Der Biogarten im Juli


„Biogarten

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen …

… Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß,die Zeit
überdauert sogar die Ferien …
(Erich Kästner)


Liebe Gartenbegeisterte, 

im Juli, wenn der Sommer an seinem wärmsten Punkt angekommen ist, stehen im Biogarten die Pflege- und Erntearbeiten im Vordergrund: Die Pflanzen brauchen Wasser und Platz, um guten Erträgen entgegenzuwachsen. Blumen und Rankpflanzen wollen ausgelichtet werden oder brauchen eine Stütze, und allerorten gibt es schon etwas zu pflücken. Dennoch lassen sich auch jetzt noch verschiedenste Gemüsearten aussäen, um im Herbst und Winter unsere Küche zu bereichern, und sogar für einen blütenreichen Garten lässt sich jetzt noch einiges tun …

Im Juli bieten sich die frühen, frischen Morgenstunden und die milden Abende besonders für die Gartenarbeit an. Die mittägliche Siesta hingegen sollten Sie am besten im Schatten Ihrer Obstbäume oder in der Hängematte verbringen …

Ihr Gerhard Wacha und das Hof Jeebel Team

EIN BLÜTENSOMMER

Der Sommer gehört den Blumen: Unvergesslich sind blühende Wiesen, duftende Beete und Gehölze, die von tanzenden Schmetterlingen umringt sind. Hier finden Bienen Nahrung, um den süßen Honig herstellen zu können, und wir Menschen können den Sommer tanken. Im Juli lässt sich, obwohl Hochsommer ist, auch noch so einiges tun, um rund ums Jahr Blütenfreude zu genießen und Insekten Nahrung zu bieten. Sonnenblumen, Mauretanische Malve und Ringelblumen passen portionsweise zwischen Ihr Gemüse und kommen noch in diesem Sommer zum Blühen. Auch Gründüngerpflanzen wie Phacelia und Buchweizen keimen schnell und sehen im Spätsommer wunderbar aus mit ihren weißen und lila Blüten. Serradella, Hornschotenklee und Sonnenblumen sind besonders dekorativ und verbessern den Boden.

Dauerhafte Freude und wenig Arbeit werden Ihnen gut kombinierte Staudengruppen machen. So könnten Sie beispielsweise einen sonnigen Vorgarten mit Blaunessel und hoher Fetthenne in ein buntes Schmetterlingsparadies verwandeln. Oder Sie machen einen halbschattigen Randstreifen mit Glockenblumen und Vergissmeinnicht zu einem lauschigen Ort. Setzen Sie sich duftende Stauden an Ihren Weg und streichen Sie im Vorübergehen darüber, um sich zu erfrischen. Unsere Staudenpakete sind entsprechend thematisch sortiert.

Wo noch Platz ist und Struktur benötigt wird, könnten Sie Gehölze wie die chinesische Winterblüte oder die Gold-Johannisbeere setzen, die uns schon ganz früh im Jahr mit ihren Blüten erfreuen. Für eine zartlila Blüte im Juli und August pflanzen Sie den dekorativen Liebesperlenbaum, der bis in den Winter lila Beeren trägt. Unübertroffen in seiner Attraktivität für Schmetterlinge ist die Buddleja, die deshalb auch Schmetterlingsflieder genannt wird und sich jährlich im Frühjahr gut zurückschneiden lässt. Um an Straßen oder im Hof noch einen charaktervollen Lebensraum zu schaffen, empfehlen wir besonders die mit der Vogelbeere verwandten Sorbus-Arten wie Mehlbeere und Elsbeere. Die Blüten und später die Beeren bieten zahlreichen Insekten und Singvögeln Nahrung, und die Bäume werfen über Sommer angenehmen, lichten Schatten.

AUF RADTOUR DURCH DEN GARTEN

Marktgärtnereien, „solidarische Landwirtschaften“ und andere kleine Gärtnerhöfe sind seit einiger Zeit wieder auf dem Vormarsch. Diese Höfe fördern eine kleinräumige ökologische Nutzung des Landes und bringen gutes Gemüse direkt zu den Menschen. Aber wie schaffen es diese Gärtnerinnen und Gärtner, auf 1 bis 2 ha Gemüseland so viel Nahrung anzubauen, und das ohne große Maschinen?

