Der Biogarten im Juni


„Biogarten

„Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert,
denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.“
(Johann Wolfgang von Goethe)


Liebe Kundinnen und Kunden,

in diesem Frühjahr war alles anders als sonst. Vieles von dem, was wir üblicherweise machen, war mehr oder weniger unmöglich. Manche mussten Überstunden und Nachtschichten leisten, anderen blieb nicht anderes übrig, als ihre Veranstaltungen abzusagen, sowohl Restaurants als auch Hotels konnten gar nicht öffnen und bangen um ihre Zukunft. Wir wünschen Ihnen, dass die Folgen des Shutdowns für Sie und Ihre Lieben erträglich sind. Oder sogar für irgendetwas gut sind.

Gärtnern ist ein schönes und wirklich harmloses Hobby, und viele Menschen hatten in den letzten Monaten viel Zeit dafür. Uns als Versand hat das viele zusätzliche Bestellungen beschert, so dass die Lieferzeiten teilweise leider sehr lang wurden. Wir haben daher auf die Newsletter im April und Mai verzichtet und unsere Arbeitskraft stattdessen auf die Bearbeitung der eingehenden Bestellungen und Anfragen konzentriert. Wir hoffen, dass ein gutes Gartenbuch, die Pflanzanleitungen auf unserer Internetseite oder einfach Ihr Bauchgefühl Sie in der Zwischenzeit gut beraten haben.

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team

LÜCKEN FÜLLEN

Im Juni ist der erste Schwung Gemüse schon durch. Kresse, Radieschen, frische Wildkräuter und Spinat haben uns den Frühling versüßt. Jetzt werden einzelne Reihen und Beete für neue kulinarische Genüsse oder eine bunte Bienenweide frei.

Wenn Sie Gemüsejungpflanzen gekauft oder selbst vorgezogen haben, haben diese natürlich die erste Platzwahl: Rosenkohl und Grünkohl pflanzt man zweireihig mit 40 bis 50 cm Reihenabstand in ein gut gedüngtes Beet. Kohl müssen Sie tief und fest einsetzen, damit er stabil steht. Salatpflänzchen finden in Reihen mit 30 cm Abstand oder irgendwo zwischendrin ihren Platz. Rote Bete, Mangold und Neuseeländer Spinat lassen sich noch auf einen guten Abstand von etwa 8 bis 10 cm in der Reihe verpflanzen. Jede Pflanze, die im Juni ihren endgültigen, ausreichend großen Platz erhält, kann im Mittsommerlicht richtig loslegen und zum Prachtexemplar heranreifen.

Auch an Direktsaaten aus der Samentüte ins Beet gibt es jetzt noch eine große Auswahl: Zarte Buschbohnen, Fenchel, der zweite Satz Salatgurken und schnell wachsende Möhrchen wie Milan oder Nantaise 2 füllen dann im Spätsommer die Küche. Auch Zuckererbsen, Mangold und Rettich haben in den kommenden Sommermonaten noch genug Zeit zum Reifen, und würzige Küchenkräuter wie Dill, Petersilie und Basilikum liefern, jetzt direkt ins Beet gesät, zarten grünen Nachschub. Doch vor allem ist der Juni noch einmal die Zeit für Salate und Kohl: Romanasalat, die wohl leckerste und süßeste Sortengruppe der Lactuca sativa, gilt zwar als weniger schossfest als die gängigen Sommerkopfsalate, kann aber im Hausgarten durchaus in den langen Sommertagen angebaut werden. Auch die wunderbaren Kopfsalate Merveille des Quatre Saisons und, für etwas schwerere Böden geeignet, der gute alte Laibacher Eis lassen sich neben anderen guten Sorten als Sommersalate verwenden. Aus Südeuropa kommt die hitzetolerante Bataviasorte Maravilla de Verano. Im Juni wird es außerdem schon Zeit für die Aussaat von Endivien, die nach einer langsamen Entwicklung bis zum Herbst für deftigere und festere frische Rohkost aus dem Garten sorgen.

Für die Zeit im Spätsommer und bis in den Winter hinein lässt sich jetzt noch nahrhafter Kohl aussäen. Allen voran der Grünkohl, der unkomplizierteste und am besten angepasste Kohl. Er ist keimfreudig, lässt sich gut verpflanzen und nach Bedarf Blatt für Blatt ernten. Doch auch die etwas feineren Herrschaften wie Broccoli und Blumenkohl ergeben, jetzt gesät und bald auf 40 x 40 cm verpflanzt, eine leckere Spätsommerernte. Wer einfach nur Kohlblättchen zum Dünsten wie Spinat braucht und mal was hübsches Neues ausprobieren möchte, sollte den Abessinischen Kohl wählen. Er wird unter sommerlichen Bedingungen in etwa ein bis zwei Monaten erntereif.

