Der Biogarten im Juni


Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah,
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Liebe Gartenfreundinnen und Gartenfreunde,

der Juni beschert uns die längsten Tage, die wir am liebsten draußen verbringen. Die Natur wirkt wie ein unsichtbarer Magnet und die Parks sind voller Menschen. Es wird gelacht, gegrillt und Federball gespielt. Auch Sommerkinos laden wieder zu langen Filmabenden ein. Das satte Leben findet draußen statt … und bietet Inspiration und Austausch. Gärtnerinnen und Gärtner öffnen ihre Pforten oder besuchen Gleichgesinnte. Alles wächst und gedeiht und hoffentlich werden auch viele neue Freundschaften geschlossen.

Wir wünschen Ihnen den längsten Juni … Ihr Team vom Hof Jeebel

Gartengespräche im Juni
Bohnen im Juni aussäen


Ein Loblied auf die Hülsenfrüchte

Ein Loblied auf die Hülsenfrüchte

Erbsen, Bohnen, Linsen … Sie kommen so unscheinbar daher, dass ihr wahrer Wert nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Selbst im Märchen „Hans und die Bohnenranke“ wurde ein Tauschhandel mit Bohnen als schlecht angesehen. Tatsächlich sind Hülsenfrüchte perfekt geschnürte Eiweißpakete. Der Speiseplan für die Zukunft – die „Planetary Health Diet“ vom Bundeszentrum für Ernährung – empfiehlt 75 g Hülsenfrüchte pro Tag. Das ergibt einen Jahresverbrauch von ca. 27 kg. Aktuell liegt der durchschnittliche Verbrauch bei 2 kg pro Kopf und Jahr. Hier ist also noch viel Spielraum nach oben. Dabei sind Hülsenfrüchte zum einen als sättigende Proteinbombe eine gute Alternative zu Fleisch und zum anderen ein wertvolles Gemüse für den eigenen Anbau im Garten. 

Bohnen binden Stickstoff

Die Vorteile von Hülsenfrüchten für die Landwirtschaft und das Klima liegen auf der Hand:

  • Sie binden Stickstoff aus der Luft.
  • Der Bedarf an Stickstoffdünger ist minimal.
  • Die Bodenfruchtbarkeit wird verbessert.
  • Ihr Wasseranspruch ist mäßig.
  • Die Pflanzen dienen als Insektennahrung.
  • Hülsenfrüchte fördern die Vielfalt von Mikroorganismen und Regenwürmern.
Hülsenfrüchte liefern uns Eiweiß und mehr

Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Hülsenfrüchte sehr nährstoffreich. Sie liefern uns Eiweiß (Proteine), Ballaststoffe, Vitamine (B1, B6, Folat – ein wasserlösliches Vitamin) und Mineralstoffe (Eisen, Magnesium und Zink). Außerdem sind die kleinen Kraftpakete, wenn sie trocken und lichtgeschützt gelagert werden, sehr lange haltbar.

Aussaattermine je Bohnen-Sorte

Wer erst jetzt auf den Geschmack kommt, kann beruhigt sein. Im Juni ist noch genügend Zeit, um Hülsenfrüchte auszusäen. 

Aussaattermine je Sorte: 

  • Auskern- und Trockenbohnen: bis Ende Juni
  • Buschbohnen: Mitte bis Ende Juli*
  • Gemüse-Soja: bis Mitte Juni
  • Spaghettibohnen: bis Ende Juni
  • Stangen- und Feuerbohnen: bis Ende Juni

* Bis Ende Juli können einige schnellwachsende Buschbohnen wie Creso, Borlotto, Cupidon, Dr. Becker Nr. 18, Fla Deux, La Victoire und das Buschbohnentrio gesät werden.

Nutzen Sie jede freigewordene Lücke, um einen Bohnenhorst anzulegen. Sie sind sehr verträgliche Nachbarn und passen zu Bohnenkraut, Gurken, Kohl, Mangold, Salat, Sellerie, Spinat und Tomaten. Sogar als Trio mit Mais und Kürbis hat sich diese Nachbarschaft einen Namen gemacht: Maya-Mix.

Wer Platz hat, sät Buschbohnen am besten in Reihen aus, wobei alle 5 bis 10 cm ein Samen in eine Saatrille von etwa 3 cm Tiefe gelegt wird. Um die Keimung zu beschleunigen, können die Samen vor der Aussaat über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Dadurch verkürzt sich die Keimdauer um einige Tage. 

Maya-Mix: Kürbis, Mais und Bohnen
Aussaat im Juni


Aussaat im Juni

Aussaaten gießen im Juni

Die Aussaat im Hochsommer birgt immer die Gefahr des Austrocknens, denn die kleinen Sämlinge müssen stets feucht gehalten werden. Auf sandigen Böden ist das besonders schwer. Helfen kann eine zarte Mulchschicht links und rechts neben der Aussaatrinne. Auch eine Beschattung der Aussaaten ist hilfreich. Wie hier im Beispiel zu sehen ist, schützen wir unsere Möhrensaaten nicht nur vor der Junisonne, sondern gleichzeitig vor der Möhrenfliege. Man kann einfach durch das Insektenschutznetz hindurchgießen und muss nur zum Unkrautjäten das Schutzzelt entfernen. 