Auf so manchem Video zu diesem Thema ist sie zu sehen: die Radhacke. Eine Radhacke besteht immer aus einer Art Fahrradlenker, an dem man schiebt, einem Anbaugerät, also zum Beispiel einem Hackmesser, und eben einem Rad. Dieses Rad nimmt uns das Gewicht des Gerätes ab und sorgt dafür, dass wir es nur noch schieben und nicht heben müssen. Durch diese Erleichterung hackt man mit der Radhacke eine Fläche etwa doppelt bis dreimal so schnell wie mit einem Stielgerät. Der Einsatz einer Radhacke lohnt sich immer dann, wenn man lange, gerade Reihen bewirtschaftet. Im besten Fall wählt man ein Anbaugerät (Hacke, Grubber oder Häufler) in genau der richtigen Arbeitsbreite.

Radhacken werden bei uns am häufigsten in Kombination mit einer Pendelhacke gekauft. Diese bügelförmige Hacke hat an der Unterkante eine beidseitig scharfe Klinge und ist so aufgehängt, dass sie beim Vorwärts- und beim Rückwärtsschieben der Radhacke das Unkraut in etwa 2 bis 3 cm Tiefe unterschneidet. Man bewegt sich bei der Arbeit mit einem Schritt und einem Stoß der Arme vorwärts und zieht das Gerät dann wieder leicht zurück. Pendelmesser gibt es für unsere in der Schweiz hergestellten Radhacken „Berg“ und „Pico“ und für die französischen „Terrateck“-Hacken. Die Hersteller bieten, neben Hacken, vom Striegel über den Häufelpflug bis zur Walze verschiedenste Anbaugeräte an. Einige Modelle sind Zweiradhacken, die auf beiden Seiten einer Gemüsereihe gleichzeitig arbeiten. Ein einfacheres und kostengünstiges Modell aus Schweden ist die „Lucko“-Radhacke, die, und das ist die Besonderheit, mit einem Rasenkantenschneider für den Bordstein ausgestattet werden kann. Unsere neueste und schönste Radhacke stammt aus den USA: Die „Earthway“ Radhacke besitzt Eichenholzgriffe und bringt als einzige Radhacke drei Anbauteile im Lieferumfang mit: einen Furchenzieher sowie einen Kultivator mit fünf Zinken und einen Häufelkörper. Mit seinem schwungvollen und zeitlosen Design könnte das Modell „Earthway“ in jedem Western mitspielen, und amerikanische Garten-Blogger beschwören, dass die Radhacke, die ihr Opa jahrzehntelang verwendet hat, genauso aussah.

LÄUSEBANDE!

Es scheint ein lausiges Jahr zu sein: Teilweise fallen die krabbelnden Tierchen schon von den Zweigen auf uns herab, ganze Bohnenreihen kämpfen sich durch einen schwarzen Belag, und der Klatschmohn hatte bei der Blüte ganz dunkle Stängel. Durch den milden Winter haben nicht nur Läuseeier den Winter überstanden, sondern auch viele der erwachsenen Tiere. Deshalb kam es dieses Jahr schon früh zu einem starken Auftreten der kleinen Krabbler.

An unseren umhegten und geliebten Gartenpflanzen sehen wir Läuse und die Schäden, die sie verursachen, nicht so gerne. Ein starker Läusebefall verhindert den Saftfluss in der Pflanze, verformt Blätter und Blüten und mindert den Ertrag. Wo eine Pflanze, die uns wichtig ist, noch Blüten und Früchte, Kerne oder Samen bilden soll oder gar unter dem Befall zu verkümmern droht, sollten wir einschreiten: Eine erste Maßnahme ist einfach das Zerdrücken oder Abwischen der Läusekolonie. Hilfreich ist auch eine Brause mit einem kalten, harten Wasserstrahl, der die Tierchen abspült. Sanfte Hilfsmittel wie Schwarze Seife oder Neudosan Blattlausfrei, welches aus Kaliseife besteht, können aufgesprüht werden. Zu Hause lässt sich so ein Mittel auch aus biologisch abbaubarem Geschirrspülmittel und lauwarmem Wasser herstellen. Verlauste Topfpflanzen kann man kopfüber in dieses Spülwasser tauchen. Auch frisch angesetzte Brennnesseljauche hilft, nach einem Tag unverdünnt mit der Gießkanne über die befallenen Triebe gegossen, den Läusen den Appetit zu verderben.