VERSORGUNG IM JUNI/NACHGEFÜTTERT

In hellen und warmen Zeiten ist für Pflanzen eine optimale Versorgung besonders wichtig: Nummer eins bleibt das Wasser. Auch wenn die Entscheidung manchmal schwerfällt, noch ein paar Kannen mehr zu schleppen oder abends nochmal loszuziehen in den Schrebergarten: Tatsächlich wachsen gut gewässerte Buschbohnen doppelt so hoch wie durstige, Möhren werden nur in feuchter Erde süß und knackig und die Wilde Rauke bleibt in Sandboden nur mit ausreichend Wasser mild genug, um wirklich lecker zu sein. Regelmäßige Bodenlockerung oder eine Mulchschicht verhindern, dass die Erde zu schnell wieder austrocknet oder durch die Beregnung verschlämmt. Je nach Bodenart kann es im Juni auch schon sinnvoll sein, nachzudüngen. Das beste Hausmittel ist nach wie vor Brennnesseljauche. Man nimmt ca. 1 kg Brennnesseln auf 10 l Wasser und lässt das Ganze ca. zwei bis drei Wochen in einem Holz- oder Kunststofffass vergären. Die Jauche sollte täglich kräftig durchgerührt werden, damit Sauerstoff hineingelangt. Aus diesem Grund darf das Fass auch keinen festen Deckel haben. Es ist jedoch wichtig, die Öffnung mit einem feinen Netz oder Sieb abzudecken, damit Vögel und Insekten nicht hineinfallen können. Etwa 1 : 10 verdünnt ist die Brennnesseljauche ein optimaler Flüssigdünger. Junge Brennnesseljauche kann bereits nach etwa vier Tagen 1 : 50 verdünnt als Spritzmittel gegen Spinnmilben und Blattläuse eingesetzt werden. Auch eine unvergorene Variante der Brennnesselbrühe wirkt gegen Blattläuse. Diese darf maximal 24 Stunden stehen und wird unverdünnt eingesetzt.

Übers Blatt wirken auch Spritzungen mit Algenpräparaten. Knotentang (Ascophyllum nodosum), eine Braunalge, wirkt durch seinen hohen Mineralstoffgehalt in einer Blattspritzung manchmal auf eine Weise, an die eine Bodendüngung nicht herankommt. Durch rechtzeitige Algen-Blattspritzungen lässt sich manche Ernährungsstörung, wie zum Beispiel die Stippe an Äpfeln, verhindern.

Die meisten Pflanzenkrankheiten, die durch Pilze hervorgerufen werden, lindert der Schachtelhalm. Die in ihm enthaltene Kieselsäure (Silizium) festigt das Gewebe. Zur Zubereitung werden Schachtelhalmwedel etwa einen Tag in Wasser eingeweicht und danach eine halbe Stunde gekocht. Spritzen Sie mit dem Sud 1 : 5 verdünnt an einem trockenen Tag die Blätter Ihrer Obstgehölze. Schachtelhalmspritzungen wiederholt man etwa alle drei Wochen. Sie sollten jeweils von einer leichten Flüssigdüngung begleitet werden.

Wenn Ihre Pflanzen offensichtliche Mängel haben, so dass die unteren Blätter gelb werden und die Pflanze mickert, dann brauchen Sie wirklich einen Dünger mit Substanz. Im Beet kann man noch einmal mit einem gekörnten Dünger wie Cuxin Tomatendünger, Phytoperls oder Rinderdung nachfüttern, diesen leicht einarbeiten und anschließend gießen. Erste Hilfe ist aber auch hier ein Flüssigdünger mit Stickstoff und Kali wie zum Beispiel Vinasse.

Denken Sie rechtzeitig daran, Ihre Tomaten ausreichend mit Kalk zu versorgen. Die durch Kalkmangel ausgelöste Blütenendfäule verursacht runde Schimmelflecken auf den Früchten. Kalk kann man auch im Gießwasser auflösen, so wirkt er am schnellsten.

Halten Sie die Augen offen. „Der beste Dünger ist der Schatten des Gärtners“: Je häufiger Sie Ihre Pflanzen anschauen, desto schneller werden Sie Mängel bemerken. Die beste Vorsorge ist immer eine angemessene Menge Kompost und Wasser, genug Platz und wenig Konkurrenz. Lassen Sie Ihren Kulturpflanzen Luft. Lockern Sie den Boden gelegentlich mit einem Grubber oder Sauzahn, es sei denn, er ist dafür zu dick gemulcht. Die Belüftung des Bodens durch Hacken oder durch Regenwürmer bewirkt ebenfalls eine Umsetzung von Nährstoffen und ersetzt so manche Düngung.

11,50 EUR / Stück

(46,00 EUR/ l)


BUNTE WIESEN

In der Kulturlandschaft entstehen artenreiche und bienenfreundliche Flächen entweder durch Aussaat oder durch entsprechende Pflege. Hiermit können Sie kleinen Lebewesen einen großen Gefallen tun.

