration zugrunde. Zudem ruinieren Sie sich damit den Boden für Folgekulturen. Unser Tipp: Besser Finger weg!
Tomaten sind Sonnenanbeter, aber keine Wüstenpflanzen. Ab etwa 30 °C gerät die Photosynthese spürbar ins Stocken: Die Pflanze schließt ihre Spaltöffnungen, um Wasser zu sparen, nimmt weniger CO₂ auf und drosselt damit auch die Zuckerproduktion. Das wirkt sich direkt auf Wachstum und Aroma aus. Im Gewächshaus lohnt es sich deshalb, bei starker Sonne aktiv zu werden: Lüften oder schattieren Sie, wenn es heiß wird. Das bringt oft mehr für den Geschmack als jede zusätzliche Stunde pralle Sonne.


Digging Deeper: Steriler Pollen
Ab etwa 32 °C leidet die Pollenqualität deutlich. Bei längeren Hitzephasen kann der Pollen teilweise funktionsunfähig werden, die Bestäubung bleibt aus und Blüten fallen ab. Zusätzlich wird bei dauerhaft hohen Temperaturen die Bildung des roten Farbstoffs Lycopin gehemmt. Die Früchte reifen dann schlechter aus und bleiben aromatisch oft hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Stellen Sie sich vor, Sie beißen in ein knackiges Radieschen oder reiben frischen Meerrettich. Die Nase brennt, die Augen tränen. Was wir mitunter als kulinarisch grenzwertig verbuchen, ist für die Pflanze eine überlebenswichtige Verteidigung: ein chemischer Schutzwall. Dabei ist diese Schärfe kein fixer Wert, den man mit dem Saatguttütchen einkauft. Sie ist das Ergebnis aus Standort, Stressfaktoren und reaktionsstarker Chemie.
Pflanzen können bei Gefahr nicht weglaufen. Während andere Pflanzenfamilien auf Dornen oder Bitterstoffe zur Abwehr setzen, haben Kreuzblütler wie Kohl, Rettich, Rucola oder Radieschen ein System entwickelt, das erst im Moment des Angriffs scharfschaltet.
Dahinter steckt ein Depot-Prinzip: In den Pflanzenzellen lagern Senfölglycoside und ihr chemischer Auslöser, das Enzym Myrosinase, in getrennten Kammern. Solange die Pflanze unversehrt ist, passiert gar nichts. Erst wenn eine Raupe zubeißt oder wenn Sie das Messer ansetzen, vermischen sich die Komponenten durch die zerstörten Zellwände. Erst jetzt entstehen die beißenden Stoffe, die sogenannten Isothiocyanate. Für viele Schädlinge ist das das Signal zum sofortigen Abzug. Manche Spezialisten aber, wie etwa der Kohlweißling, haben sich evolutionär angepasst und interpretieren den Warnschuss der Pflanze als Einladung zum großen Fressen.

Radieschen derselben Sorte können im milden Mai angenehm würzig und im heißen Hochsommer fast ungenießbar scharf sein. Das liegt an der physiologischen Reaktion der Pflanze auf äußere Reize.
Trockenheit und hohe Temperaturen sind für die Pflanze ein Doppelstress: Jedes Blatt wird kostbar, eine Regeneration ist in dieser Situation kaum möglich. Die Pflanze reagiert, indem sie ihr Abwehrsystem hochfährt und mehr Senfölglycoside produziert. Deshalb schmeckt dasselbe Radieschen im heißen August anders als im noch kühlen Mai. Wer es milder mag, sorgt für gleichmäßige Feuchtigkeit und halbschattige Standorte.
Da Senföle chemisch auf Schwefel basieren, ist eine Versorgung mit organischem Material wie Kompost oder Mist entscheidend. Der Schwefel steckt dort in organischen Verbindungen und wird von der Pflanze nach dem Abbau durch Bodenorganismen aufgenommen. Ohne diesen Baustoff bleibt die Pflanze zahm.