Eine härtere Abwehr ist Schädlingsfrei Organic, das aus dem tropischen Neem-Baum gewonnen wird. Es wirkt nicht nur gegen Läuse, sondern auch gegen viele Schadinsekten wie Kartoffelkäfer, Buchsbaumzünsler und Spinnmilben und sollte wegen dieser breiten Wirkung mit Bedacht und nur bei starkem Befall eingesetzt werden. Wenn Sie einen großen Garten haben, sehr geduldig und großzügig sind oder Ihnen der Garten als Lebensraum wichtiger ist als der Ertrag oder das Aussehen einiger Pflanzen, lassen Sie die Läuse schalten und walten: Auch die Nützlinge werden sich entsprechend stark vermehren und man sieht schon bald überall Marienkäferlarven krabbeln. Läuse befallen meist die schwächsten Pflanzen, und das auch nur eine Zeit lang. So zeigen sie uns unter Umständen, wo etwas nicht ganz stimmt. Blattläuse bieten Nahrung für Schwebfliegen und Spinnen, Ohrwürmer und Singvögel. Diese und viele andere Tiere finden hier direkt oder durch den Verzehr von Honigtau eine Lebensgrundlage und können in einem nahrungsreichen Sommer viele Nachkommen zeugen. So tragen Blattläuse auf die Dauer zu einem artenreichen Lebensraum Garten bei.

DER TRAUM VON DER WIESE

Eine bunte Blumenwiese ist der Inbegriff des Sommers auf dem Lande und eine der vielseitigsten Lebensgemeinschaften unserer Klimazone. Sie bietet neben unzähligen Kräutern und Gräsern auch Bienen, Käfern, Heuschrecken und Fledermäusen Raum und Nahrung. Im Vergleich dazu sind kurz gemähte, rein grüne Rasenflächen ärmer. Wer große, grasbewachsene Flächen zu pflegen hat, könnte diese daher aufteilen: Regelmäßig gemäht und als Rasenfläche gepflegt werden dann nur die intensiv genutzten Flächen, die zum Spielen und Liegen gebraucht werden. Der Rest darf zur Blumenwiese heranwachsen.

Eine Wiese darf möglichst nährstoffarm, trocken und kalkhaltig sein. Um einen Rasen in eine Magerwiese umzuwandeln, muss man ihn einmal kalken (100 g/m²) und eine 2 bis 3 cm starke Sandschicht aufbringen (1 m³/40 m²). Dann wird weiterhin wie üblich gemäht, um Nährstoffe zu entziehen. Im zweiten Jahr kann man in der Wiese schmale Streifen frei jäten oder fräsen und hier Wildblumen einsäen. Ab jetzt wird nur noch im Juni/Juli und im Oktober gemäht. Dazu braucht es wegen der Wuchshöhe eine gute Sense oder einen Balkenmäher. Das abgemähte Schnittgut sollte vor Ort trocknen und einmal gewendet werden, damit die Samen ausfallen. Danach wird das Heu abtransportiert, um den Boden frei zu machen für die Keimung von Wildblumen. So eine Wiese sollte kaum betreten werden. Eventuell lässt sie sich durch einen gemähten, geschwungenen Weg betrachten und erleben. So setzen sich über die Jahre standortgemäße Blumen durch, deren Anblick Sie immer wieder neu erfreut.

Man kann eine Blumenwiese auch auf einer Brache ansäen. Die Bodenvorbereitung besteht ebenfalls aus Abmagern mit Sand und einer Kalkung. Nach zwei bis drei Wochen, wenn sich der Boden gesetzt hat, werden Wildkräuter, Gräser, Wild- und Wiesenblumen ausgesät, vorzugsweise im Frühling oder Herbst. Hierbei kann es jedoch erst einmal zur Keimung der bereits im Boden lagernden Samen kommen, und diese sind oft ziemlich schnell. Unter Umständen muss man sie, wenn sie etwa 15 cm hoch sind, mähen und entfernen. Auf Dauer wird auch hier nur das wachsen, was zu diesem Standort passt.

Selbst wenn keine Kapazitäten für aufwändige Pflegemaßnahmen vorhanden sind oder man spielenden Kindern selbst die Wahl lassen will, wo sie herumlaufen, bietet es sich dennoch an, die Wiese etwas bunter zu gestalten: Mähen Sie einfach etwas seltener und stellen Sie den Rasenmäher möglichst hoch ein. Verzichten Sie auf Rasendünger. Entfernen Sie das abgeschnittene Gras von der Fläche. Schmale Streifen von gezielt eingesäten, blühenden Pflanzen lassen sich auch hier verwirklichen. So sorgen schon einige kleine Veränderungen für große Unterschiede, und jede Fläche kann ein wenig lebendiger werden und zu einem malerischen Bild vom Sommer beitragen.

MULCHEN – AUCH IM GEWÄCHSHAUS

Ein Gewächshaus, Folientunnel oder Frühbeetkasten schützt vor Kälte, Wind und Starkregen und bietet wärmeliebenden Pflanzen wie Tomaten, Gurken und Paprika ideale Wachstumsbedingungen. Viele zur Schärfe oder Bitterkeit neigende Gemüsearten wie Rucola, Radies und Endivie sind, im Gewächshaus gezogen, milder.

Im überdachten Raum entsteht durch fehlende Niederschläge und die einseitige Nutzung manchmal ein mangelhafter Boden, der mit jährlicher Aufdüngung dazu gebracht wird, die Pflanzen zu ernähren. Das Bodenleben wird dabei kaum gepflegt. Dadurch können die Pflanzen hier anfälliger werden für Krankheiten und Schädlinge.

Wer im Gewächshaus für einen gesunden und lebendigen Bioboden sorgen will, sollte auch hier auf Unterpflanzung und Mulch setzen: Ringelblume und Tagetes stärken bei vielen Gemüsepflanzen die Wurzelgesundheit, und einige Flecken Phacelia ziehen Bienen zur Bestäubung an. Als Mulchmaterial eignet sich am besten frisch geschnittenes Gras, Klee oder anderes Grüngut. Es bringt viel Feuchtigkeit mit und hat durch seinen Nährstoffgehalt eine gute Düngewirkung. Die hohen Temperaturen im Gewächshaus können aber nur dann zu einer guten Humusbildung führen, wenn Sie für eine ausreichende Befeuchtung sorgen. Feuchten Sie den Mulch regelmäßig mit einer Gießkanne oder dem Gießstab an. Erneuern Sie die Mulchschicht, wo sie zu dünn wird. Durch die gute Versorgung mit Rohmaterial werden sich bald Regenwürmer und zahlreiche andere Kleinlebewesen in Ihrem Gewächshausboden wohl fühlen und Ihre Pflanzen bei einem üppigen und gesunden Wachstum unterstützen.


ARBEITEN
Ernte
- Ernten und konservieren
- Pflanzen wässern und mit Brennnesseljauche gießen
- Unkraut hacken
- Mulchschicht erneuern
- Schädlingsbefall kontrollieren
- Wiesen pflegen
- Laubarbeiten und Sommerschnitt an Süß- und Sauerkirschen, Pfirsichen und Reben
- Verblühtes zurückschneiden
ERNTE
Aussaat/Pflanzung
- Frühkartoffeln
- Möhren
- Broccoli
- Kohlrabi
- Salate
- Erbsen
- Bohnen
- Gurken
- Zucchini
- Küchenkräuter
- späte Erd- und Johannisbeeren, Stachelbeeren und Himbeeren