Wer etwas Beetfläche übrig hat, sät die Bio Nützlingsweiden. Viele der enthaltenen Pflanzen werden noch dieses Jahr blühen und in der nektararmen Zeit im Spätsommer für Leben im Beet sorgen. Die mehrjährigen Arten malen im kommenden Frühjahr ein neues Bild. Klassische Gründünger wie Buchweizen und Phacelia, hochwachsende Sonnenblumen und die Küchenkräuter Dill und Borretsch sind ebenfalls dekorativ und blühen schnell. Sie bieten uns ab August eine Bienen- und Augenweide. Streuen Sie Ihre Samen gleichmäßig und in der auf der Packung angegebenen Dichte aus. Harken Sie diese nur flach ein. Wer auf kleinstem Raum gärtnert, zum Beispiel im Balkonkasten oder neben der Gartenpforte, kann auch Nützlingsweide und Gründünger in Anzuchttöpfchen vorziehen und später die hübschen Pflänzchen genau platzieren und pflegen.

Weitere wertvolle Blühpflanzen, die sich gut aussäen lassen, sind Ringelblumen und Tagetes. Beide wirken sich positiv auf die Bodengesundheit aus. An Stellen, die für mehrere Jahre begrünt werden sollen, können Sie Zitronenmelisse, Oregano, Bohnenkraut und Thymian säen und eine kleine Kräuterwiese anlegen. Auch eine ausdauernde Gründüngung mit Kleearten oder Luzerne ist für Bienen und Hummeln sehr wertvoll. Auf solchen Flächen haben aber zartere Kräuter wenig Chancen, deshalb sollte man Klee nicht in Mischungen mit konkurrenzschwachen Pflanzen aussäen.

Frische Aussaaten müssen Sie entweder konsequent feucht halten, oder Sie warten auf eine Regenphase, die genug Wasser bringt (viel Glück!). Samen, die einmal länger feucht waren, beginnen zu keimen und müssen, bis ihre Wurzeln tief genug sind, gewässert werden.

Eine ganz andere Möglichkeit, eine artenreiche Fläche zu gestalten und dabei viel zu entdecken, besteht darin, zu schauen, was von selbst kommt. Man lässt dazu die Wiese, die Brache oder das ehemalige Beet hochwachsen und mäht im Juni oder Juli einmalig mit der Sense oder einem Balkenmäher. Das Mähgut entfernt man mit der Harke von der Fläche. Durch das Ausharken bekommen Lichtkeimer wie Kräuter und Wildblumen ihre Chance. Da viele von ihnen auf nährstoffarmem Boden gedeihen, sollten Sie Ihre wilde Fläche nicht düngen. Mit der Zeit werden sich hier verschiedene Wildkräuter und Gräser etablieren und heimischen Insekten die passende Nahrung liefern.

Schauen Sie über Sommer zu, was auf Ihren bunten Flächen passiert. Ausgesäte Bienenweiden werden voraussichtlich sehr schön blühen, und auch Ihre „selbstgemachte“ Wildnis wird Sie überraschen. Beobachten Sie, was sich durchsetzt, und forschen Sie nach, was das über den Boden aussagt (Stichwort Zeigerpflanzen). Mähen Sie im Oktober oder November, wenn alles verblüht ist, zum zweiten Mal. Harken Sie immer alles Schnittgut ab. Bunte, hohe Wiesen sollte man nicht zu oft betreten. Mähen Sie lieber von vornherein einen schönen Weg. Sehr einladend sind geschwungene Pfade oder Liegeplätze mit Nahblick auf den Mikrokosmos Wiese.

Wir wünschen Ihnen, egal, wie groß oder klein Ihre Wildnis ist, ob Bienenweide oder Selbstkeimer-Experiment, viel Freude am Beobachten und Entdecken!


ARBEITEN
Ernte
- Unkraut jäten
- Beete hacken
- Kartoffeln, Möhren und Erbsen häufeln
- Erde zwischen größeren Pflanzen mulchen
- leer werdende Gemüsebeete nachsäen/nachpflanzen
- ausreichend wässern, besonders Aussaaten und Neupflanzungen
- Starkzehrer (Tomaten, Kürbis, Mais, Kohl) und Topfpflanzen flüssig düngen
- Rankpflanzen (Brombeeren, Wein, Rosen) anbinden und hochleiten
- Tomaten ausgeizen
- Triebe bei Wein und Melonen einkürzen
- bei Äpfeln evtl. Fruchtbehang ausdünnen

Pflanzenschutz:
- kranke Triebe ausschneiden
- Läuse entfernen
- Erde auf Wühlmausgänge kontrollieren

Pflanzenstärkung:
- Blattspritzungen von Schachtelhalm-, Brennnessel- und Algenpräparaten
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Salate
- Mangold
- Dicke Bohnen
- Frühlingszwiebeln
- Möhren
- Spargel
- Rucola und andere Kräuter
- Erdbeeren
- Rhabarber
- Johannisbeeren
- Sibirische Blaubeeren
- frühe Kirschen