Warum Senföl in die Nase steigt
Die Schärfe von Senfölen spielt in einer anderen Liga als die einer Chili. Während Chilis Schmerzrezeptoren auf der Zunge befeuern, sind Senföle flüchtig. Schon beim Kauen verdampfen sie und steigen über den Rachenraum direkt in die Nasenhöhle auf – deshalb spüren wir den Effekt so unmittelbar im Kopf. Die Senföle aktivieren dort Rezeptoren, die auf Kältereize und chemische Reizstoffe reagieren. Das Gehirn interpretiert diesen plötzlichen Reiz als stechenden Warnschmerz, der den „Angreifer" sofort zum Innehalten zwingt.
Im Öko-Landbau nutzt man diesen Effekt als biologische Bodenkur. Pflanzen wie Ackersenf, Ölrettich oder winterharte Kressearten werden dafür im blühenden Zustand gehäckselt – dann ist die Biomasse am größten und der Gehalt an Senfölglycosiden am höchsten – und sofort untergegraben. Durch das Häckseln werden die Zellwände zerstört, die Senfölglycoside reagieren und setzen Isothiocyanate direkt im Erdreich frei. Dort hemmen diese die Ausbreitung von Krankheitserregern und schützen die folgenden Kulturen vor Wurzelparasiten. Wer diese Pflanzen als Gründüngung nutzt, betreibt daher aktive Bodenhygiene.
Was im Boden als biologische Kur funktioniert, lässt sich auf die Ernährung übertragen. Senföle entfalten ihre Wirkung auch in unseren Schleimhäuten. Nach dem Essen werden sie über die Atemwege wieder abgegeben und wirken dort weiter. Sie verändern das Milieu so, dass es für Keime weniger günstig ist. Bei einer aufziehenden Erkältung wird eine Portion Meerrettich daher oft als traditionelles Mittel genutzt, um das System zu unterstützen.

Digging Deeper: Schutz auf Zellebene
In der Medizin steht vor allem Sulforaphan im Fokus, ein Isothiocyanat, das besonders konzentriert in Brokkolisprossen vorkommt – aber auch in ausgewachsenem Brokkoli, anderen Kohlarten und Radieschen. Es gibt Hinweise darauf, dass es körpereigene Entgiftungsprozesse unterstützen kann. Daher empfehlen Ernährungsmediziner, nach dem Schneiden des Gemüses etwa 30 Minuten zu warten, bevor es erhitzt wird. So kann Myrosinase die Wirkstoffe vorab umwandeln, bevor die Hitze das Enzym inaktiviert.
Erfahrene Biogärtner pflanzen Meerrettich seit Generationen unter Obstbäume – als natürlichen Schutz vor Pilzerkrankungen wie Monilia. Der Meerrettich wirkt dabei als biologischer Boden-Stabilisator, der durch seine tiefen Wurzeln und spezifischen Wurzelausscheidungen ein Milieu fördert, in dem sich Schaderreger weniger wohlfühlen.
Für einen milden Geschmack sollten scharfe Kreuzblütler – allen voran Radieschen, Rettich und Rucola – am frühen Morgen geerntet werden. Dann sind die Zellen prall mit Wasser gefüllt, was die Schärfe spürbar abmildert.
Am meisten profitieren Sie von Senföl-Gewächsen, wenn Sie sie roh genießen. Zwar lässt sich ein Teil der Wirkstoffe durch die „Warte-Methode“ (30 Minuten vor dem Garen schneiden) retten, doch die volle Intensität der Senföle bleibt in der Rohkost am besten erhalten.


