… nicht einfach nur „Gärtnern ohne Spritzmittel“: Bio-Sorten

Sie erhalten bei uns über tausend Sorten Saatgut für Gemüse, Kräuter und Blumen sowie unzählige Pflanzkartoffelvarietäten. Wo kommen die alle her? Viele davon sind alte, überlieferte Sorten, die es irgendwo „schon immer“ gab, und die so gut sind, dass sie nicht von Neuzüchtungen verdrängt wurden. Manche wurden wiederentdeckt und weiter vermehrt, wie der „Altmärker Braunkohl“, eine lilafarbene Grünkohlsorte aus unserer Region, die dank einem Projekt der Uni Göttingen wieder erhältlich ist. Manche Sorten entstammen konventionellen Zuchtbetrieben, haben sich aber auch im Bioanbau bewährt. So die Stangenbohne Blauhilde, deren lila Schoten im grünen Blättergewirr leicht zu finden sind, sich aber beim Kochen grün färben. Sie wurde in den sechziger Jahren von der Firma Hild aus Marbach am Neckar auf den Markt gebracht und ist heute aus Balkon- und Hausgärten kaum noch wegzudenken. Aber es gibt auch Menschen, die jeden Tag daran arbeiten, uns Biogärtnerinnen und Biogärtnern und Konsumierenden noch bessere Sorten anzubieten: So ist die beliebte Tomate „Ruthje“mit dem charakteristischen Zipfel und dem herrlichen Geschmack das Ergebnis langjähriger akribischer Auslese auf einem Demeterhof bei Bremen. Die Züchterin Ulrike Behrendt arbeitet hier im Rahmen des Kultursaat e.V. für biodynamische Züchtung. (Nächstes Frühjahr gibt’s bei uns die Gurke „Helena“ als Pflanze – auch eine Behrendt-Sorte!) In Göttingen arbeitet Dr. Bernd Horneburg im ökologischen Freiland-Tomatenprojekt seit vielen Jahren daran, die robustesten und leckersten Früchte zu selektieren. Beispielsweise ist die saftige gelbe Tomatensorte „Dorada“ dieser Herkunft. Der Landwirt Karsten Ellenberg in der Lüneburger Heide hat lange dafür prozessiert, die besonders im Bioanbau beliebte Kartoffel „Linda“ wieder auf den Markt bringen zu dürfen, und nebenbei die „Rote Emmalie“ nach den Bioland-Richtlinien gezüchtet, eine der wenigen komplett rotfleischigen Kartoffeln. In den biologischen Vermehrungsbetrieben arbeiten zudem viele fleißige Hände an der Erhaltungszucht der Sorten, so dass auch wirklich jedes Jahr wieder genau der Kopfsalat „Merveille de quatre saisons“ bei den Aussaaten herauskommt und nicht plötzlich irgendein grüner Eissalat. So packen hinter den Kulissen viele Menschen an, um gutes biologisches Saat- und Pflanzgut zu schaffen. Diese Sorten sind unter Biobedingungen groß geworden und genau auf unsere Bedürfnisse im Biogarten zugeschnitten. So ist es nicht „konventionelles Gärtnern, nur ohne Spritzmittel“, sondern eine ganz eigene Herangehensweise mit viel investierter Zeit und großem Hintergrundwissen. Hierfür gebührt der biologischen Züchtungsarbeit ein großes Dankeschön!