Tipp von Marita, Teamleiterin Saatgut:

Aussaat im Schneckenkragen mit Treibhausdeckel

Marita sät gerne in Schneckenkragen aus. So kommt das Gießwasser gezielt beim Saatgut an. Am Abend schützt sie alles mit einem Treibhausdeckel, den sie am nächsten Morgen wieder entfernt. Sonst würde es darunter schnell zu heiß werden.


Brennnesseljauche


Ein Strauß Brennnesseln

Ein Strauß Brennnesseln

Wer einen Strauß Brennnesseln verschenkt, muss sich absolut sicher sein, dass er für eine gute Gartenfreundin ist, die dieses Kraut wirklich zu schätzen weiß. Brennnesseln liefern Stickstoff und Kalium frei Haus. Perfekt für den Biogarten und so einfach zu beschaffen. Ernten Sie aber niemals die komplette Pflanze, da sie Futterpflanze für viele Schmetterlingsraupen, wie z. B. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, C-Falter, Landkärtchen und Admiral, ist.

Dünger herstellen

 

EIGENEN DÜNGER HERSTELLEN:

Brennnesseljauche ist ein altbewährtes Hausmittel im Garten und kann nicht nur als Biodünger für Gemüse, sondern auch als chemiefreies Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet werden. Die Jauche können Sie ganz einfach selbst herstellen. 

Man nimmt etwa 1 kg Brennnesseln auf 10 l Wasser und lässt die Mischung in einem Holz- oder Kunststoffbottich gären. Das Ganze muss täglich umgerührt werden. Wie lange die Brennnesseln im Wasser ziehen, hängt vom Verwendungszweck der Brennnesseljauche ab.


Anwendungsgebiete von Brennnesseljauche:

  • max. 1 Tag (unverdünnt): Spritzmittel bei geringem Blattlausbefall
  • ca. 4 Tage (1:50 verdünnt): Spritzmittel gegen Spinnmilben und Blattläuse
  • 2–3 Wochen (1:10 verdünnt): optimaler Flüssigdünger
Brennnesseljauche herstellen

Wann ist der richtige Zeitpunkt, das Gemüse mit Brennnesseljauche bzw. Stickstoff zu düngen?

1. Stark bedürftige Pflanzen

Blumenkohl

> ca. 3 Wochen nach Pflanzung 

> zu Beginn des Blumenansatzes

Chinakohl

> wenn 4 Blätter gebildet sind 

> bei Beginn der Kopfbildung

Kopfkohl

> ca. 3 Wochen nach Pflanzung 

> wenn sich Herzblätter zum Kopf schließen

Kürbis + Zucchini 

> Mitte Juni

> nach Fruchtansatz

 

2. Mäßig bedürftige Pflanzen

Dicke Bohne

> zu Beginn des Hülsenansatzes

Grünkohl

> etwa 4 Wochen nach Pflanzung 

> zu Beginn des Blumenansatzes

Gurke

> Mitte Juni

> nach Fruchtansatz

Kohlrabi

> zu Beginn des Knollenansatzes

Möhre

> wenn 4–5 Blätter gewachsen sind

Rettich

> zu Beginn des Knollenansatzes

Rote Bete

> zu Beginn der Rübenbildung

Stangenbohne

> zu Beginn des Hülsenansatzes

Tomate

> nach Ausbildung des 5 Blütenstandes

> im Juli






ARBEITEN
Arbeiten im Juni

- wässern und jäten
- Erde zwischen Gemüsereihen lockern
- Aussaaten vereinzeln und umsetzen
- Kartoffeln häufeln, ebenso Möhren, Kohl, Zwiebeln, Erbsen leicht häufeln
- leer werdende Beete nachpflanzen oder mit Gründünger versorgen
- nassen Mulch zwischen größeren Pflanzen verteilen
- trockenes Stroh unter Erdbeeren ausbreiten
- erstes Obst einkochen (Rhabarber, Erdbeeren, Johannisbeeren)
- Ansetzen und Gießen oder Sprühen von Pflanzenjauchen zur Stärkung
- Töpfe und Container flüssig düngen
- Starkzehrer gegebenenfalls flüssig düngen (Tomaten, Kürbis, Mais, Kohl)
- Tomaten, Paprika, Auberginen stützen und festbinden
- Rankpflanzen (Brombeeren, Wein, Rosen, Kiwis) anbinden und hochleiten
- Triebe kürzen (bei Wein und Melonen)
- bei Äpfeln eventuell Fruchtbehang ausdünnen

PFLANZENSCHUTZ:
- kranke Triebe ausschneiden
- Läuse und Schnecken bekämpfen
- Wühlmauskontrolle
- Vogel- und Insektenschutznetze auflegen


ERNTE
Was kann man im Juni ernten?

Frühe Möhren, Radieschen, Rettiche, Mairüben, Lauchzwiebeln, Winter-Knoblauch

Kohlrabi, Salate, Mangold, Spargel

Dicke Bohnen

Küchen- und Teekräuter wie Zitronenmelisse, Minze, Oregano, Thymian, Basilikum

Rhabarber

Erdbeeren, Johannisbeeren, Sibirische Blaubeeren

frühe Kirschen

Blumen-Sträuße