Mit schwarzen oder grünen Tierchen übersäte junge Triebe, Blätter, Blütenstiele oder Fruchtansätze – hier macht sich jemand über den süßen Pflanzensaft her! Für viele Gärtner:innen ist das zunächst ein alarmierender Anblick. Doch in der Natur hat jedes Lebewesen seine Aufgabe, und in einem funktionierenden Ökosystem sind die natürlichen Gegenspieler meist nicht weit entfernt. Der Begriff „Schädling“ beschreibt vor allem eine menschliche Sichtweise und eine moralische Bewertung. Nun ist ein Garten natürlich kein unberührter Naturraum, sondern ein vom Menschen gestaltetes und kultiviertes Stück Land. Wir greifen ein, pflanzen, ernten, lenken und fördern bestimmte Pflanzen. Trotzdem kann auch hier eine Balance zwischen den verschiedenen Lebewesen entstehen, in der einzelne Arten nicht überhandnehmen und zur „Plage“ werden.
Der Marienkäfer wird im Volksmund nicht umsonst auch „Läusefresser“ oder „Blattlauskäfer“ genannt. Doch tatsächlich steckt hinter dem kleinen Glücksbringer eine Vielzahl von Arten: In Deutschland leben rund 80 Marienkäferarten, mit teils unterschiedlichen Nahrungsvorlieben. Während der bekannte Siebenpunkt-Marienkäfer vor allem Blattläuse frisst, ernähren sich andere Arten von Schildläusen, Spinnmilben oder sogar von Mehltaupilzen. Die eigentliche „Arbeit“ im Garten leisten allerdings häufig die Larven. Sie wirken auf den ersten Blick unscheinbar, sind aber ausgesprochen gefräßig und vertilgen während ihrer Entwicklung mehrere hundert Blattläuse. Der Marienkäfer ist jedoch längst nicht allein: Auch die Larven von Schweb- und Florfliegen, Schlupfwespen, Ohrwürmer, Raubwanzen, Spinnen und viele Vögel tragen dazu bei, Blattlauspopulationen auf natürliche Weise im Gleichgewicht zu halten.
Marienkäfer und andere Nützlinge brauchen mehr als nur Beute. Damit sie sich dauerhaft im Garten ansiedeln können, benötigen sie geschützte Rückzugsorte, Nahrung und geeignete Überwinterungsquartiere. Ein naturnaher Biogarten lebt deshalb von Strukturvielfalt: Hecken, Gehölze und Staudenbeete bieten Schutz; Laubschichten, Totholz, Reisighaufen oder bewusst ungemähte Bereiche schaffen wichtige Lebensräume. Gerade die etwas „wilderen“ Ecken im Garten sind für viele Nützlinge von großer Bedeutung.
Im Gewächshaus können Nützlinge auch gezielt ausgesetzt werden


Der Asiatische oder Harlekin-Marienkäfer (Harmonia axyridis) stammt ursprünglich aus Ostasien und wurde seit den 1980er Jahren gezielt zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Der Grund dafür liegt in seinem enormen Appetit: Im Vergleich zu heimischen Marienkäferarten vertilgt er deutlich größere Mengen an Blattläusen und vermehrt sich außerdem besonders schnell. Aus Gewächshäusern entkamen jedoch immer wieder Tiere, sodass sich der Käfer inzwischen auch in Europa stark ausgebreitet hat. Ökologisch wird der Harlekin-Marienkäfer unterschiedlich bewertet. Einerseits gilt er als ausgesprochen effizienter Nützling, da er große Mengen an Blattläusen, Schildläusen oder Spinnmilben frisst. Andererseits zählt er zu den invasiven Arten und steht im Verdacht, heimische Marienkäferarten zurückzudrängen, weil er konkurrenzstark ist und sich rasch vermehrt. Zudem sucht er im Herbst häufig geschützte Winterquartiere in Häusern oder Wohnungen auf, wo er in größerer Zahl unangenehm werden kann. Seine Ausbreitung zeigt, wie komplex biologische Zusammenhänge sein können und dass das Eingreifen in natürliche Gleichgewichte langfristige Folgen haben kann.
Der Asiatische Marienkäfer tritt in vielen sogenannten „Farbmorphen“ auf. Das bedeutet: Die einzelnen Käfer können trotz gleicher Art sehr unterschiedlich aussehen. Mal sind die Flügeldecken orange, mal rot, manchmal sogar schwarz. Häufig tragen sie 19 Punkte, es kommen jedoch auch viele andere Punktzahlen vor (nur nicht sieben Punkte). Ein hilfreiches Merkmal zur Bestimmung ist das Halsschild, also der vordere Bereich hinter dem Kopf. Dort zeigt der Asiatische Marienkäfer meist eine markante Zeichnung in Form eines „W“ beziehungsweise „M“. Wer den Asiatischen Marienkäfer sicher von heimischen Arten wie dem Siebenpunkt- oder Zweipunkt-Marienkäfer unterscheiden möchte, kann ihn vorsichtig auf den Rücken drehen: Beim Asiatischen Marienkäfer sind Bauchseite und Beine orangegelb gefärbt, bei anderen schwarz. Ganz schön verwirrend! Hier eine grobe Bestimmungshilfe:


Nützlingsförderung ist keine Sofortmaßnahme, sondern ein Prozess, der Zeit braucht. Oft steigen die Läusezahlen zunächst an, bevor sich nach und nach ein natürliches Gleichgewicht einstellt. Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen und Co. reagieren zeitverzögert auf das vorhandene Nahrungsangebot, erst dann nehmen auch ihre Populationen zu. Ein lebendiger, stabiler Garten zeichnet sich daher nicht durch völlige Schädlingsfreiheit aus, sondern durch ein dynamisches Gleichgewicht. Ebenso wichtig ist der Blick auf die Pflanzen selbst: Häufig werden vor allem geschwächte oder gestresste Pflanzen stärker befallen. Die beste Schädlingsvorsorge beginnt deshalb lange vor dem ersten Befall: mit einer standortgerechten Sortenwahl (passend zu Boden- und Klimabedingungen), einer ausgewogenen Versorgung mit Licht, Wasser und Nährstoffen. Ausreichende Pflanzabstände fördern die Durchlüftung, Mischkulturen mit „guten Nachbarn“ stärken das ökologische Gleichgewicht zusätzlich.




Felsige Hänge, alpine Landschaften und trockene, sonnige Standorte mit magerem Boden: ein Steingarten orientiert sich an natürlichen Vorbildern. Besonders gut eignet er sich für Gärten mit viel Sonne, Hanglagen (am besten nach Süden oder Südwesten ausgerichtet) und für Bereiche mit trockenem, nährstoffarmem Boden.
Gerade dort, wo klassische Staudenbeete im Sommer schnell austrocknen, zeigt der Steingarten seine Stärken: Aus vermeintlich schwierigen Bedingungen entsteht ein naturnaher, klimatauglicher Garten mit besonderem Charakter.
Ein ökologischer Steingarten lebt von seiner Vielfalt an Strukturen. Zwischen größeren Steinen entstehen ganz unterschiedliche kleine Lebensräume: sonnige, aufgeheizte Bereiche, kühle Felsspalten, windgeschützte Winkel oder besonders trockene Zonen. Genau diese abwechslungsreichen Bedingungen machen ihn für viele Tiere wertvoll. Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge finden hier Nahrung an blütenreichen Stauden, Eidechsen sonnen sich auf den warmen Steinen, Spinnen, Käfer und andere Kleintiere ziehen sich in Fugen und Hohlräume zurück. Der Wasserhaushalt spielt dabei eine Schlüsselrolle: Staunässe ist problematisch, gezielte Trockenheit dagegen erwünscht. Entsprechend wird der Boden nicht verbessert, sondern oft bewusst abgemagert, z. B. durch das Einarbeiten von Sand, Splitt oder feinem Schotter.

Die Bepflanzung entscheidet darüber, ob ein Steingarten lebendig wird oder kahl bleibt. Geeignet sind vor allem trockenheitsverträgliche, robuste Arten, die mit wenig Nährstoffen auskommen und sonnige Bedingungen lieben. Besonders harmonisch wirkt es, wenn verschiedene Wuchsformen miteinander kombiniert werden.
Niedrig wachsende Kräuter wie Thymian, Oregano, Bergbohnenkraut, Gyroskraut, Currykraut oder Olivenkraut begrünen offene Bereiche zwischen den Steinen und verströmen an warmen Tagen intensive Düfte.
Lockere, trockenheitsverträgliche Gräser bringen Bewegung und Leichtigkeit in die Pflanzung.
Blühende Pflanzen wie Gras-Nelke, Katzenminze, Edelweiß, Kretischer oder Bulgarischer Bergtee, Natternkopf, Ysop, Lavendel, Färberkamille, Duftsteinrich und Schleierkraut setzen farbige Akzente und bieten über viele Wochen Nahrung für Insekten.
Struktur und Höhe verleihen (Halb-)Sträucher wie Rosmarin, Salbei, Rosmarin-Weide, Blauraute, Gamander und Heiligenkraut. Ergänzend lassen sich auch sukkulente Pflanzen wie Hauswurzen, Mauerpfeffer oder Fetthennen integrieren, die selbst längere Trockenphasen gut überstehen.
Auch Blumenzwiebeln wie Blaustern, Frühlingsanemonen, Krokusse, Schneeglöckchen, Traubenhyazinthen und Wildtulpen passen gut in einen Steingarten und sorgen früh im Jahr für Blüten und erste Nahrung für Insekten.
In der Anfangszeit sollten die neu gepflanzten Pflanzen regelmäßig gegossen werden, bis sie angewachsen sind. Beikraut sollte möglichst früh entfernt werden. Später genügt es, ab und zu zu jäten. Auf Mulchen lieber verzichten, damit Bodenstellen offenbleiben und keine zusätzlichen Nährstoffe eingetragen werden. Die Pflanzen werden zurückhaltend beschnitten, außer wenn sich konkurrenzstarke Arten zu sehr ausbreiten und zartere Pflanzen zu verdrängen drohen.
Steingärten und Kräuterbeete passen hervorragend zusammen. Viele mediterrane Kräuter stammen ursprünglich aus trockenen, steinigen Regionen und fühlen sich auf warmen, gut drainierten Böden besonders wohl. Sie bleiben kompakter, langlebiger und aromatischer, wenn der Boden eher mager bleibt. Neben den klassischen mediterranen Küchenkräutern sorgen diese besonderen Arten für Abwechslung, neue Düfte und spannende Aromen im Beet und auf dem Teller:


Das Currykraut fällt mit seinen silbrig-grauen, feinen Blättern und den leuchtend gelben Blüten von Juli bis September auf. Die aromatischen Triebe duften intensiv nach Curry-Würzmischung und eignen sich besonders gut zum Mitgaren in Reis-, Gemüse- oder mediterranen Gerichten. Da die Pflanze empfindlich auf stärkeren Frost reagiert, empfiehlt sich ein guter Winterschutz.

Gyroskraut wächst dicht und teppichartig und ist deshalb auch unter dem Namen „Teppich-Beifuß“ bekannt. Die aromatischen Blätter erinnern geschmacklich an die typische Gyros-Würzung und passen frisch oder getrocknet gut zu Kartoffeln, Gemüse, Pizza oder Pasta. Damit die Pflanze gut durch den Winter kommt, sollte sie in kalten Regionen geschützt werden.

Das Olivenkraut ist ein immergrüner Halbstrauch mit feinem, schmalem Laub und einem Aroma, das an grüne Oliven erinnert. Von Juni bis August schmückt es sich mit kleinen gelben Blüten. Die frischen Triebe eignen sich, sparsam verwendet, hervorragend zum Würzen mediterraner Gerichte, Salate oder Antipasti. Im Winter sollte die Pflanze vor starkem Frost geschützt werden.

Trockenmauern zählen zu den wertvollsten Elementen eines ökologischen Steingartens. Sie verleihen der Gestaltung räumliche Tiefe und schaffen zusätzliche vertikale Strukturen. Je nach Gartensituation können sie freistehend oder als Stützmauer an Hängen angelegt werden. Auch im traditionellen Weinbau spielten Trockenmauern lange eine wichtige Rolle, da sie Wärme speichern und ein besonders günstiges Mikroklima entstehen lassen.
Das Besondere an dieser Art von Mauern ist das Aufschichten ohne Mörtel. Die Stabilität entsteht allein durch das Gewicht der Steine und ihre geschickte Anordnung. Manchmal wird auch der Name „Klaubsteinmauerwerk“ benutzt, denn für den Bau verwendet man am besten möglichst regionale Natursteine. Geeignet sind aber auch alte Ziegelsteine. Wichtig ist ein gut drainiertes, ca. 30 cm tiefes Fundament aus Schotter, damit sich keine Staunässe bildet. Begonnen wird am besten mit den größten Steinen im unteren Bereich; nach oben hin werden nach und nach kleinere Steine verwendet. Die Zwischenräume im Inneren der freistehenden Mauer werden mit kleineren Steinen, Kies oder Schotter aufgefüllt, bei einer Hangmauer gilt dies entsprechend für den hinteren Bereich.
Bald wird die Trockenmauer von Leben erfüllt: Pflanzen wie der Mauerpfeffer, die mit nur wenig Erde auskommen, siedeln sich in den Fugen an oder werden gezielt gesetzt und begrünen die Mauer mit der Zeit auf natürliche Weise. Im unteren, länger feuchten Bereich finden Molche, Kröten, Salamander und Schnecken Schutz vor Sonne und Trockenheit. In den Spalten und Hohlräumen entstehen zudem wertvolle Lebensräume für Wildbienen, Käfer, Wespen, Spinnen und viele andere Kleintiere. Besonders Eidechsen und Blindschleichen schätzen die warmen Steinflächen als Sonnen- und Rückzugsorte, denn die Steine speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts langsam wieder ab.


GESCHÜTZT:
FREILAND:
AB MITTE DES MONATS:

PFLANZENSCHUTZ:
